Tallinns Sehenswürdigkeiten: Eine Zeitreise

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Tallinn, die kleine bezaubernde Hauptstadt Estlands, ist vor allem für zwei Dinge bekannt: Für ihr eindrucksvolles mittelalterliches Flair und ihre Vorreiterrolle in Sachen Digitalisierung. Komm mit entlang Tallinns Sehenswürdigkeiten auf eine Zeitreise in die Vergangenheit und erlebe dabei die Zukunft!

Es ist spät. Der Flughafen ist nicht mehr so voll wie noch vor ein paar Stunden. Als ich im Flieger sitze, überkommt mich ein Gefühl der Aufregung und Neugier. Das letzte Mal, als ich in Tallinn war, ist bereits neun Jahre her. Der Aufenthalt war kurz, gerade einmal sechs Stunden hatte ich Zeit, bevor die Fähre zurück nach Stockholm ging. Aber auch dieser Zeitraum war ausreichend, um einen kleinen Eindruck zu gewinnen. Schon damals war mir klar, dass ich wiederkommen werde, um diese außergewöhnliche Stadt im Baltikum noch einmal in Ruhe kennenzulernen.

Als ich ein Taxi zum Hotel nehmen will, spricht mich ein Mädchen mit ihrer Mutter an: „Musst Du auch in die Stadt? Lass uns doch ein Taxi teilen.“ Gerne! Die Mutter ist in Tallinn aufgewachsen, bevor sie nach Deutschland ausgewandert ist. Nun will sie ihrer Tochter ihre Heimat zeigen.

Estland: Pionier in Sachen Digitalisierung

Und zugegeben, in ihrem Heimatland hat sich in den letzten fünfzehn Jahren einiges getan. Immer mehr junge Menschen aus ganz Europa zieht es in das digitale Paradies Estland. Bürger- und Datenschutz stehen bei der Digitalisierung im Vordergrund. Der Este hat eine Karte für alles: Versicherungskarte, Führerschein, Personalausweis, Büchereiausweis und Treuekarte für den Supermarkt. Jeder Bürger hat eine digitale Signatur, wählen kann man ebenfalls digital und das bereits seit 2005. Dadurch werden jährlich über 800 Jahre Arbeitszeit in der Verwaltung eingespart. Dieser Artikel der Süddeutschen Zeitung beschreibt, was Estland in Hinblick auf die Digitalisierung bisher als einziges Land Europas geschafft hat.

Tallinns Sehenswürdigkeiten: bezaubernde Altstadt

Trotz des eindrucksvollen digitalen Fortschritts hat das Land nichts von seinem ursprünglichen Charme verloren. Am nächsten Morgen mache ich mich auf, Tallinns Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Hierfür geht es zunächst in die Altstadt, das wohl bekannteste und schönste Fleckchen der Stadt.

Die Stadtmauern mit ihren breiten Türmen umgeben die Altstadt, die Gassen bestehen noch aus dem originalen Kopfsteinpflaster. Man fühlt sich wie auf einer Zeitreise zurück ins Mittelalter. Und jetzt kommt mir die Umgebung auch wieder bekannt vor, denn genau diesen Gedanken hatte ich auch bei meinem ersten Besuch.

Auf Instagram habe ich einen tollen Aussichtspunkt entdeckt, den es nun zu finden gilt. Ausgerüstet mit der VisitTallinn App glaube ich zu wissen, wo sich dieser Ort befinden könnte. Und siehe da: den Domberg zu entdecken, war einfacher als ich gedacht habe. Hilfreich dabei ist auch, dass sich Tallinns Sehenswürdigkeiten wunderbar zu Fuß erkunden lassen. Von hier oben hat man einen traumhaften Blick über die Stadt. Rechter Hand erstreckt sich die Skyline Tallinns und vor mir die wunderschöne Altstadt mit ihren quirligen Gassen und den in allen erdenklichen Rot- und Orangetönen schimmernden Dächern. Im Moment sind diese größtenteils mit Schnee bedeckt, was auch sehr hübsch ist. Linker Hand blickt man auf die Stadtmauer mit ihren breiten Türmen, dahinter sieht man sogar noch den Hafen.

Restaurants in Tallinn: Kulinarische Zeitreise ins Mittelalter

In der Altstadt Tallinns trifft man immer wieder auf wie im Mittelalter gekleidete Frauen, die leckere Karamellbonbons verkaufen. Diese gibt es in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen, verkosten ist ausdrücklich erwünscht.

Neben einer dieser Stände fällt mir ein Restaurant auf, das Olde Hansa. Ist das nicht das Restaurant, das mir die Estin am Abend zuvor im Taxi empfohlen hat? Es ist ohnehin Mittagszeit und ich bin hungrig, da ich das Ausschlafen dem Frühstück im Hotel vorgezogen habe. Und was ich hier erlebe, hätte ich nicht erwartet: Alle Speisen und Getränke werden zubereitet wie vor 600 Jahren. Sogar Glühbirnen wurden hier durch Kerzenlicht ersetzt und gegessen wird an rustikalen Holztischen. Ivar bringt mir die Speisekarte, die er ganz allein in drei verschiedene Sprachen übersetzt hat. Ich lasse mir ein Wildgericht empfehlen – Fleisch vom Hirsch, dazu Hirsebrei und Beeren – und bin begeistert, wie gut es schmeckt und wie natürlich und bekömmlich das Essen damals war. Als Nachtisch gibt es Rosenpudding mit Rosenblättern und dazu einen Schnaps, der unerwartet stark ist. Wer trinkt denn sowas? Die Leute von damals, sagt Ivar.

Danach geht’s noch mal durch die restliche Altstadt. Ich halte Ausschau, ob ich irgendwelche Ecken von früher wiedererkenne. Oh ja, den Friedensplatz mit seinem riesigen Kreuz. Langsam wird es dunkel und es scheint, als hätte ich die Orientierung verloren. Wegen all der kleinen, verwinkelten Gassen kann das in Tallinn schon mal passieren. Plötzlich stehe ich vor einem kompakten, unscheinbaren Laden. Neugierig gehe ich hinein. Hier werden Trüffel verkauft, in jeder Form, Farbe und Geschmacksrichtung. Der urige Laden gehört zum gegenüberliegenden Café Kehrwieder. Ich kann es nur empfehlen, hier mal ein paar Trüffel zu probieren.

Kalamaja: Szeneviertel von Tallinn

Da ich es ja nicht nur mag, langsam und entschleunigt Orte zu erkunden, sondern auch einen Faible für Underdog-Destinationen habe, versuche ich immer, das weniger touristische einer Stadt zu finden. Und hier in Tallinn heißt dieser Ort Kalamaja. Dieses Stadtviertel war einst Fischerviertel. Von den Fischern sind zwar nicht mehr viele übrig, aber die schönen Holzhäuschen, in denen sie lebten, sind noch immer da und prägen das Bild dieser Gegend.

Direkt hinter dem Bahnhof findet man nicht nur viel Streetart, sondern auch immer mehr Szenerestaurants sowie kreative und moderne Kunst. Kalamaja hat sich zum hippen Szeneviertel entwickelt.

Die Cafés mit ihren ausgefallenen Designs sind gut besucht. Sie sind Treffpunkt vieler junger, aber auch einiger älterer Besucher. Eine Sache fällt mir ganz besonders auf: Es wird viel gelacht, die Menschen hier wirken sehr zufrieden. Im Gegensatz zu vielen Szene-Cafés oder Stadtvierteln anderer Länder, sind in Kalamaja alle ganz normal und eher unauffällig gekleidet, was ich sehr sympathisch finde.

Es ist schon wieder Mittagszeit und ich mache mich auf die Suche nach etwas Essbarem. In einer kleinen Seitenstraße fällt mir ein Wegweiser auf. Ich verstehe zwar nicht, was draufsteht, aber ich bin neugierig. Ein paar Schritte weiter erstreckt sich eine beeindruckende Malerei an einer großen Hauswand. Daneben kommen noch mehr tolle Malereien zum Vorschein sowie eine Art Skulptur die an dem kleinen Tunnel hängt.

Ich mache ein paar Fotos und entdecke dabei ein Restaurant direkt um die Ecke. Das F-hoone macht einen sehr einladenden Eindruck und ich entscheide mich, zu bleiben.

Ausflug in die Umgebung: Kadriorg und Pirita

Die öffentlichen Verkehrsmittel Tallinns bringen Dich in kürzester Zeit von A nach B. Und das Beste daran ist: Jeder, der in Tallinn lebt bzw. dort registriert ist, darf diese kostenlos nutzen. An meinem letzten Tag habe ich einen Ausflug zu den Song Festival Grounds im Stadtbezirk Kadriorg und einen Besuch des Vorortes Pirita geplant. Kadriorg ist ein riesiger Park, dreißig Minuten vom Zentrum Tallinns entfernt. Im Winter kann man hier rodeln und generell richtig gut spazieren gehen. Ein kleines Stück weiter liegt Pirita. Direkt am Ostseestrand gelegen, besticht es mit seinem idyllischen Hafen und einem wunderschönen Blick auf Tallinn. Obwohl das absolut verlockend klingt, muss ich mich leider kurzfristig gegen den Ausflug entscheiden, da zurzeit sehr starke Schneefälle herrschen. Wahnsinnig schade, aber auch ein guter Anlass, Tallinn bald wieder zu besuchen. Da die estnische Hauptstadt und das Umland noch so viel mehr zum Entdecken bieten, wird es sicher nicht lange dauern, bis ich zurückkehre.

Bildnachweise:

Beitragsbild: © Ilya Orehov on Unsplash

alle weiteren Bilder: Matthias Derhake

2 Kommentare

  1. Diese kurze und schnell Info über Tallin war sehr hilfreich. Es hat mich inspiriert evtl. doch eine Woche in dieses kleine und hübsche Land zu reisen.

    • Michael Kausch

      Ja, Tallinn steht nun wohl auch auf meinem Reiseplan. Bislang kenne ich nur Lettland. Über Riga hat ja Alexandra Lattek hier schon mal einen schönen Bericht eingestellt. Ich kenne auch das lettische Hinterland von einer mehrwöchigen Reise quer durchs Land. Überhaupt scheinen die baltischen Länder sowohl kulturell, als auch landschaftlich ein spannendes Reiseland zu sein. Vor allen Dingen ist die Region abseits der Hauptstädte und der Hauptreisezeiten noch nicht überlaufen.

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