Finnisch Lappland – ein Winterwunderland

Im nördlichsten Teil von Finnland versteckt sich ein subarktisches Winterwunderland. Ein magischer Ort, an dem Rentiere, Schlittenhunde und der Weihnachtsmann zuhause sind. An dem es so kalt ist, dass der Atem gefriert und die Nordlichter spät nachts am Himmel tanzen. Unsere Bloggerin Franziska nimmt euch mit auf eine Reise ins verschneite Lappland.

Arktischer Winter in Finnlands nördlichster Region

Nur wenige Menschen leben in Finnisch Lappland – auf einen Quadratkilometer kommen gerade einmal zwei Einwohner. Kein Wunder, dachte ich mir, als ich an einem eisigen Tag im Dezember in Kittilä aus dem Flugzeug stieg. Was gibt es bei minus 30 Grad auch groß zu tun? Dass ich mit dieser Annahme mehr als falsch lag und Lappland nach einer Woche am liebsten nie wieder verlassen wollte, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Es dauert tatsächlich eine Weile, bis man sich an die beißende Kälte im Norden Finnlands gewöhnt. Die Atmung wird ganz flach, die Haut trocknet aus und die Lunge beginnt schnell zu schmerzen, wenn man sich draußen sportlich betätigt. Dafür ist die Luft so klar, wie ich es noch nie irgendwo anders auf der Welt erlebt habe. Finnland hat die sauberste Luft in ganz Europa und wenn ich morgens aus meiner warmen Hütte komme, genieße ich die ersten Atemzüge ganz besonders.

Leben ohne Sauna? In Finnisch Lappland undenkbar

Hütte ist ein gutes Stichwort, denn die ist in Finnisch Lappland quasi ein Muss. Besucher werden hier gerne in gemütlichen Hütten untergebracht – oft sogar mit eigener Sauna. Auch die Häuser der Einheimischen haben Hüttencharakter. Sie sind aus Holz gebaut, mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und kunterbunt. Innen duftet es nach heißem Blaubeersaft, Kerzen und frisch gebackenen Keksen. Auf diese Weise schaffen sich die Finnen in der kalten Jahreszeit viel Wärme, um nicht dem Winterblues zum Opfer zu fallen.

Eine weitere – und wahrscheinlich sogar die wichtigste – Wärmequelle im Winter ist die traditionelle finnische Sauna. Es gibt sie in den verschiedensten Varianten, zum Beispiel ganz modern mit Glaswänden oder als typische Saunahütte im Garten. Nach dem Saunagang kommt dann das böse Erwachen, denn eine kalte Dusche reicht den Finnen zum Abkühlen nicht aus. Stattdessen ist Eisbaden angesagt; dafür werden im Winter mit dem Drillbohrer extra Löcher in die gefrorenen Seen gebohrt.

Finnisch Lappland: Abkühlung im Eisloch

Ich muss gestehen, dass ich in meinem Leben selten so viel Überwindung aufbringen musste. Der Moment, wenn man in das Eisloch steigt, ist einfach unbeschreiblich: Der Atem stockt, der ganze Körper zieht sich zusammen und man kann einfach nicht anders, als laut loszuschreien. Danach geht es zurück in die Sauna und das ganze Spiel beginnt noch einmal von vorne.

Und warum genau tun sich die Finnen das freiwillig an? Ganz einfach: Durch das Eiswasser und den Kälteschock werden die Durchblutung angeregt, Giftstoffe abtransportiert und die Haut gestrafft. Vor allem in der kalten Jahreszeit wird jeder Saunagang somit zu einem echten Immunbooster. Und den kann man bei minus 30 Grad in Lappland wirklich gut gebrauchen.

 

 

Powder ohne Ende – Lappland ist ein Paradies für Skifahrer

Natürlich verbringen die Menschen in Finnisch Lappland nicht ihre gesamte Freizeit in der Sauna. Ganz im Gegenteil: Die Finnen lieben Outdoorsport in allen Variationen. Besonders die Skipisten im Norden sind ein echtes Highlight. Denn die Temperaturen in Lappland bleiben den ganzen Winter über unter null Grad, sodass uns bis in den späten Nachmittag perfekter Powder erwartet.

Auf meiner Reise teste ich die beiden Skigebiete Levi und Ylläs, die relativ nah beieinander liegen. Sie sind beide eher klein und mit den Dimensionen von Kitzbühel und Co. nicht zu vergleichen. Der immerwährende Pulverschnee und die wunderbare Ruhe machen das Skifahren in Finnisch Lappland aber trotzdem zu einem ganz besonderen Erlebnis – oft hatten wir die Pisten sogar für uns allein.

 

 

Auf Langlaufskiern und Schneeschuhen die Landschaft erkunden

Auch meine ersten Schritte auf Langlaufskiern darf ich in Lappland machen. Während ich mich auf Alpinskiern sehr sicher fühle, ist das wackelige Gefühl auf den schmalen Brettern plötzlich ein ganz anderes. Es dauert eine Weile, bis ich mich an die gleitende Bewegung gewöhne – aber dann möchte ich am liebsten gar nicht mehr mit dem Langlaufen aufhören. Am nächsten Tag spüre ich jeden einzelnen Muskel in meinem Körper. Langlauf ist tatsächlich ein wunderbares Ganzkörpertraining. Außerdem gibt es wohl kaum eine schönere Art, das Winterwunderland Finnisch Lappland zu erkunden.

Ähnlich viel Spaß macht die Tour mit den Schneeschuhen durch den tief verschneiten Märchenwald. Schneeschuhwandern gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Finnen im Winter und ich habe so ziemlich vor jedem Haus ein paar Schneeschuhe gesehen. Sie lassen sich ganz einfach an den Winterstiefeln befestigen und verhindern durch ihre große Fläche, dass man mit den Füßen im Schnee versinkt. Das ist auch dringend nötig. Denn gerade im Wald liegt in den Wintermonaten oft so viel Schnee, dass man mit normalen Schuhen bis zum Hals verschwinden würde.

 

 

Here comes Santa Claus: Unterwegs mit dem Rentierschlitten

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich gleich bis auf die Knochen blamiere, möchte ich an dieser Stelle ein Geständnis ablegen: Bis zu meiner Reise nach Finnisch Lappland habe ich Rentiere immer für Fabelwesen gehalten, die den Weihnachtsmann am Heiligen Abend von A nach B transportieren. Als die zuckersüßen Wesen dann tatsächlich live und in Farbe vor mir standen, konnte ich mich kaum noch beherrschen.

Rentiere leben in Finnisch Lappland nicht nur in der Wildnis sondern auch domestiziert. Besucher haben dadurch die einzigartige Möglichkeit, eine Tour mit dem Rentierschlitten zu unternehmen. Der darf in der Regel sogar selbst gefahren werden, da die Tiere den Weg in- und auswendig kennen. Während ich mit dem Rentierschlitten durch den Wald düse, fühlt es sich tatsächlich ein bisschen so an, als würden die Grenzen aus Fantasie und Realität verschwimmen. Ich fühle mich wie Mrs. Claus und würde am liebsten von Haus zu Haus fahren und ein paar Geschenke verteilen.

Hinterher drückt mir die Besitzerin der Ounaskievari Rentier Farm ein paar Hände voll Futter in die Hand und besucht mit mir den Nachwuchs. Die Mini-Rentiere sind winzig klein und ganz bezaubernd. Trotzdem haben sie es schon faustdick hinter den Ohren und schaffen es recht schnell, mir das ganze Futter abzuluchsen.

 

Hundeschlitten fahren in Finnisch Lappland – ein Traum wird wahr

Weil mich die Rentiere so sehr verzaubert haben, möchte ich noch ein paar andere arktische Bewohner kennenlernen. In Finnisch Lappland gibt es einige Huskyfarmen und ich kann es kaum erwarten, den wolfsähnlichen Schlittenhunden ganz nah zu kommen. Im Levi Huskypark hört man die Tiere schon von weitem. Wer möchte, kann die Schlittenhunde hier nicht nur besuchen, sondern auch eine Fahrt mit dem Hundeschlitten unternehmen.

Auch wenn der Spaß nicht ganz günstig ist, kann ich dieses typisch arktische Erlebnis jedem ans Herz legen. Das Gefühl von Glück und Freiheit, wenn das Huskygespann laut bellend und rasend vor Begeisterung durch den Schnee jagt, ist wirklich kaum zu beschreiben. Entgegen meiner Erwartungen ist es übrigens gar nicht so schwer, einen Hundeschlitten zu fahren. Die Huskys kennen den Weg und müssen nur dann angewiesen werden, wenn es um das Bremsen oder Anhalten geht.

Arktischer Lifestyle und absolute Ruhe – so schön ist Finnisch Lappland

Für mich zählt die Reise nach Finnisch Lappland zu den schönsten, die ich jemals erleben durfte. Der arktische Lifestyle, die Gemütlichkeit, die Stille und die Einsamkeit – all das verleiht dem Land aus Eis und Schnee einen ganz besonderen Zauber. Kein Wunder also, dass sich der Weihnachtsmann nach dem Trubel am Heiligen Abend hier zum Entspannen zurückzieht. Er wohnt übrigens in Rovaniemi und wer möchte, kann ihm im Weihnachtsmanndorf einen Besuch abstatten.

*Die Reise wurde unterstützt von Visit Finland und der Finnish Ski Resort Association.

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