Berlin: Tipps für den Szenebezirk Prenzlauer Berg

Du meinst, du hast in Berlin schon alles gesehen? Dann kann Insiderin Tatiana dich vielleicht vom Gegenteil überzeugen. Komm mit auf einen Streifzug durch das Viertel Prenzlauer Berg: bei Tatianas Geheimtipps von Flohmarkt-Shopping bis zu außergewöhnlichen Restaurants ist für jeden etwas dabei.

Direkt zum Inhalt

Berlin kann manchmal laut, dreckig und chaotisch sein. Und trotzdem wohne ich seit Jahren gerne hier. Kaum eine andere Stadt ist so spannend, so beeindruckend und so vielfältig! Komm in diesem Artikel mit mir auf einen Streifzug durch's Szeneviertel Prenzlauer Berg und ich zeige dir ein paar tolle Insidertipps für deinen nächsten Berlin-Besuch – und ich wette mit dir, du wirst eine andere Seite der Stadt kennenlernen!

Mauerpark & Flohmarkt

Den Menschenmassen nach zu urteilen, die hier jeden Sonntag hinpilgern, kann man den Flohmarkt am Mauerpark wohl kaum mehr Geheimtipp nennen. Aber zum echten Prenzlauer-Berg-Sonntag gehört er einfach dazu! Der ansonsten ziemlich schmucklose Park verwandelt sich dann in ein riesiges Volksfest.

Auf dem Mauerpark-Flohmarkt findest du ein spannendes Sammelsurium von DDR-Reliquien, Vintage-Porzellan, kinky Accessoires für den nächsten Besuch im KitKatClub und Retroblousons aus Ballonseide. Zum eigentlichen Flohmarkt gesellen sich noch eine beträchtliche Anzahl außergewöhnlicher Street-Food-Stände (hallo japanische Tintenfisch-Dumplings!), Straßenmusiker und das legendäre Mauerpark-Karaoke, bei dem jeder vor den Augen halb Berlins seine innere Mariah Carey channeln darf. Wer mag, schnappt sich Berlin-like am nächsten Späti ein kühles Bier oder einen Club-Mate, und versumpft einfach ganz entspannt den halben Sonntag im Mauerpark.

Tipp für Geschichtsinteressierte: Etwas weiter die Straße hinunter befindet sich die Gedenkstätte Bernauer Straße. Vom Beobachtungsturm des Dokumentationszentrums bekommt man einen guten Eindruck, welch beängstigende Schneise die Grenzanlagen der DDR durch die Stadt geschlagen haben und die multimediale Ausstellung ist wirklich sehenswert.

Street-Food in der Kulturbrauerei

Wer keine Lust hat, hangry an einem der Essensstände im Mauerpark anzustehen, der sollte rüber in die nahegelegene Kulturbrauerei. Dort findet jeden Sonntag im Innenhof ein gut ausgestatteter Street-Food-Markt mit Spezialitäten aus aller Welt statt. Ganz unparteiisch empfehle ich als Brasilianerin dir die Pasteis von Delas (übrigens als brasilianischer Treffpunkt mit die beste Sonntagsstimmung am Stand!), dazu entweder Guaraná (brasilianische Limonade) oder frisch gepressten Zuckerrohrsaft für den absoluten Zuckerschock, aber in gesund.

Kollwitzkiez: Der rausgeputzte Prenzlauer Berg

Rund um den Kollwitzplatz ist es Gerüchten zufolge besonders schwäbisch, besonders kinderreich und die alten Häuserzeilen besonders hübsch saniert. Am besten, du machst dir einfach selbst ein Bild! Ich für meinen Teil fühle mich hier immer ein bisschen wie in einer Freizeitpark-Version eines Pariser Viertels, mit viel gutem Essen und geschmackvollen Läden. Perfekt für einen chilligen Nachmittag!

Tagsüber erkundest du den Kollwitzkiez am besten an einem Markttag. Donnerstags findet auf dem Kollwitzplatz der Ökomarkt, samstags der reguläre Wochenmarkt statt. Rund um Rykestraße, Sredskistraße und Kollwitzstraße findest du außerdem viele schöne Geschäfte und Lokale mit guter Küche.

Bei Betty’n Caty kannst du hervorragend brunchen, beim Klassiker Anna Blume mit angeschlossenem Blumenladen gibt es die weltberühmten Frühstücksetageren bis spät am Tag und das Lucky Leek überzeugt auch den hartnäckigsten Fleischesser von der Vielfalt veganer Gerichte.

Apropos Paris: Wenn das Wetter gut ist, kauf bei L’Épicerie, einem gut sortierten Feinkostladen, eine Flasche gut gekühlten Rosé, frisches Baguette und französischen Käse ein – und rauf damit auf den kleinen Park oberhalb des Wasserturms! Den kennen nämlich nur wenige und von hier aus hat man beim Picknicken einen tollen Blick auf die Häuserschluchten von Prenzlauer Berg und den Fernsehturm am Alexanderplatz!

The New Kids on the Block: Neue Sterne am Foodie-Himmel

Wirklich schlecht essen zu gehen, klappt in Prenzlauer Berg immer weniger: Die Konkurrenz ist groß und wir Berliner sind mittlerweile ziemlich verwöhnt. Zwei neue Locations kann ich dir daher uneingeschränkt ans Herz legen.

Das ChaoMin ist Berlin’s erstes Congee-Restaurant. Congee ist ein in Brühe aufgekochter, würziger Reisbrei und wird in vielen asiatischen Ländern als Comfort Food geliebt. Der schlotzige, blasse Brei sieht nicht immer verlockend aus, aber es ist wirklich ein wärmend-wohliges Geschmackserlebnis. Magst du Schweinefleisch, solltest du dort unbedingt das Signature Congee namens Cháo Min probieren, mit Toppings wie knusprig getrocknetem Schweinefleisch und luftig frittierten Brotstangen. Vegetarisches und veganes Congee gibt es ebenfalls.

Die Schlange wartender Hungriger windet sich die Schönhauser Allee hinauf und aus der schmalen Tür wabern aromatische Knoblauchdämpfe in riesigen Wolken auf die Straße: Bei Wen Cheng Handpulled Noodles gibt es Biang Biang Nudeln in einer so geschmacksintensiven Sauce, dass es mich sofort wieder in Gedanken nach China katapultiert hat. Absolut köstlich. Die breiten Bandnudeln werden einzeln frisch handgezogen. Wer will, kann im Lokal dem fingerfertigen Koch beim Nudelziehen zuschauen.

Café-Hopping in Prenzlauer Berg

In Prenzlauer Berg kannst du eigentlich auch den ganzen Tag nur damit verbringen, durch die Cafés zu ziehen und dich an cremigen Cappuccinos aus Kaffeebohnen der besten Indie-Kaffeeröstereien satt zu trinken. Oder die exotischsten Leckereien zu probieren. Wirklich, das Angebot an guten Locations ist endlos, aber damit du nicht lange suchen musst, verrate ich dir ein paar meiner Favoriten.

Ins Frank Café solltest du definitiv um die Mittagszeit, denn der Mittagstisch ist wirklich immer köstlich. Oder nach einem anstrengenden Sightseeingtag – denn dann lässt sich besonders gut auf der schattigen Terrasse chillen. Innen erwartet dich ein wahrer Urban Jungle mit sattgrünen Pflanzen und stuckverzierten Decken. Das Frank Café befindet sich auf dem Pfefferberg am Senefelder Platz; etwas versteckt geht es die Treppe hoch auf die Terrasse und zum Café. Echter Geheimtipp. (Aber nicht mehr lange, das ist sicher!)

Das Unser Café erfreut sich mittlerweile so großer Beliebtheit, dass man ohne Reservierung hier erst gar nicht wagen sollte, ausgiebig frühstücken zu wollen. Mit angeschlossener portugiesischer Bäckerei kann ich besonders die oft noch ofenwarmen Pasteis de Nata empfehlen: Hier gibt es nämlich nicht nur die schnöde vanillige Variante, sondern auch so tolle Sorten wie Kokos-Zitrone, Orange, Blaubeere, Schokolade oder Banane.

Die Pasteis mit Capucchino im Unser Café im Szeneviertel Prenzlauer Berg, Berlin sollte man als Besucher auf jeden Fall probieren.
Prenzlauer Berg Bei Unser Café gibt’s Pasteis de Nata in allen Variationen.
airline partner
Sponsor
Lufthansa
Von München nach Berlin mit Lufthansa innerhalb von einer guten Stunde.

Für Wochenenden solltest du dir das Cookies & Co. merken. Denn dann gibt’s hier die wechselnd gefüllten Weekendboxen mit so illustren Leckereien wie Ricotta-Zitronen-Kuchen mit Zitronenstreusel und Yuzu-Creme oder dunklen Schokokuchen mit Matcha-Creme, Colagelee und Kirschen. Wer's lieber einfacher mag: Die in der hauseigenen Patisserie gefertigten Croissants sind auch ziemlich perfekt!

Übrigens: In Berlin wird spät gefrühstückt. Es ist durchaus keine Seltenheit, dass noch bis 16 Uhr Frühstück serviert wird, besonders am Wochenende. Also heißt es wie so oft in Berlin: Keine Hektik! Auch stundenlanges Nippen an einem Getränk wird in den meisten Läden nicht abgestraft; im Allgemeinen ist der Service entspannt und zurückhaltend.

Tipp für Eis-Fans: Berlin weist eine unglaublich hohe Dichte an guten Eisdielen vor und in Prenzlauer Berg findest du einige der besten! Lass dich also von langen Schlangen vor der Eispatisserie Hokey Pokey (Stargarder Straße & Oderberger Straße) oder Rosa Canina (Bötzowkiez) nicht abschrecken: So leckere wie außergewöhnliche Sorten wie Tonkabohne mit Sesamkrokant oder Zitrone-Zimt sind es wert.

Shopping in Prenzlauer Berg

„Weißt du, wir sind nicht nur ein Laden, sondern eigentlich ein therapeutisches Projekt“, sagt Mitarbeiterin Steffi sanft, als ich mich noch ganz beseelt durch den bunt geschmückten Laden staune. Bei einLaden gibt es nämlich großartige, bunte Piñatas (ihr wisst schon, die bunten Pappmaché-Figuren aus Lateinamerika) in allen Formen und Farben! Natürlich handgemacht, na klar, und so hübsch gearbeitet, dass es mich förmlich magisch angezogen hat. Das Besondere: In diesem sozialen Projekt werden Menschen mit psychischen Erkrankungen dabei unterstützt, wieder gesund zu werden. Alle Produkte (zu den wiederverwendbaren Piñatas gibt es noch jede Menge Partydekoration wie Papier-Pompoms) werden in der hauseigenen Werkstatt hergestellt.

Überhaupt gibt es in Prenzlauer Berg unzählige kleine Kiezgeschäfte mit Flair, an der Kastanienallee, um den Helmholtzplatz und dem Kollwitzplatz, sowie entlang der Marienburger Straße und der Bötzowstraße wirst du garantiert fündig.

Hier ein paar meiner persönlichen Favoriten:

  • Tom Shot (Kollwitzkiez) – Hochwertiger Modeschmuck, handgefertigt in Berlin
  • Broke + Schön (Kastanienallee) - individuelle & bezahlbare Mode sowie Accessoires
  • Kauf dich Glücklich - mittlerweile gibt es Filialen der Ur-Berliner Modekette in ganz Deutschland, aber wirklich legendär ist die Stammfiliale an der Kastanienallee, wo es nach wie vor neben gut sortierter Kleidung richtig leckere frische Waffeln im 50er Jahre Ambiente gibt.
  • Viktoria met Albert (Helmholtzplatz) - Concept Store mit Damen- und Herrenmode & ausgefallenen Interiorschätzchen

Überhaupt solltest du dir einen Bummel entlang der Kastanienallee nicht entgehen lassen - der Spitzname Castingallee kommt nicht von ungefähr 😉

Übernachten in Prenzlauer Berg

Unterkünfte gibt es in Berlin zuhauf, und das für jeden Geldbeutel. Zwei besondere Tipps möchte ich dir dennoch vorstellen.

Hotel Oderberger

Hast du schon mal in einem Hallenbad übernachtet? Das Hotel Oderberger in der gleichnamigen Oderberger Straße war nämlich ursprünglich ein städtisches Hallenbad! Berlin hat ja eine lange Tradition öffentlicher Badeanstalten und bis heute gibt es einige richtig nostalgische Bäder in der Stadt. Nach langer Stilllegung und zwischenzeitlicher Nutzung als Eventlocation wurde das Oderberger Bad in ein Hotel umfunktioniert – die große Halle mit dem Bad blieb erhalten. Tipp: Das Bad ist in der Woche auch für Nicht-Hotelgäste zugänglich!

Übernachten ganz nah bei The Hoff

Berlin ist groß, und wenn man viel von der Stadt sehen will, ist eine strategisch günstige Lage unerlässlich. Mit dem Circus Hotel am Rosenthaler Platz hast du nicht nur den perfekten Ausgangspunkt für Streifzüge durch Prenzlauer Berg (hier beginnt nämlich die Kastanienallee!), sondern hier beginnt auch das nicht minder interessante, stylische Mitte!

Das Circus Hotel gehört außerdem zum schräg gegenüberliegenden Circus Hostel, das nicht nur durch eine ziemlich nette Bar und hauseigener Mikrobrauerei besticht, sondern im Keller auf drei Quadratmetern auch das weltweit einzige David-Hasselhoff-Museum beherbergt! Zwei Mal schon war „The Hoff“ höchstpersönlich hier und soll nach dem Rechten gesehen haben.

Allgemeine Tipps für Berlin & Prenzlauer Berg

  • Um Prenzlauer Berg zu erkunden, leihst du dir am besten ein Rad, die einzelnen Kieze sind zu Fuß doch recht weit voneinander entfernt. Alternativ kannst du dir über die jeweilige App auch einen der zahlreichen E-Roller mieten.
  • Abends und durchgängig am Wochenende fährt der Berlkönig, eine Art Sammeltaxi. Sehr praktisch und besonders nachts eine günstige Taxi-Alternative. Die dazu nötige App musst du dir vorher hier herunterladen.
  • Der berühmt-berüchtigte Berliner Charme wird dich auch in Prenzlauer Berg früher oder später treffen - nimm’s mit Humor!

Startklar für ein paar Tage in der Hauptstadt? Oder du hast als alter Berlinkenner noch mehr Tipps? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!