Mehr als K-Pop und Karaoke: Ein Besuch in Seoul

Seoul bietet so ziemlich alles, was man von einer Reise nach Asien erwarten kann: Leckeres Essen, eine spannende Geschichte, ein rauschendes Nachtleben und natürlich auch die typisch koreanische Popkultur. Bloggerin Franzi hat die Highlights und Sehenswürdigkeiten der südkoreanischen Hauptstadt für euch zusammengetragen.

„Südkorea? Das hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm.“ So oder so ähnlich fallen so ziemlich alle Reaktionen aus meinem Umfeld aus, wenn ich nach einer Reise nach Seoul mal wieder ins Schwärmen gerate. Während die meisten meiner Bekannten unheimlich neugierig auf China, Japan oder Hong Kong sind, spielen nur wenige von ihnen mit dem Gedanken, irgendwann einmal Südkorea zu besuchen.

Südkorea? Das ist doch das kleine Land neben China

Meistens kann ich dann nicht widerstehen und muss für den ostasiatischen Staat und ganz besonders seine Hauptstadt ein bisschen die Werbetrommel rühren. Denn auch wenn Seoul gerade noch ein kleines Lämpchen ist, das im strahlenden Scheinwerferlicht von Tokio und Shanghai oft gnadenlos untergeht, gehört die Stadt zu den wohl aufregendsten Metropolen auf dem asiatischen Kontinent.

Seoul bietet so ziemlich alles, was man von einer Reise nach Asien erwarten kann: Leckeres Essen, eine spannende Geschichte, ein rauschendes Nachtleben und natürlich auch die typisch koreanische Popkultur. Dazu kommt ein Shoppingangebot, das seinesgleichen sucht. Vom Straßenmarkt bis hin zum Luxuskaufhaus – wer nicht aufpasst, bringt die Kreditkarte schnell zum Glühen.

Geschichte erleben: Die fünf großen Paläste von Seoul

Eine Reise nach Seoul startet am besten mit einem kleinen Kulturprogramm. So lernt man nicht nur jede Menge über die bewegte Geschichte des Landes, sondern erlebt auch den extremen Kontrast aus Tradition und Moderne aus erster Hand. Ein guter Anlaufpunkt sind die fünf großen Paläste, die zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören: Gyeongbokgung, Changdeokgung, Changgyeonggung, Deoksugung und Gyeonghuigung. Alle fünf der Zungenbrecher sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Erbaut wurden sie in der Joseon Dynastie, die als letztes Königreich Koreas gilt.

Wer einen knappen Zeitplan hat, sollte als Erstes dem Deoksugung Palast einen Besuch abstatten. Er besticht nicht nur mit einer beeindruckenden Architektur, sondern auch mit einer spannenden Geschichte. Denn im Gegensatz zu den anderen Königshäusern war er ursprünglich kein Palast, sondern die Villa eines Prinzen. Nachdem im Rahmen des Imjin-Kriegs im Jahr 1598 jedoch alle Paläste zerstört wurden, diente er dem Königshaus nach einem Umbau als Notlösung. Seinen heutigen Namen Deoksugung trägt der Palast übrigens erst seit 1907, ursprünglich hieß er Gyeongungung.

Ungefähr 20 Minuten fußläufig entfernt liegt der Gyeongbokgung, der größte der fünf Paläste in Seoul. Er wurde im Jahr 1395 fertiggestellt und ist somit der älteste Palast in Seoul. Auch er wurde im Imjin-Krieg zerstört und erst 1868 von König Gojong wieder aufgebaut. Der Gyeongbokgung Palast ragt beeindruckend vor Seouls Skyline in die Höhe. Der Kontrast zwischen dem über 600 Jahre alten Gebäude und den glänzenden Wolkenkratzern fasziniert mich bei jedem Besuch aufs Neue.

Insa-Dong: Südkoreas Traditionen hautnah erleben

Fußläufig von den Palästen entfernt liegt das traditionelle koreanische Stadtviertel Insa-Dong, das inzwischen Kultstatus erreicht hat. Am besten plant Ihr euren Besuch am Wochenende, denn dann ist das Viertel für den Autoverkehr gesperrt und verwandelt sich in eine riesige Fußgängerzone. Auf den sonst viel befahrenen Straßen errichten Händler bunte Stände, an denen sie landestypische Süßigkeiten verkaufen und euch die Zukunft aus der Hand lesen. Viele Südkoreaner tragen bei ihrem Besuch in Insa-Dong die traditionellen Hanbok Gewänder. Wer sich die pompösen Kleider einmal genauer ansehen möchte, ist hier also genau richtig. Auf Nachfrage ist es übrigens fast immer möglich, ein Foto zu machen – viele Einheimische freuen sich sogar darüber.

Rechts und links von der Hauptstraße eröffnet sich in Insa-Dong ein Labyrinth aus kleinen Gassen, in denen landestypische Restaurants, Teehäuser, Kunstgalerien und Boutiquen dicht gedrängt beieinander stehen. Kunstliebhaber können in über 100 Galerien stöbern – zu den berühmtesten gehören die Gana-Kunstgalerie, die Galerie Hakgojae und das Gana Art Center. Wer möchte, nimmt vor Ort den Galerienbus, der Besucher zu den zehn beliebtesten Galerien bringt. Aber auch Foodies kommen in Insa-Dong auf ihre Kosten. Das Stadtviertel ist berühmt für sein Streetfood und beherbergt außerdem eine riesige Gastronomieszene und viele kleine Teehäuser.

Das Univiertel Hongdae: Wo die Koreaner das Leben feiern

Ein spannender Kontrast zum traditionellen Insa-Dong ist das ultramoderne Stadtviertel Hongdae, das in Seoul auch unter dem Namen „University Quarter“ bekannt ist. Hongdae erinnert ein wenig an das berühmte „Harajuku“ in Tokio, denn auch hier dreht sich alles um Individualität und Selbstverwirklichung. Nicht nur Studierende, sondern auch Angestellte aus ganz Seoul feiern in Hongdae das Leben. Sie singen Karaoke, tanzen in Underground-Clubs, tragen verrückte Outfits und frönen ihrer Liebe zur Kunst.

Auch Besucher werden von der ganz besonderen Stimmung in Hongdae direkt mitgerissen. Beim abendlichen Barbesuch kommt man schnell mit Einheimischen in Kontakt und tagsüber macht es viel Spaß, durch die schrillen kleinen Boutiquen zu stöbern. Auch der berühmte koreanische Kitsch kommt im Univiertel nicht zu kurz. Ein absolutes Muss ist ein Besuch im gigantischen Flagship Store der Kakao Friends. Seit 2018 lassen sich die von den Koreanern heiß geliebten Charaktere sogar in einem angrenzenden Museum bewundern.

Namdaemun Market: Schnäppchenjagd auf Koreas größtem Markt

Vor einer Reise nach Seoul lohnt es sich immer, ein bisschen Platz im Koffer zu lassen. Denn nicht nur Insa-Dong und Hongdae sind echte Eldorados für alle, die Mode, Kunst und traditionelles Handwerk mögen. Eine tolle Anlaufstelle ist zum Beispiel der Namdaemun Market, der größte traditionelle Markt in Korea.

Von Kleidung über Haushaltsgegenstände bis hin zu Sportausrüstung, Handwerkskunst und die weltberühmte koreanische Kosmetik gibt es in dem Labyrinth aus unzähligen Ständen vermutlich nichts, was es nicht gibt. Natürlich wird auch jede Menge leckeres Essen angeboten und wer möchte, kann sein Verhandlungsgeschick austesten und ein paar richtig gute Schnäppchen machen. Zum Beispiel kosten die meisten Kleidungsstücke und Handtaschen zwischen 8.000 und 20.000 Won (ca. sechs bis 15 Euro). Die Qualität ist in der Regel sehr gut.

Der N Seoul Tower bietet Panoramablicke und Kultur pur

Für einen spektakulären Blick über die Stadt lohnt sich ein Besuch auf dem N Seoul Tower. Er gilt als Wahrzeichen der Stadt und steht auf dem Berg Namsan. Wer möchte, gelangt mit einem Fahrstuhl auf die 237 Meter hohe Aussichtsplattform. Mithilfe von High-Tech-Bildschirmen erleben Besucher hier ein 360-Grad-Panorama von Seoul und erfahren gleichzeitig spannende Fakten rund um die Metropole und den Berg Namsan. Ein Besuch lohnt sich vor allem, wenn am späten Nachmittag die Sonne untergeht und die Stadt sich in ein Lichtermeer verwandelt.

Besonders am Wochenende sind die Schlangen am N Seoul Tower aber oft so lang, dass sich das Anstehen nicht immer lohnt. Doch auch vom Fuß des ehemaligen Funkturms sind die ganze Stadt und die umliegenden Berglandschaften zu sehen. Außerdem ist der Eintritt auf die Dachterrasse im zweiten Stock umsonst. Sie ist ein echter Hotspot für verliebte Paare, da sich die Hauptdarsteller einer berühmten koreanischen Fernsehserie hier die ewige Liebe geschworen und ein Schloss an den Zaun angebracht haben. Bis heute folgen viele Südkoreaner ihrem Beispiel und verewigen sich mit oft aufwendig gravierten Liebesschlössern am selben Ort.

Auch unterhalb der Aussichtsplattform gibt es im N Seoul Tower viel zu sehen und zu erleben. In den oberen Stockwerken befinden sich zum Beispiel viele schöne Cafés und Restaurants, in denen man die Aussicht bei einer Tasse Tee oder einem leckeren Essen genießen kann. Hartgesottene Fans von asiatischem Kitsch sollten sich außerdem das Hello Kitty-Museum „Hello Kitty Island“ im fünften Stock nicht entgehen lassen. Für tolle Erinnerungsfotos lohnt sich ein Besuch im Hanbok-Kulturerlebniszentrum im ersten Untergeschoss. Touristen können hier die traditionelle koreanische Kleidung Hanbok anprobieren und sich in verschiedenen Fotozonen knipsen lassen.

Gastrohimmel: Was Foodies in Seoul unbedingt probieren sollten

Last but not least gibt es natürlich noch einige koreanische Köstlichkeiten, die man in Seoul auf gar keinen Fall verpassen darf. Fleischliebhaber sollten unbedingt das weltbekannte Korean BBQ versuchen, bei dem man um einen im Tisch eingelassenen Holzkohlegrill herumsitzt. Hier wird gemeinsam Fleisch gegrillt. Dazu gibt es verschiedene Beilagen wie Kimchi (scharf eingelegter Kohl) Japchae (Glasnudelsalat) oder Kimbap (koreanisches Sushi).

Besonders lecker ist auch das traditionelle Bibimbap. Das klassische Resteessen wird mit Reis und verschiedenen Gemüsesorten zubereitet. Dazu gibt es meist Rindfleisch, ein rohes oder gebratenes Ei und die Chilipaste Gochujang. Für Vegetarier ist Bibimbap fast überall auch mit Tofu oder als reine Gemüsevariante erhältlich. Ein beliebtes Streetfood in Seoul ist übrigens Pajeon. Der knusprige Pfannkuchen besteht aus Teig, Gemüse, Kimchi und oft Meeresfrüchten. Gedippt in eine würzige Mischung aus Sojasauce, Essig und Chili repräsentiert er perfekt den traditionell koreanischen Dreiklang aus süß, sauer und scharf.

Warum Ihr eure Reise nach Seoul nicht länger verschieben solltet

Südkoreas Hauptstadt ist nach wie vor der Underdog unter den asiatischen Großstädten. Doch ich bin mir sicher, dass es nicht mehr allzu lange so bleiben wird. Denn Seoul hat einfach viel zu viel zu bieten, als dass die Stadt nicht irgendwann als neues Trendziel des Massentourismus auserkoren wird. Bis dahin habt Ihr noch die einmalige Chance, das ursprüngliche Südkorea kennenzulernen. Ganz ohne Touristenmassen – dafür mit herzlichen Einheimischen, die euch neugierig und mit offenen Armen begrüßen. Wenn Ihr also Lust habt, Seoul mit all seinen traditionellen, modernen und verrückten Seiten zu erkunden, solltet Ihr die Gelegenheit unbedingt nutzen.

  • Mehr Informationen rund um Seoul und seine Sehenswürdigkeiten gibt es vor Ort im Tourismusbüro, über die Touristeninformationshotline oder auf der offiziellen Webseite.
  • Von A nach B gelangt man in Seoul am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit den relativ günstigen Taxis (ca. 3.000 bis 4.000 Won für zehn bis 20 Minuten Fahrt). Für Touristen gibt es den MPASS zu kaufen, mit dem alle öffentlichen Verkehrsmittel in Seoul und auf der Insel Jejudo genutzt werden können. Mehr Informationen dazu gibt es hier.
  • Die Taxifahrer verstehen oft kein Englisch und können mit Hotelnamen nicht viel anfangen. Im Hotel packt man sich deshalb am besten eine „Take Me Home“-Karte ein, auf der eine kleine Karte und die Adresse in koreanischen Schriftzeichen abgedruckt sind.
  • Für einen Besuch in einem koreanischen Teehaus kann ich das „Dawon“ in Insa-Dong empfehlen (11-4 Insadong 10-gil, Gwanhun-dong, Jongno-gu). Hier sitzt man ganz traditionell auf dem Boden und kann aus einer riesigen Teekarte wählen.
  • Zu den besten Adressen für ein Korean BBQ gehört das CHOI GO ZIP im Univiertel Hongdae.
  • Für einen gesunden (vegetarischen) Snack zwischendurch empfehle ich das Again Refresh in Sangsu. Hier gibt es leckere Salate, Sandwiches und frisch zubereitete Smoothies.
  • Die beste Reisezeit für Seoul ist von September bis Mitte November. Hier gibt es viele Sonnenstunden, blauen Himmel und weniger hohe Temperaturen als im Sommer. Toll ist auch die Zeit von Ende März bis Anfang April, wenn die Kirschblüten aufgehen. Wintersportfreunde können sich von Ende November bis Ende März in den Skizentren rund um Seoul austoben.
  • Mit deutschem Reisepass kann man 90 Tage visumfrei nach Südkorea einreisen

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