Allein reisen als Frau: Tipps für eine sichere Reise

Nicht immer hat die beste Freundin oder der Partner Zeit für einen gemeinsamen Urlaub. Aber deswegen die lang ersehnte Reise absagen? Allein reisen kann beängstigend und befreiend zugleich sein – gerade als Frau. Bloggerin Anja zeigt Euch die besten Tipps und Tricks, wie Ihr Eure Angst in den Griff bekommt und endlich loslegen könnt.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Reise als allein reisende Frau: Ich war neunzehn Jahre alt und hatte gerade mein Abi in der Tasche. Aus einer Laune heraus hatte ich mir in den Kopf gesetzt, unbedingt nach Südfrankreich übersiedeln zu müssen, um dort in einem Hotel als Kellnerin zu arbeiten. Voller Tatendrang suchte ich mir dort eine Stelle und leitete alles in die Wege. Am Tag vor meiner Abreise packte ich mit einem Grummeln im Magen meine Siebensachen – doch wollte mir vor meinen Eltern nicht anmerken lassen, dass ich Panik schob. Ich kannte niemanden vor Ort, tausende Kilometer weg von Altbekanntem, mein Schulfranzösisch war miserabel und WhatsApp, Handys und Facetime Calls noch lange nicht erfunden.

Doch es gab kein Zurück mehr: Ich wollte beweisen, dass ich das alleine schaffen würde und machte mich auf den Weg. Eine Woche telefonierte ich weinend nach Hause und war kurz davor, wieder abzureisen. Ich war absolut überfordert. Innerhalb einer Woche musste ich meine Französischkenntnisse aufpolieren und arbeitete das erste Mal in meinem Leben in Vollzeit in einem scheinbar kochend heißen Land. Meine notorische Schüchternheit half mir nicht dabei, neue Freunde kennenzulernen. Glucksend schütte ich meiner Mutter das Herz aus und erklärte theatralisch, dass ich nicht das Zeug zum Weltenbummler hätte. Aus irgendeinem Grund spürte ich jedoch, dass ich nicht zu früh das Handtuch werfen sollte. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag gebaut.

Es ging mir nach meiner Heulattacke auch schon viel besser und meine liebe Mutter gab mir den Ratschlag, doch mehr aus mir herauszugehen, um Anschluss zu finden. Ein paar Tage später schloss ich neue Freundschaften mit netten Kollegen und ließ mich mehr und mehr in das französische „Je ne sais quoi“ ein. Mir gefiel mein neues Leben innerhalb kürzester Zeit so gut, dass ich noch ein weiteres ganzes Jahr in Südfrankreich blieb.

Ich wünschte, mir hätte damals jemand einen Ratschlag gegeben. Mir gesagt, dass es völlig normal ist, sich in den ersten Tagen überwältigt zu fühlen und am liebsten ins Hotelzimmer verkrümeln zu wollen. Dass es okay ist, lieber auf das perfekte Timing warten zu wollen, bis die Freundin Zeit hat, mitzukommen. Schließlich machen gemeinsame Erinnerungen und Lachen über Fettnäpfchen den Urlaub überhaupt erst lohnenswert.

Aber warum warten bis jemand Zeit hat für Euch? Manchmal passt es terminlich einfach nicht. Wollt Ihr deswegen lieber Eure Urlaube auf Balkonien verbringen? Natürlich nicht! Jeder, der seine Ängste einmal überwunden hat, wird bestätigen, dass er sich danach wundervoll empowert gefühlt hat. Er hat neue Freunde kennengelernt, ist aus sich herausgegangen und hat gelernt, dass er viel stärker ist, als er dachte.

Das spricht für einen Alleingang im Urlaub

  • Als Alleinreisende lernt man viel über sich selbst.
  • Man nimmt das Erlebte ganz anders wahr als mit Freunden.
  • Wer alleine reist, geht in den meisten Fällen viel selbstverständlicher (oder verzweifelter) auf die Suche nach neuen Bekanntschaften als etwas Paare oder Freunde. Die sind meist auf sich fixiert.
  • Wer weiß, wann Freunde oder der Partner mal wieder Zeit haben.
  • Es müssen keine faulen Kompromisse eingegangen werden und niemand erwartet etwas. Das nennt man auch ultimative Freiheit!
    Jetzt ist immer die beste Zeit, um seine Träume zu realisieren

Alleine reisen: die Kehrseite der Medaille

Bei aller Euphorie sollten sich Alleinreisende im Vorfeld ehrlich fragen, ob sie es aushalten würden, ein paar Tage alleine zu sein an einem neuen Ort. Denn egal, wie aufgeschlossen man auch ist, es wird immer Orte geben, an denen man als Alleinreisender keinen Anschluss und Zugang zu den Leuten findet. Manchmal liegt es daran, dass sich niemand weiter im Hostel aufhält. Ein anderes Mal scheinen die Mitreisenden auf einem anderen Stern zu leben.

Ganz abgesehen davon, dass ein Selfie-Stick der beste Freund auf Reisen wird, wenn kein bester Freund das perfekte Strandfoto inszeniert. Doch auch hier kann die Frage nach einem Foto einen Fremden zu einer neuen Bekanntschaft werden lassen.

Ebenso solltet Ihr für den Notfall gewappnet sein. In einem fremden Land mutterseelenallein über der Kloschlüssel zu hängen ist alles andere als lustig. Keine Freundin sucht gemeinsam einen Arzt auf oder hält Händchen. Das kann taff sein. Es kann aber auch dabei helfen, erwachsen zu werden.

Die perfekten Reiseziele für Alleinreisende

Ganz klassisch eignen sich für alleinreisende Frauen die Orte, an denen schon eine gewisse touristische Infrastruktur gegeben ist. Einsames Backpacking durch das Atlas-Gebirge ist zum Beispiel weniger ratsam als etwa ein Surfcamp im europäischen Portugal.

  • Australien zieht Alleinreisende magisch an und ist gerade für junge Menschen ein sicheres Urlaubsparadies.
  • Das Gleiche gilt für Neuseeland, Portugal, Frankreich, aber auch für Polen.
  • Bali ist eine klassische Feriendestination und zieht junges wie älteres Publikum an. Tropisches Flair zusammen mit europäischen Restaurants und hohem Standard bei günstigen Preisen.
  • Uruguay fand ich als alleinreisende Frau tiefenentspannt, sicher und sehr erlebnisreich. Das Land gilt nicht umsonst als die Schweiz Lateinamerikas.

Alleine auf Reisen: Was gehört in meinen Koffer?

Generell packt man als Alleinreisender die gleichen Dinge, die man auch als Pärchen oder in der Gruppe mitnehmen würde. Kleidung, Hygieneartikel, Kamera etc. Zusätzlich reise ich immer mit einem Vorhängeschloss, um in Schlafsälen mein Hab und Gut abschließen zu können. Oftmals werden diese nämlich nicht mit ausgegeben, wenn man einen Locker bekommt oder mietet. Ebenso liebe ich mein Kindle, der mir als Leseratte erlaubt, hunderte Bücher platzsparend mitzunehmen.

Ihr malt gerne? Oder hört gerne Musik? Für die wichtigsten Utensilien sollte Platz im Koffer sein, um sich in Zeiten des Leerlaufs in seinen liebgewonnenen Hobbys zurückziehen zu können.

Die wichtigsten Tipps für das Reisen allein

1. Erinnere dich: Anderen geht es genauso

Du bist nicht alleine! Jedes Jahr fliegen unzählige Menschen allein in den Urlaub, ziehen an einen neuen Ort oder erleben irgendeine ungewohnte, neue Situation, in der sie sich unwohl fühlen. Sich aus seiner Komfortzone heraus zu trauen erfordert Mut und Offenheit. Das Wissen, dass es anderen genauso geht, vielleicht sogar dem Mädel nebenan im Flieger, hilft, Türen zu öffnen und offener auf Menschen zuzugehen.

2. Sei offen

Locker und entspannt mit einem breiten Lächeln anderen Menschen zu begegnen ist uns Deutschen meist nicht in die Wiege gelegt worden. Zu oft warten wir lieber ab und ärgern uns nach einer vertanen Chance, nicht den Mund aufgekriegt zu haben. Was passiert wohl, wenn Ihr einfach einmal den netten Verkäufer im Supermarkt in ein kleines Gespräch verwickelt? Einem Menschen auf der Straße anlächelt und ihm ein Kompliment mit auf dem Weg gebt? Die Welt wird nicht gleich untergehen, sondern entweder lernt man so auf dem schnellsten Weg potenziell neue Freunde kennen. Oder aber man fühlt sich spontan wohl, weil man seine eigene Angst überwunden hat und anderen den Tag versüßt hat. Denn seien wir mal ehrlich: Wie viele Miesepeter gibt es auf der Welt, die einen lächelnden Menschen einfach abwürgen?

3. Die 10 day Challenge

Das bringt mich zu einer Ten Day Challenge, die ich einmal ausprobiert habe: Ich zwang mich, jeden Tag eine fremde, mir sympathisch erscheinende Person anzulächeln und anzusprechen. Anfangs schnürte sich mir der Hals zusammen und mit hochrotem Kopf wollte ich am liebsten im Erdboden versinken. Doch als ich von jeder – wirklich jeder – Person ein Lächeln oder sogar positives Feedback zurückbekam, wuchs mein Selbstbewusstsein schnell. Ich sah es als Training für den Ernstfall an, wenn ich wirklich im Ausland unterwegs sein sollte, und viele Leute kennenlernen wollte. Probier es einfach mal aus!

4. Raus aus dem Schneckenhaus

Denn eins ist klar: Wer will sich schon ins Schneckennest zurückziehen und den ganzen Urlaub allein verbringen? Wir alle sehnen uns nach Gemeinschaft – egal ob in einer großen Gruppe oder mit ein, zwei netten Leuten.
Daher heißt es: Raus aus der Komfortzone und rein ins echte Leben – auch wenn es sich anfangs noch so seltsam anfühlt!

5. Gleichgesinnte finden

Überlegt Euch einmal, wo sich Gleichgesinnte herumtreiben. Kocht Ihr gerne? Dann bucht einen Kochkurs in Eurem Urlaubsland. Ihr möchtet endlich einmal surfen lernen, aber habt Euch bisher nie getraut? Dann wird es jetzt Zeit, in einem Surfcamp die ersten Schritte auf dem Board zu tun und nebenbei noch eine Menge andere Alleinreisende kennenzulernen. Ihr könnt Sprachen lernen oder in einer Freiwilligenorganisation die Welt retten. Je nach Interesse, gibt es unzählige Organisationen, die sich auf die Bedürfnisse von alleinreisenden Frauen und Männern eingestellt haben.

6. Die Kontrolle behalten

Neue Freundschaften zu schließen macht Teil des allein Reisens aus. Trotzdem sollten Frauen die Kontrolle behalten und Bars oder Clubs niemals mit jemanden verlassen, den sie gerade erst kennengelernt haben. Ebenso kann ein Ehering am Finger vor ungewollter Aufmerksamkeit schützen. Auch kann es sinnvoll sein, sich in Bussen oder an öffentlichen Plätzen in die Nähe von anderen Frauen zu setzen.

7. Verzichtet auf unnötige Höflichkeit

Dieser Punkt ist ein viel diskutiertes Thema unter Reisenden und eine Gratwanderung: Wann hört die Höflichkeit auf und wann fangen Belästigungen an? Jede Frau verfügt über eine persönliche Schmerzgrenze, über die sie alleine entscheidet. Gerade in arabischen Ländern, in denen es im öffentlichen Leben kaum Berührungspunkte zwischen den Geschlechtern gibt, kann ein unschuldiges Gespräch am Abend schon eine Einladung für mehr bedeuten. Daher kann ich es gar nicht genug betonen, dass ein selbstbewusstes Auftreten – im Zusammenhang mit ein paar auswendig gelernten Floskeln – nichts ist, wofür man sich als Frau schämen muss. Ihr setzt die Grenzen für Eure Wohlfühlzone!

8. Sich endlich einmal so richtig verwöhnen

Gerade die Anfangszeit einer Reise kann für Alleinreisende hart sein. Selbst nach fast zwanzig Jahren fühle ich mich in den ersten Tagen an einem fremden Ort oftmals einsam und überwältigt. Daher buche ich mir am liebsten für die ersten Tage an einem neuen Ort ein schickes Hotel, in das ich mich zur Not zurückziehen kann, wenn alles zu viel wird. So kann ich mich in Ruhe an die ungewohnte Stadt herantasten.

9. In Hostels übernachten

Selbst Menschen, die keine Lust auf laute Schlafsäle haben, empfehle ich Unterkünfte in Hostels. Die meisten Herbergen besitzen sowieso Einzelzimmer und die Gemeinschaftsküchen sind ideale Orte, um Gleichgesinnte zu finden, die ebenso alleine unterwegs sind und sich nach neuen Freunden sehnen.

10. Angemessene Kleidung

Gerade für alleinreisende Frauen ist es in manchen Ländern wichtig, angemessene Kleidung zu tragen. Eng anliegende Kleidung und kurze Shorts sollten eigentlich nur in westlichen Ländern getragen werden – es sei denn ungewohnte Aufmerksamkeit und laute Pfiffe machen Euch nichts aus.

11. Was ist das Schlimmste, was mir passieren kann?

Zu guter Letzt hilft ein kleines Gedankenspiel, um die Angst vor einem Alleingang zu nehmen: Was ist das Schlimmste, was mir auf der Reise passieren kann? Und dann alle möglichen Szenarien im Kopf durchspielen. Ist die Chance wirklich höher, im Urlaub von einem Hai gefressen zu werden, als in der heimischen Stadt von einem Auto angefahren zu werden? Werdet Ihr wirklich mutterseelenallein zwei Wochen am Strand auf Mallorca liegen oder ist es wahrscheinlicher, beim Tauchkurs neue Freunde fürs Leben zu finden?

Allein reisen: Los geht’s

Alleine in den Urlaub zu fliegen, ist allemal besser als in heimischen Gefilden die Freunde dafür verantwortlich zu machen, dass es dieses Jahr wieder nicht mit dem Traumurlaub klappt. Mit ein bisschen Mut und einer Portion Offenheit kommen die meisten Alleinreisenden mit einem grenzenlosen Gefühl des Möglichen wieder. Sie haben sich ihren Ängsten gestellt und gemerkt, dass in 99 Prozent der Fälle nicht das eingetroffen ist, wovor sie am meisten Angst hatten, sondern das genaue Gegenteil: Sie verbrachten eine tolle Zeit mit vielen neuen, intensiven Erlebnissen und Bekanntschaften!

Worauf wartet Ihr noch?

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