Kopenhagen für Hipster: Essen, Shopping, Kunst

Es gibt Städte, denen ein Hype vorauseilt. Man hat Lust, endlich selbst dorthin zu reisen, oder man lässt die Finger davon, weil man zu hohe Erwartungen hat. Was Kopenhagen betraf, hat Reisebloggerin Anika Landsteiner nach einer jahrelangen Sehnsucht endlich nachgegeben – und die dänische Hauptstadt abseits der kleinen Meerjungfrau und Schloss Amalienborg für sich entdeckt.

„Insidertipps“ sind mittlerweile groß und breit auf TripAdvisor gelistet. Die vermeintlich unbekannte Bar, in der nur Locals sitzen, gibt es in solchen Touristenmagneten wie Kopenhagen immer weniger. Deswegen habe ich mittlerweile aufgehört, meinen Fokus auf die Onlinerecherche zu legen, sondern mache es wie folgt: Ich komme an und dann laufe ich einfach los. Oder schwinge mich, Kopenhagen-Style, aufs Rad (Mieträder gibt es u.a. bei Bycyklen). Und wenn ich Lust auf einen Kaffee habe, dann kehre ich dort ein, wo es mich hineinzieht. Immer dem Bauchgefühl nach, vor allem, wenn es um den Genuss geht – und der wird in Kopenhagen ganz groß geschrieben.

Von hipsteresquen Smørrebrød, himmlischen Cupcakes und leckerem Wein

Die Dichte an Gourmet-Restaurants und mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Food-Tempeln ist sehr hoch in der dänischen Hauptstadt. Für das Noma, das bereits vier Mal zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde, habe ich kurzfristig keinen Platz mehr bekommen. Was nicht schlimm war, denn ich wohnte in der schönen Stefansgade im noch schöneren Stadtteil Nørrebro und genau dort fand ich so viele kulinarische Erfüllungen, dass ich alleine darüber einen Artikel schreiben könnte.

Morgens, halb 10 in Kopenhagen, ich stolperte ins Møller, ein unaufdringlich durchgestyltes Café, in das ich gerne eingezogen wäre, hätte ich nicht nur einen Stopp für frisches Roggenbrot mit Avocado, hausgemachter Marmelade, Bio-Ei im Strohbettchen und feinstem Cappuccino eingelegt. Das Møller war am Freitagmorgen randvoll, vor allem junge Dänen saßen mit Familien oder Freunden zusammen – und ich mittendrin. Bereits da fiel mir auf: Trotz der hohen Preise sind Restaurants, Cafés und Bars selbst unter der Woche immer gut besucht – hier geht man aus, hier genießt man. Das Leben macht richtig Spaß in Kopenhagen, vorausgesetzt, man kann es sich leisten.

Wenn man viel läuft, darf man sich auch belohnen. Am besten geht das mit Cupcakes, die man sich kaum zu verschlingen traut, solche Kunstwerke sind sie: Ins Serenity Cupcakes bin ich genauso ziellos gestolpert wie ins Møller. Die Kunstwerke werden alle von Mariam Mistry am Morgen selbst gebacken, am Mittag wird ihnen das Topping aufgesetzt und am Nachmittag geht es ans Schlemmen! Mit ihren ungewöhnlichen Eigenkreationen hat Mariam es schon vielfach in die dänische Presse geschafft.

Für den Abend ging es zurück in das angesagte Viertel Nørrebro, der Vermieter meines Airbnb-Apartments hatte so viele Tipps parat für die nähere Umgebung, dass ich nicht anders konnte, als mich darauf zu verlassen. Ich landete prompt im Cafe Taxa, in dem in früheren Zeiten Taxifahrer gegessen haben, heute aber der typisch dänische Hipster bei einer Flasche Wein in schummrigen Licht mit noch hipperen Menschen zusammensitzt und zu Abend isst. Super lässige, angenehme Atmosphäre.

Tipp: Danach einfach mal durch die Nachbarschaft flanieren. So bin ich zufällig bei Sonnenuntergang in ein Straßenfest gestolpert, das vor der Kulisse wunderschöner Altbauten seinen ganz eigenen Flair entfaltete. Gute Bars in der Nähe: Antidote Vinbar (kostspielig) und das Manfreds.

Weitere Tipps zum Schlemmen & Genießen

Lange kein Geheimtipp mehr, dafür absolutes Muss. Papirøen, der Streetfood-Markt auf Paper Island. Ein Mekka für alle, die gerne essen und den Tag dort verbringen, wo Kreativität großgeschrieben wird. Übrigens gibt es das Papirøen nur noch bis 2018 – sofort hin!

Etwas abseits gelegen und genau deswegen ein Geheimtipp für Touristen: das Wulff & Konstali (Achtung: Die Filiale Lergravsvej 57 ist die richtige, in der anderen findet man eine Art Bäckerei). Zwar ist es dort laut und voll, aber unglaublich lecker. Mit Blick in die riesige offene Küche läuft einem bereits beim Ankreuzen der einzelnen Gerichte das Wasser im Mund zusammen. Übrigens total gängig in Kopenhagen: Essen auswählen, Kreuzchen machen, Zettel abgeben, am Tresen bezahlen.

København – ein Shoppingparadies. Augen zu und durch die Preise!

Ja, das ist wohl der vielleicht einzige und bereits oben erwähnte Haken an Kopenhagen, mal abgesehen von dem Aprilwetter mitten im August: Die Preise. Wer einen Hang zum schlichten, dänischen Design pflegt, das mittlerweile weltweit kopiert wird und überall dort zu finden ist, wo eine neue Bar mit Vintage-Potenzial eröffnet, sollte versuchen, nicht aufs Geld zu achten. Anders macht die Stadt einfach keinen Spaß. Also: Happy shopping und Bankkonto nicht checken. Easy und los geht’s!

Im Notre Dame habe ich ganz tolle Einrichtungsgegenstände und Dekoartikel gefunden. Selbst wenn man nicht fündig wird, holt man sich hier die perfekte Ladung Inspiration ab. Zum Selbermachen oder Weitersuchen. So richtig die Zeit vergessen und durch kleine, feine Shops stöbern konnte ich ein paar Straßen weiter besonders gut: im Areal Straedet, wo dänische und generell skandinavische Labels beheimatet sind. Für Vintage wurde ich hier fündig: Das Carmen Copenhagen ist einer der schönsten Läden. Zwar fand ich ihn etwas klein geraten mit einer überschaubaren Auswahl an Secondhand-Artikeln, dafür war er liebevoll eingerichtet.

Kunst, Kultur, Lifestyle – den Dänen geht es gut und das machen wir jetzt mal nach!

In Kopenhagen gehört der Drahtesel zum Lebensstil wie die gute Laune trotz mäßigen Wetters. Gerade am Wochenende waren viele Dänen früh unterwegs, schwangen sich auf das Fahrrad und fuhren durch ihre Stadt, die Kinder trugen trotz 17 Grad und Windböen keine Strumpfhosen, sondern lieber Gummistiefel. Fand ich super. Es ging ins Museum (wunderschön ist die Glyptothek mit dem Café im Palmengarten, das definitiv einen Besuch wert ist), man machte eine Bootsfahrt und winkte der Meerjungfrau oder kaufte Blumen, die dann vorne im Fahrradkorb lagen. Ein Wochenende voller Hach-Momente.

Ein Herzenstipp für alle, die sich dem Rummel der Stadt kurz entziehen wollen: Die florale Boutique von Tage Andersen, dem berühmten Gartenkünstler. Gegenüber von Serenity Cupcakes lockte mich seine mit einer unglaublichen Pflanzenpracht bestückte Boutique. Exotische Vögel zwitscherten in riesigen Metallkäfigen und dazu schallten mystische Gesänge aus den Boxen. Aus der Rubrik: Nicht von dieser Welt. Hier kann man sich verzaubern lassen und für einen kleinen Eintrittspreis geht es in den Innenhof, eine absolute Wohlfühloase.

Wer von Kultur und Lifestyle spricht, muss definitiv Christiania erwähnen:  Die Freistadt mitten in Kopenhagen, umgeben von Teilen der ehemaligen Stadtmauer, ist eine Art alternative Wohnsiedlung, während sie von der Stadt selbst als autonome und staatlich geduldete Gemeinde eingeordnet wird. Christiania entstand aus einem Protest heraus – zu wenig bezahlbare Wohnungen, damals wie heute. Noch immer hat die kleine Freistadt ihre eigene Flagge und lockt weltweit Touristen an, um das kuriose Zusammentreffen von Vagabunden, Obdachlosen, Hippies, Musikern und Künstlern zu beobachten. Wo früher die Kaserne war, herrscht heute neben dem Geruch von Cannabis, das nach wie vor in der Pusherstreet verkauft wird (bloß nicht fotografieren!), eine ganz eigene Atmosphäre. Und die spürte ich nicht erst, als ich wieder ging und bei dem Schild am Ausgang „You are now entering the EU“ schmunzeln musste.

Vielfältige Architektur und nordischer Lebensstil

Von Schloss Frederiksberg, der schönen Gartenanlage und den Gängen der Zisterne, die einst zur Wasserversorgung gebaut wurde und heute öffentlich ist, bis über die schöne Altstadt und den Hafen Nyhavn – Schätze gibt es überall in Kopenhagen. Und weil die Stadt so überschaubar und die Menschen so hilfsbereit waren, war es überhaupt nicht schwer, sie alle zu entdecken!

Der Lebensstil Kopenhagens ist geprägt vom typisch schlichten Design, seien es die neuesten Brücken, die nur für Fußgänger und Radfahrer ausgelegt sind oder das Königliche Theater am Hafen. Die Architektur Kopenhagens ist vielfältig und bleibt genauso nachhaltig im Gedächtnis wie der Lebensstil der Dänen selbst.

Die Reise wurde mit freundlicher Unterstützung von Transavia und Visit Copenhagen ermöglicht.

1 Kommentar

  1. Wir sind in unserer 5er-Gruppe mit sehr überschaubaren Reisevorbereitungen nach Kopenhagen geflogen: 4 von uns 5 hatten nicht mal auf dem Schirm, dass dort dänische Kronen anstatt Euro ganz nützlich wären 😉 Sprich: Keine Erwartungen, mal sehen und überraschen lassen.
    Letztendlich haben wir alle soviel Positives aus dieser Stadt mitgenommen und waren mehr als begeistert. Von den breiten Radwegen und den Citybikes, mit denen man Kopenhagen einfach nochmal ganz anders kennenlernt. Von der kulinarischen Auswahl allgemein und auf dem Street Food Market ganz besonders (hier werden übrigens am Wochenende abends irgendwann die Biertische und -bänke weggeschoben und die Dänen feiern auf der Tanzfläche als gäbe es kein Morgen). Sowie auch von der Nähe zu Schweden: In gut einer halben Stunde kann man einfach mal schnell mit dem Zug nach Malmö rüber schauen.
    Und ja, Kopenhagen ist nichts für den kleinen Geldbeutel. Aber fliegt man beispielsweise im Juli, kann zumindest der Sale in den Geschäften richtig gut ausgenutzt werden. Denn alleine wegen den Shopping-Möglichkeiten würde sich eine Reise lohnen 😉

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