Äthiopien: Ein Streifzug durch die bunten Gassen von Harar

Mit dem Round The World Ticket der Star Alliance fliegen Anne und Clemens rund um die Welt. Nach der Region Kafa im Südwesten Äthiopiens erkundeten sie mit Paradise Ethiopia Travel die farbenfrohe Stadt Harar im Osten des Landes.

Der beißende Geruch von frischem Chilipulver durchzieht unsere Nasen und lässt uns unwillkürlich niesen. Die Marktgesellschaft lacht. Klar, das passiert wahrscheinlich nur den untrainierten Nasen der Touristen. Und dann doch: Nach und nach fallen auch die Käufer und Verkäufer in ein kollegiales „Hatschi“. Alle lachen und das wilde Treiben geht weiter.

Farbenfrohe Moscheen in der Altstadt von Harar in Äthiopien

Wir befinden uns auf dem Gewürzbasar in Harar, einer Stadt im Osten Äthiopiens, die vor allem wegen ihrer UNESCO-geschützten Altstadt bekannt ist. Wieso das so ist, wird uns nach einem Spaziergang durch die von einer Stadtmauer umgebenen „Harar Old Town“ schnell bewusst. Denn in welche Gasse man sich auch verirrt, alle 80 Meter passiert man eine Moschee. Mal sind diese rot, mal türkis, mal rosa angestrichen. Den wilden Farbkombinationen scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Das macht Harar zur wohl farbenfrohesten Stadt in ganz Äthiopien. Viel interessanter noch ist der Fakt, dass die Stadt als viertwichtigste des Islam gilt – den vielen Moscheen sei Dank. Tatsächlich beherbergt die beschauliche Altstadt über 100 Moscheen und hat damit die höchste Dichte an islamischen Gotteshäusern weltweit.

Wir lassen das Gewusel des Marktes hinter uns und betreten die Altstadt durch eines der schweren Stadttore. Arabische Inschriften sind an ihnen zu erkennen. Natürlich sind auch diese wundervoll farblich hervorgehoben. Nun geht es auf einfachem Kopfsteinpflaster hinunter durch die verwinkelten Gassen. Wir erkennen erste Moscheen, die so klein sind, dass wohl nur ein Dutzend Menschen darin Platz finden. Tatsächlich besuchen die Einwohner einfach immer die nächstgelegene Moschee, wird uns erklärt. Je nachdem, wo sie sich eben gerade aufhalten, wenn der Muezzin zum Gebet ruft. Bleibt zu hoffen, dass dann dort noch Platz ist.

Arthur Rimbaud und die fußballspielenden Kinder von Harar

Auf dem Weg bekommen wir einen kleinen Einblick in die Häuser der Harari. Oft befinden sich diese in einer Art Gemeinschaftsanwesen. So teilen sich mehrere Familien zwar nicht die Räumlichkeiten, aber den Innenhof, was das Zusammenleben ausgesprochen gesellig macht. Und das wiederum passt zum wohligen Flair der Altstadt.

Plötzlich sticht ein Haus besonders heraus: das Arthur-Rimbaud-Haus, das den großen französischen Dichter und Schreiberling huldigt. Im Gegensatz zu den einfachen Steingebäuden ist dieses vor allem aus schwerem Holz erbaut, größtenteils im viktorianischen Stil. Das Haus beherbergt eine ansehnliche Sammlung an Schriftstücken und Fotografien, die das Leben des jungen Rimbauds in Äthiopien nachzeichnen. Darüber hinaus hat man vom Dachgeschoss einen wundervollen Panoramablick auf Harar und die Umgebung.

Wir spazieren weiter und verlieren uns bald in den hunderten verwinkelten Gassen von Harar. Wie genau diese angelegt sind, erschließt sich dem Betrachter kaum, denn ausschließlich zwei Kreuzungen gibt es in der gesamten Altstadt. So richtig verloren kommt man sich dennoch nicht vor. Denn an jeder Kreuzung erwartet einen das Lachen von Kindern, die auf der Straße Fangen oder Fußball spielen – oft nur mit einem selbst gebastelten runden Bällchen aus Stroh und Klebeband. Ganz neugierig beäugen sie uns. Und wir sie. Verstohlene Blicke werden ausgetauscht und enden meistens in einem gemeinsamen, herzlichen Lachen.

Abendliches Spektakel in Harar: Die Fütterung der Hyänen

Ein echtes Spektakel findet abends statt, wenn die Sonne untergeht. Dann, wenn die Hyänen kommen, die auf zauberhafte Art und Weise zur Stadt und ihrer Geschichte gehören. Denn seit der Gründung von Harar kommen Hyänen in die Stadt und bedienen sich an den Essensresten des Tages. Was zuerst eher abschreckend wirken mag, findet in Wirklichkeit in Einklang mit den Menschen Harars statt. Diese haben sich mit dem Eindringen der Tiere in ihr Umfeld nicht nur abgefunden, nein, sie befürworten es und geben den Hyänen gewissermaßen sogar ihren Spielraum. Noch besser: sie huldigen ihnen. Denn seit Jahrzehnten gehört es zur Tradition der Stadt, dass eine ausgewählte Familie die Fleischfresser allabendlich etwas außerhalb der Stadt mit Fleisch füttert. Was Zoologen und Wildtier-Rangern weltweit einen kalten Schauer über den Rücken treiben würde, ist hier in die Tat umgesetzt worden: eine Hyänenfütterung mit Berührungsgarantie. Zugegeben, die Prozedur ist mittlerweile zur Touristenattraktion verkommen und doch basiert sie auf einer alten Tradition.

Zurück in der Stadt ist das Geheule der Hyänen noch von weitem zu hören. Es vermischt sich allmählich mit den Gebetsrufen des Muezzin. Zu den metallenen Mondsicheln auf den Minaretten gesellt sich bald noch ein weiterer Halbmond und hüllt die Szenerie in ein fast unwirkliches Licht. Gute Nacht, Harar!

Auf ihrer Reise durch Äthiopien wurden Anne und Clemens unterstützt von:

blog-artikel_logoleiste_sponsor_334x150_star blog-artikel_logoleiste_sponsor_334x150_dreams blog-artikel_logoleiste_sponsor_334x150_paradise

4 Kommentare

  1. Jetzt sind wir uns sicher: Äthiopien ist eine Reise wert!
    Sehr schöner, lebendiger Bericht.

  2. Ganz toller Bericht. Aber das Füttern hätte ich mich niemals getraut.

Hinterlasse einen Kommentar