Karpathos aktiv: Wandern auf alten Maultierpfaden

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Alte Maultier- und Fußpfade durchziehen die raue und karge Gebirgslandschaft der dünn besiedelten Insel Karpathos. Weiß strahlende Dörfer mit malerischen Kapellen schmiegen sich an die Berghänge. Die urtümlichen Landschaften, der großartige Rundumblick auf das Meer sowie die Gastfreundschaft und Ruhe machen Karpathos zu einem unberührten Wanderparadies, das es sich zu erkunden lohnt.

Auf dem höchsten Berg von Karpathos

Wieder liegt eine Kurve vor mir, die sich einspurig um den Berg schmiegt und auf die Lastos-Hochebene hinaufführt. Durchgeschwitzt erreiche ich die Taverne Tavérna Kalí Kardiá, von der aus ich meinen Aufstieg auf den höchsten Berg von Karpathos, den 1215 m hohen Kalí Límni, starte. Der Pfad führt durch niedriges, immergrünes Busch- und Strauchwerk und über lockere Steine. Schattenspendende Bäume gibt es kaum. Thymianduft und Ziegenmeckern liegen in der Luft. Ohne den kräftigen Wind, den Meltémi, wäre die Mittagshitze unerträglich. Der beliebteste Wanderweg der Insel ist wie die anderen auch mit roten Punkten gekennzeichnet. Eine Handvoll Touristen kommt mir auf dem letzten stark ansteigenden Stück entgegen. Kurz vor 12 Uhr erreiche ich das Gipfelkreuz und genieße den herrlichen Panoramablick über die Berge und das türkisfarbene Meer.

Nachdem ich mich in das Gipfelbuch eingetragen habe, starte ich den Abstieg. Unter den schattenspendenden Bäumen der Taverne ruhe ich mich anschließend aus. Der Wirt Thanássis gesellt sich zu mir, gibt mir einen Raki und ein Dessert aus und zeigt mir stolz seinen Garten mit selbstangebautem Obst und Gemüse.

Wanderung von Messochóri zu den Windmühlen von Spóa

Es ist Sonntag und die Gassen von Messochóri sind ausgestorben. Hier und da rekelt sich eine Katze, Grillen zirpen. Ich versuche in den verwinkelten Gassen des Dorfes die Orientierung zu behalten, als ich die Steinstufen zum Platia Skopi hinuntergehe, und erreiche schließlich den exponierten Felsplatz. Früher galt dieser als Beobachtungspunkt, um vor Piraten zu warnen. Heute dient er mit seinen Kapellen Agios Stavros und Agios Nikolaos den Bewohnern als Austragungsort von Festen. Daneben liegen das blau gestrichene Kafe Skopi, das ich zunächst für einen Kaffee aufsuche, und die kleine Kreuzkuppelkirche Archangelos Mishali. Der Wein rankt sich um die Pfähle der Café-Terrasse. Messochóri ist bekannt für seine Gärten, die mit dem sprudelnden Wasser der Quelle unter der Panagía-Kirche versorgt werden.

An der Panagía-Kirche starte ich auf einem alten Monopáti meine Wanderung nach Spóa hinauf. Die Felswand, unter der ich zunächst an Gärten, Olivenhainen und Weinbergen vorbeilaufe, wirft keinen Schatten. Der Weg zwischen den Bruchsteinmauern ist zugewachsen, aber dennoch erkennbar. Nach nur einer Viertelstunde blinkt das rote Dach der schneeweißen Kapelle Ágios Charálambos auf. Von hier setze ich meine 10 km lange Rundwanderung am Westhang fort. Ein „Hoa“ vom Hirten und Glockengebimmel ertönen aus dem Tal.

Nachdem ich einen kleinen, schattenbringenden Kiefernwald durchquert habe, öffnet sich der Blick auf den Kamm mit den alten Windmühlen von Spóa. Auf einer Staubpiste geht es an der hübschen Kapelle Ágii Anárgiri vorbei, dann schlängelt sich der Weg den Hang hinauf. Auf dem Rand zum Abgrund balancieren die verfallenen Mühlen und kämpfen gegen den kräftigen Wind an. Von hier ist es noch eine Viertelstunde auf Teerstraße bis zum Ort. Dieser ist terrassenförmig angelegt und befindet sich an der schmalsten Stelle der Insel, die hier nur 4 km misst.

Ich schlendere durch die autofreien Gassen, die mich am öffentlichen Waschplatz vorbei zur schönen Kirche Ágios Géorgios führen. Auf bekanntem Pfad geht es später wieder an den Windmühlen vorbei ins Tal.

Unterwegs im bergigen Norden: Rundwanderung von Diafani nach Avlóna

Ein weiteres Wanderziel führt mich in den Inselnorden. Dunkle Wolken ziehen über Diafani hinweg, als ich mich auf den Weg nach Avlóna begebe. Die karpathiotische Außensiedlung liegt eindrucksvoll auf einer Hochebene. Um diese zu erreichen, leitet mich der markierte Pfad zunächst an der schönen Vanánda-Bucht vorbei.

Karg wird die Umgebung erst, als ich das zugewachsene Bachbett, das von Bambus, Oleander und dornigem Buschwerk umschlossen ist, verlasse und ein Stück auf der Piste laufe. Die blau-rote Markierung verliert sich bald in dem Wirrwarr an niedrigen Steinmauern und Gebüsch. Mit der wunderschönen Aussicht über das in die Ferne gerückte Meer und die zerklüfteten Berghänge werde ich belohnt. Später erreiche ich wieder den markierten Weg, der nunmehr eine 100 Jahre alte, gepflasterte Straße ist, die von Bruchsteinmäuerchen umsäumt ist.

Der Wind peitscht über die Hochebene, als ich nach nicht einmal zwei Stunden Avlóna erreiche. Würfelförmige Stawliá, wie man die einfachen Behausungen nennt, reihen sich aneinander. Die wenigsten werden ständig bewohnt. Die Bauern kommen nur aufgrund der Feldarbeit. Schaukelnde Strommäste ziehen sich über die Dächer. Der Wind zerrt an meinen Haaren. Unter das pfeifende Geräusch mischen sich Glockenklänge. Ziegen sind das einzige Lebenszeichen, das sich mir in Avlóna zu dieser Mittagsstunde bietet. Auf dem Rückweg nach Diafani nehme ich einen anderen gepflasterten Maultierpfad, der bald in eine Staubpiste mündet. Die Aussicht von hier oben über die zerklüftete Berglandschaft ist wunderschön.

Malerisches Olympos

Ein weiterer Wanderpfad führt von Diafani über einen alten Monopáti nach Olympos. Malerisch schön soll das Bergdorf sein. So schön, dass sich die kleinen Gassen in der Mittagszeit mit Touristen füllen. Daher ziehe ich einen Besuch des Bergdorfs am Spätnachmittag vor. An die Hänge schmiegen sich wie aufgestapelt die kleinen olympischen Häuser in Weiß, Gelb oder Pastellfarben. Im Ort findet man noch einige traditionelle Backöfen, in denen die Frauen ihr schmackhaftes olympisches Brot backen, doch der Tag ist vorüber und somit ruhen auch die Öfen.

Souvenirshops und Restaurants säumen den Weg vom Parkplatz zur Kirche. Die Verkäufer sitzen gelangweilt im Türrahmen oder unterhalten sich. Der Ort ist verschlafen und das Leben wie aus einer anderen Zeit. Alte Frauen in ihrer traditionellen Tracht mit schwarzen Kopftüchern und weißen Kleidern sieht man hier noch häufiger.

250 m über dem Meer stehen im tosenden Wind wie an einer Perlenschnur aneinandergereiht Windmühlen. Die wenigsten sind noch in Betrieb. Eine von ihnen ist heute eine Taverne. Als ich das Restaurant O Milos betrete, habe ich fast das Gefühl, zu stören. Eine alte Frau mit Mandilia, einem schwarzen Tuch, nimmt meine Bestellung auf. Schroffe Berge dienen als Kulisse und auf der anderen Seite liegt das türkisfarbene Meer.

Karpathos ist landschaftlich rau, aber in der Seele sehr herzlich. Naturliebhaber und Fans der ruhigen und einsamen Orte können auf Karpathos auf Entdeckungsreise gehen und ein Stück ursprüngliches Griechenland am besten zu Fuß entdecken.

Aktivurlaub auf Karpathos: Nützliche Hinweise & Tipps

  • Für Aktivurlauber ist die beste Reisezeit auf Karpathos von Mitte März bis Ende Mai sowie von Mitte September bis Mitte November.
  • Bei Wanderungen sollte man immer festes Schuhwerk und eine lange Hose anziehen aufgrund von losen Steinen, dornigen Büschen und Schlangen.
  • Olympos sollte man am besten nach 16 Uhr besuchen. Wenn die Tagesausflügler abgereist sind, teilt man die leeren Gassen nur noch mit Einheimischen.
  • In Olympos sollte man unbedingt in einer Bakery olympisches Brot probieren.
  • Am Ortseingang von Spóa bieten sich zwei Einkehrmöglichkeiten mit Blick über die Ágios Nikólaos Bucht: die Tavérna I Foliá und Kafeníon Akrópolis.
  • Inspirationen für Wanderungen findet man bei Friends of Nature Karpathos, die u.a. auch die Wanderwege auf der Insel pflegen.

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