
Singapur Geheimtipps: Die Seiten der Stadt, die die meisten verpassen
Singapur ist bekannt für seine Skyline, seine Sternelokale und den Jewel am Flughafen, ein begrüntes, gläsernes Bauwerk. Aber die Seiten der Stadt, die mich am meisten überrascht haben, lagen woanders: auf einer Insel, auf der die Zeit stillsteht, in einem Naturschutzgebiet mit wilden Krokodilen, und auf Wanderwegen hoch über den Baumwipfeln. Ich nehme dich mit an die Stellen, die die meisten Reisenden überspringen – und die genau deshalb so besonders sind.
Pulau Ubin: Das alte Singapur, lebendig erhalten
Wer nach Singapur kommt und nur die Hochhäuser sieht, hat nicht das ganze Bild. Pulau Ubin ist eine kleine Insel vor der Nordostküste – und sie fühlt sich an wie eine andere Welt. Keine Hochhäuser, keine Shopping-Malls, keine Klimaanlagen. Stattdessen: Dschungel, Mangroven, Kampong-Häuser (traditionelle Stelzenhäuser), Affen am Wegesrand und ein Tempo, das nichts mit dem Rest der Stadt zu tun hat. So soll Singapur früher gewesen sein. Und hier ist es noch so.
Wie du hinkommst
Wir haben uns vom Hotel aus direkt ein Taxi zum Changi Point Ferry Terminal genommen – das ist die bequemste Option und dauert je nach Verkehr etwa 30 bis 45 Minuten. Am Terminal nimmst du ein Bumboat – ein kleines Holzboot, das fährt, sobald 12 Personen an Bord sind. Wichtig: Es gibt keinen Fahrplan. Das Boot bewegt sich erst, wenn genug Leute da sind – wie lange das dauert, hängt vom Andrang ab. Wer nicht warten will, kann mit dem Bootsführer verhandeln und die fehlenden Plätze selbst bezahlen – das ist möglich, aber nicht günstig.
Auf große Kommunikationsbereitschaft solltest du dabei nicht zählen: die Bootsfahrer sind nicht gerade gesprächig. Alternativ einfach warten – am Wochenende und morgens füllen sich die Boote meist schneller. Die Überfahrt dauert etwa 15 Minuten und kostet 4 SGD (ca. 2,80 Euro, Stand: Februar 2026) pro Person, in eine Richtung. Gezahlt wird mit Bargeld – am Changi Village gibt es einen Geldautomaten. Betriebszeiten: täglich ca. 6:00 bis 19:00 Uhr.
Wichtig: Plane den Rückweg ein. Nach 19:00 Uhr wird die Rückreise schwierig, weil kaum noch Passagiere unterwegs sind. Von Changi Village aus ist es sehr unwahrscheinlich, ein Taxi oder Grab zu bekommen. Wir wurden über Grab mehrfach abgelehnt und sind dann mit dem Bus und dem MRT (Mass Rapid Transit) zurückgefahren, was mit Google Maps gut funktioniert hat. Also einfach Offline-Karte parat haben und etwas Zeit einplanen.
Was dich erwartet
Vom Anlegesteg aus sind es nur wenige Schritte bis zum ersten Fahrradverleih – das ist die beste Art, die Insel zu erkunden. Ein Rad ausleihen kostet rund 8 bis 15 SGD (ca. 5,60 bis 10,50 Euro, Stand: Februar 2026) pro Tag, je nach Modell. Die Wege sind zum Teil unbefestigt und führen durch Dschungel, an Mangroven entlang und vorbei an alten Häusern, die noch bewohnt sind.
Highlights auf der Insel: Chek Jawa Wetlands im Osten – ein Küstenfeuchtgebiet mit Boardwalk, Aussichtsturm und beeindruckend vielfältiger Tierwelt: Mudskippers, Fiddler-Krabben, Warane und Hornvögel. Am besten bei Ebbe besuchen, wenn die Unterwasserwelt sichtbar wird.
Die Affen auf der Insel sind ein eigenes Highlight: Nicht immer ganz zahm, also besser Abstand halten und nichts zu essen herausholen.
Handydaten funktionieren nicht überall auf der Insel. Es lohnt sich, vorher eine Offline-Karte herunterzuladen.
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Sungei Buloh Wetland Reserve: Krokodile, Mangroven und echte Stille
Das war einer der unerwarteten Momente unserer ganzen Reise. Das Sungei Buloh Wetland Reserve liegt im Nordwesten Singapurs – weit weg vom touristischen Zentrum, etwa 30 bis 40 Minuten mit dem Taxi von Chinatown. Der Eintritt ist komplett kostenlos.
Was dich hier erwartet: 130 Hektar geschütztes Feuchtgebiet mit Mangroven, Gezeitenebenen und Boardwalks. Es gibt über 200 Vogelarten, Warane, Schlangen, Mudskippers – und ja, echte Salzwasserkrokodile. Wir haben eines gesehen, das gut 5 Meter lang war. Es lag direkt auf einem der Wege – davor war zum Glück ein Zaun, der uns getrennt hat. Trotzdem: komplett surreal für eine Stadt wie Singapur.
Am besten bei Ebbe besuchen – dann sind die Tiere aktiver und die Mudflats freigelegt, was die Chancen auf Wildlife-Sichtungen erhöht. Die Gezeiten für Singapur lassen sich online leicht nachschlagen.
Die Trails sind gut ausgeschildert und gut zugänglich – von der kurzen 500-Meter-Mangroven-Promenade bis zum 1,95 km langen Zugvogel-Trail mit fünf Vogelbeobachtungshütten. Plant mindestens 3 bis 4 Stunden ein, wenn ihr es entspannt genießen wollt – Tiere warten nicht auf Eilige. Öffnungszeiten: täglich 7:00 bis 19:00 Uhr (letzter Einlass 18:30 Uhr). Der Eintritt ist frei.
Anreise: Wir sind mit dem Taxi hingefahren – das ist die bequemste Option, dauert ca. 30 bis 40 Minuten von Chinatown. Zurück sind wir zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle und dann mit dem MRT zurückgefahren. Mit Google Maps funktioniert das gut, man sollte nur etwas Zeit einplanen.
Southern Ridges & Henderson Waves: Über den Baumwipfeln wandern
Die Southern Ridges sind ein 10 Kilometer langer Wanderweg im Süden Singapurs, der mehrere Parks miteinander verbindet. Wir sind nur einen Teil davon gelaufen – und es hat sich trotzdem gelohnt.
Das Herzstück: die Henderson Waves Bridge – Singapurs höchste Fußgängerbrücke, 36 Meter über der Straße, 274 Meter lang, aus Stahl und Holz in einer wellenförmigen Architektur. Kein Eintritt, kein Ticket.
Von der Brücke aus öffnet sich der Blick auf den Hafen, die südlichen Inseln und das Grün der Hügel. Tagsüber ist die Brücke kühl beschattet durch die geschwungenen Holzrippen, die gleichzeitig als Sitznischen dienen. Ab 19:00 Uhr wird die Brücke mit LED-Lichtern illuminiert – ein ganz anderes Erlebnis.
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Der komplette Southern Ridges Walk verbindet Kent Ridge Park, Telok Blangah Hill Park und Mount Faber Park über mehrere Brücken und Waldpfade – insgesamt sind es rund 10 Kilometer. Das ist ein echter Halbtagesausflug und sollte nicht unterschätzt werden. Wer nur einen kurzen Abstecher macht: Die Henderson Waves Bridge allein ist die Mühe wert und der Ausflug dauert kaum eine Stunde. Alles ist kostenlos und rund um die Uhr zugänglich.
Anreise: MRT zur Station Redhill (EW18), dann Bus 145 bis Haltestelle Bef Telok Blangah Hts. Oder Grab direkt zum Telok Blangah Hill Park.
Wildseed Café im Alkaff Mansion: Der schönste Brunch-Spot der Stadt
Singapur ist ohnehin eine unglaublich grüne Stadt – Parks, Bäume und Begrünung überall. Aber das Wildseed Café hebt das noch einmal auf ein anderes Level. Es liegt im Erdgeschoss der historischen Alkaff Mansion auf dem Telok Blangah Hill – einem Hügel im Süden Singapurs, von dem aus man die Skyline in der Ferne sieht.
Das Café ist eine blumengeschmückte, lichtdurchflutete Patisserie mitten im Grünen, haustierfreundlich und ideal für einen langen Brunch-Morgen. Frisch gerösteter Kaffee, Blumenkuchen und ein Garten-Ambiente, das man in einer Großstadt kaum erwartet. Öffnungszeiten: täglich 8:00 bis 17:00 Uhr. Reservierung wird empfohlen – besonders am Wochenende.

Die geschwungene Henderson Waves Bridge führt durch tropische Vegetation.
Direkt nebenan auf dem Hügel beginnt der Southern Ridges Walk – beides lässt sich wunderbar kombinieren: Brunch im Wildseed, danach über die Henderson Waves wandern.
Weitere Geheimtipps: Ecken, die kaum jemand kennt
Aktivitäten bei Regen: Wenn Singapur grau wird
Singapur hat ein tropisches Klima – kurze, intensive Schauer sind jederzeit möglich. Aber das ist kein Problem, weil die Stadt bei Regen genauso viel zu bieten hat.


Cloud Forest & Flower Dome
Die spektakulären Gardens by the Bay sind vollständig überdacht und klimatisiert – eine perfekte Regentag-Option.
Hawker Center: Nahezu alle Foodcourts oder Markthallen sind überdacht. Regen ist kein Grund, nicht essen zu gehen.
Incloud Tea House: Ein regnerischer Nachmittag und ein guter Tee passen perfekt zusammen.
Massage oder Spa: Wir waren in einem koreanischen Head Spa und haben danach eine klassische Massage genossen – perfekt nach vielen Schritten und bei grauem Wetter. Einfach googeln, Singapur hat eine riesige Auswahl.
Orchard Road: Shoppingmeile mit Malls, die direkt miteinander verbunden sind – man kommt kaum in den Regen.
ArtScience Museum: Spektakuläre Installationen, visuell beeindruckend. Bei unserem Besuch lief TeamLab Future World – toll inszeniert, eher für visuelle Erlebnisse als tiefe Inhalte.
Sentosa & Strand: Was du wirklich erwarten kannst
Singapur ist kein Strandziel – das sollte man von Anfang an wissen. Wer einen weißen Traumstrand sucht, ist anderswo besser aufgehoben. Trotzdem hat Sentosa seine Berechtigung, wenn man weiß, worauf man sich einlässt.
Sentosa ist eine Freizeitinsel mit Beachclubs, Pools, Zipline und Cable Car. Sehr künstlich, sehr touristisch – aber wenn man genau das will, ist es gut gemacht. Die Cable-Car-Fahrt in der 360-Grad-Variante lohnt sich wegen der Aussicht. Beachclubs wie Tanjong Beach Club oder Siloso Beach haben Atmosphäre und sind nett für einen halben Tag.

An Sentosas Stränden ist "Beach-Hopping" etwas ganz Besonderes (Credit: Franziska Reichel)
Wer echte Natur sucht: Pulau Ubin ist die deutlich bessere Wahl – aber auch dort badet man nicht.
Wertvolle Tipps für eine Reise nach Singapur
Was sind die besten Geheimtipps für Singapur?
Pulau Ubin: Die Insel vor der Küste, auf der Singapur noch so ist wie früher – mit Fahrrad und ohne Touristenstress. Sungei Buloh Wetland Reserve: Krokodile, Warane und Mangroven, kostenlos und völlig unter dem Radar. Henderson Waves & Southern Ridges: Singapurs höchste Fußgängerbrücke, mitten im Grünen, kein Eintritt. Wildseed Café im Alkaff Mansion: Brunch in einem blumengeschmückten Café auf einem Hügel. Incloud Tea House: Ein Tee-Erlebnis, das sich von allem anderen abhebt.
Wie kommt man nach Pulau Ubin?
Am einfachsten mit dem Taxi direkt zum Changi Point Ferry Terminal – ca. 30 bis 45 Minuten vom Chinatown. Dort wartest du auf einen Bumboat – das Boot fährt ab, sobald 12 Personen an Bord sind. Die Überfahrt dauert ca. 15 Minuten und kostet 4 SGD (ca. 2,80 Euro) pro Person, eine Richtung. Nur Bargeld. Betrieb täglich ca. 6:00 bis 19:00 Uhr. Fahrräder kannst du direkt am Jetty auf der Insel mieten – ab 8 SGD (ca. 5 Euro) pro Tag. Für den Rückweg: Ein Taxi oder Grab von Changi Village aus zu bekommen ist schwierig – lieber mit Bus und MRT zurück, Google Maps zeigt die Route.
Gibt es Strände in Singapur?
Singapur ist kein klassisches Strandziel – das sollte man von Anfang an wissen. Sentosa hat zwar Strände, die aber alle gepflegt und arrangiert sind – nichts Wildes, nichts Natürliches. Bei unserem Besuch waren die Strände sogar komplett gesperrt, weil ein Krokodil gesichtet worden war. Das sagt vielleicht mehr über Singapur als jede Beschreibung. Sentosa hat außerdem Beachclubs, Pools und Freizeitattraktionen. Wer echte Natur möchte, fährt auf Pulau Ubin – aber auch dort badet man nicht. Wer wirklich Strand und Meer will, reist von Singapur aus weiter nach Malaysia, Indonesien oder Thailand. Singapur ist dafür als Ausgangspunkt bestens geeignet.
Was kann man bei Regen in Singapur machen?
Einiges. Cloud Forest und Flower Dome in den Gardens by the Bay sind vollständig überdacht und klimatisiert. Hawker Center sind fast immer überdacht. Die Shopping Malls entlang der Orchard Road bieten stundenlange Ablenkung. Ein Tee-Erlebnis im Incloud Tea House oder eine Massage machen aus einem Regentag eine entspannte Auszeit. Das ArtScience Museum mit wechselnden Installationen ist ebenfalls eine gute Option. Singapur lässt sich bei Regen überraschend gut erleben – einige unserer entspanntesten Momente hatten wir an Regentagen.
Wie viele Tage sollte man in Singapur verbringen?
Drei Tage sind das Minimum für die Highlights. Vier bis fünf Tage erlauben einen echten Einblick und lassen Zeit für Pulau Ubin oder Sungei Buloh. Sieben Tage – wie wir sie hatten – fühlen sich nie zu lang an: Man entdeckt immer noch neue Ecken, findet Lieblingscafés, hat Zeit für ruhige Tage und kommt auch an etwas weniger bekannte Orte. Wer Singapur als Stopover in einem längeren Südostasientrip besucht: Mindestens drei volle Tage einplanen.
Ursprünglich veröffentlicht am 11.06.2026










