Schlemmen unter Arkaden: Städtetrip nach Bologna

Pasta, Pizza, Gelato, Wein, Mozzarella: Italien gilt nicht umsonst als Land, das allein wegen seiner kulinarischen Tradition eine Reise wert ist. Wer sich innerhalb des Landes auf den Weg in die ultimative Hauptstadt des guten Geschmacks machen möchte, den führt der Weg ins Herz der Emilia-Romagna, nach Bologna. Bloggerin Sarah hat die ganze kulinarische Vielfalt der Stadt entdeckt und Tipps für die beste Küche und das leckerste Essen in Bologna.

Mit geschickten Bewegungen formt Paola Lazzari den Teig zu einer runden Kugel. Hingebungsvoll knetet – oder vielmehr massiert – die Italienerin die goldgelbe Masse. Sie gibt noch etwas Mehl hinzu, bis der Teig die perfekte Konsistenz hat. Dann bin ich an der Reihe und versuche Schritt für Schritt nachzuahmen, was mir Paola, die Pasta-Königin Bolognas, gerade gezeigt hat. Mit kreisenden Fingerbewegungen bilde ich zunächst eine Mulde ins Mehl und gebe Eier hinein. Soweit so gut. Nun beide Zutaten gut vermischen. Erst mit einer Gabel, danach mit den Händen. Gleichzeitig kneten und wenden. Erst mit rechts und dann mit links. Nicht zu fest drücken und keinesfalls quetschen. Was bei Paola spielend einfach aussah, löst bei mir im Nu Schweißausbrüche aus und ich beginne ein wenig an meinen feinmotorischen Fähigkeiten zu zweifeln. „Es ist, als würde man einen Tanz mit dem Teig vollführen“, erklärt Paola auf Italienisch. Die Bologneserin erlernte ihre Kochkünste von ihrer Mutter, die, neben Paola, noch 17 weitere Kinder bekochte. Heute ist Paola die Präsidentin des Verbandes der Sfogline Bolognas. Sfogline bezeichnet jene Gastronomen, die das Handwerk des Pastamachens bis zur Perfektion beherrschen. In der Scuola di Gusto führt Paola in diese Kunst ein.

Sobald der Teig etwas Zeit hatte zu ruhen, rollt Paola ihn zu einer vollkommenen, hauchdünnen Fläche aus. Daraus formen wir Tagliatelle, Garganelli, Tortelloni und Tortellini. Paola mag alle Sorten von Pasta, wenn sie sich aber für eine Lieblingspasta entscheiden müsste, wären es die kleinen Tortellini. Um den herrlichen Eigengeschmack nicht zu überdecken, isst man sie schlicht in einer Brühe.

Wer sich in Italien auf den Weg in die ultimative Hauptstadt des guten Geschmacks machen möchte, den führt der Weg nach Bologna. Gleich eine ganze Reihe an Spezialitäten wurden hier erfunden, wie die legendäre Bolognese-Soße, die Mortadella-Wurst und der Parmesankäse.

Arkaden-Streifzüge im Eldorado für Foodies

Der Himmel über den Dächern Bolognas ist grau. Die Kirche Santuario della Madonna di San Luca, die auf einem Hügel oberhalb der Stadt thront, ist heute durch einen dichten, weißen Schleier nur zu erahnen. Seit den frühen Morgenstunden gießt es wie aus Eimern. Ein Wetter, das einem die Reise schnell vermiesen lässt. Bologna dagegen entpuppt sich als ideale Destination für einen verregneten Städtetrip.

Unter mehr als 40 Kilometer langen Bogengängen lässt es sich auch an ungemütlichen Tagen herrlich flanieren. Die Arkaden verleihen Bologna nicht nur ein einzigartiges, Eleganz verleihendes, Stadtbild, sie schützen auch vor Regen. Einer der Gänge bringt euch sogar hinauf bis zur besagten Kirche. Der fast vier Kilometer lange Weg ist besonders beliebt bei sportlichen Einheimischen. Wem der Anstieg zu beschwerlich erscheint, der tuckert gemütlich im San-Luca-Express zu der Wallfahrtskirche. Sowohl die Fahrt als auch der Eintritt auf die Panorama-Terrasse sind, neben vielen weiteren Vorteilen, mit der Bologna-Welcome-Card-Plus kostenlos.

Zurück im Zentrum findet man unter den Arkaden zahlreiche Restaurants und Cafés. So kann man auch an verregneten Tagen wunderbar draußen sitzen. Wie im Naama Café in der Via Oberdan, das einen Hauch Marrakesch in Bologna versprüht – und ganz nebenbei sind die cornetti ein Gedicht. Luftig und locker gebacken, wie man sie nur in Italien findet. Puristisch ohne Füllung, mit Pistaziencreme, Crema, Marmelade oder Nussnougat. Einfach himmlisch!

Wer anstatt des für Italiener typischen, schnellen Espresso und cornetto, sein Frühstück gerne etwas ausgedehnter zelebriert, ist im Lampadina goldrichtig. Wunderbar brunchen, bei Pancakes und Sandwiches lässt es sich auch im Pappare, in unmittelbarer Nähe der zwei Türme, dem Wahrzeichen Bolognas.

Die 498 Stufen, die zum Torre Degli Asinelli hinaufführen, dienen als prima Workout zwischen all dem Schlemmen. Schnaufend oben angekommen, belohnt ein phänomenales Panorama.

Museums-Hopping und noch mehr Genussmomente

Die Bologneser sind nicht nur stolz auf ihre kulinarische Tradition. Auch Kunst und Kultur spielen in der lebendigen Studentenstadt eine entscheidende Rolle. Bologna, la dotta, die Gelehrte, lautet einer der Spitznamen. Daneben la rossa, die Rote, wegen ihrer terracottafarbenen Altstadt und zu guter Letzt, wie könnte es anders sein, nennt man die Stadt am Fuße des Apennins liebevoll die Fette, la grassa.

Auch am nächsten Tag begrüßt mich die Stadt mit regelmäßigen Schauern. Wie gut, dass ich mir heute vorgenommen habe, mich la dotta, der intellektuellen Seite Bolognas, zu widmen. Im Collezioni Comunali d’Arte findet man Gemälde vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit und ich komme bei all den Fresken ins Schwärmen. Danach gebe ich mich einer weiteren Form der schönen Künste hin. Im Museo internazionale e biblioteca della musica begebe ich mich auf eine musikalische Zeitreise und lerne spannende Anekdoten über den im 18. Jahrhundert lebenden Komponisten und Musiktheoretiker Giovanni Battista Martini.

Nach all der Kultur ist es Zeit für eine Stärkung. Am besten bei Altro im Mercato delle Erbe. Wunderbar aushalten, ob bei Regen oder Sonnenschein, lässt es sich auch am malerischen Piazza Santo Stefano. Unter altehrwürdigem Gemäuer sitzend, in Butter und Salbei geschwenkte Tortelloni verspeisen, während der Regen auf das Kopfsteinpflaster prasselt. Ein wahrlich romantischer Genussmoment!

Freuden des Nachtschwärmens

Freitagnacht in Bologna. Das Flackern der Kerzen nähert sich dem Flaschenhals. Die Gläser sind gefüllt und die Gäste der Cantina Bentivoglio nicken rhythmisch mit ihren Köpfen oder wippen mindestens mit den Füßen. Denn in der Cantina ist Jazz-Nacht. Die Bentivoglio All Stars sorgen für die musikalische Untermalung beim Essen. Jazz und Bologneser Köstlichkeiten, die perfekte Symbiose.

Zu später Stunde erwacht Bologna erst richtig zum Leben. Durch die Via Oberdan dringt lebendiges Lachen. Studenten sitzen unter den Arkaden, ein Glas Rotwein in der Hand und machen die Nacht zum Tag. In Bologna gehört das Nachtschwärmen einfach dazu. Wer die Stadt nur bei Tageslicht erlebt, verpasst eine der authentischsten Seiten der Stadt. Auch ich finde mich in einer der Bars in der Via del Pratello wieder. Die Kellnerin serviert ein Tablett mit knusprig überbackenen Crostini. Erneut zeigt die Hauptstadt der Emilia-Romagna warum sie über die Landesgrenze hinaus bekannt ist. Beim ersten Bissen durchfährt mich ein leises Seufzen. Ja, da wo es schmeckt, da fühlt man sich zu Hause.

Insidertipps:

  • Die perfekte Lektüre, um sich auf den Städtetrip nach Bologna einzustimmen ist der Alternative Guide von Air Dolomiti. Aus verschiedenen Perspektiven – vom Insider bis zur Sportskanone – bietet der Reiseführer Tipps über die Stadt.
  • Hinkommen: Vom Flughafen München fliegt man in einer Stunde mit Air Dolomiti nach Bologna. Weiter geht’s mit dem Taxi (ca. 15 bis 20 Euro) oder dem Aerobus (ca. 6 Euro).
  • Übernachten: Zentral und gemütlich ist die Ferienwohnung La Casa del Soprano von Taldeg im Herzen der Altstadt, liebevoll eingerichtet mit Werken lokaler Künstler. Wem die Bilder und Accessoires gefallen, kann sie via Taldeg-App erwerben.
  • Radeln: Einige der Straßen im Zentrum Bolognas sind am Wochenende autofrei. Tolle Sache, um sich auf den Sattel zu Schwingen. Räder leihen und geführte Touren bietet BikeinBo.
  • Food-Park: Mit 200.000 Quadratmetern ist die „FICO Eataly World“ der größte Food-Freizeitpark der Welt. Mich haben die Größe und die Fülle an Angeboten etwas überfordert. Auch für ein gemütliches Abendessen hat der Food-Park meiner Meinung zu sehr Messe-Flair. Toll sind aber die vielen Shops, um sich durch lokale Produkte zu probieren und Souvenirs mit nach Hause zu nehmen.
  • Beste Reisezeit: Laut Insider ist Bologna im Frühling und Frühherbst am schönsten. Wer im Mai kommt, sollte sich das Open-Garden-Event Diverdeinverde nicht entgehen lassen.
air dolomiti Diese Reise wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von Bologna Welcome,Taldeg, a Scuola di Gusto und Air Dolomiti.

Hinterlasse einen Kommentar