Reise ans Ende der Welt – Roadtrip in Patagonien

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Ich hatte das Stadtgebiet von Punta Arenas noch nicht ganz verlassen, schon war ich mitten drin in diesem Patagonien, von dem ich so lange geträumt hatte: Links und rechts der Straße breitete sich die Steppe bis in die Endlosigkeit aus, ein Andenkondor segelte mühelos im Wind, der mein Auto hingegen ganz schön zum Wackeln brachte. Vor mir lagen zwei Wochen am Ende der Welt. Nur mein Mietwagen, meine Wanderschuhe, mein Zelt und ich. Ohne große Planung wollte ich mich treiben lassen durch diese Welt der weiten Steppen und felsigen Riesen. Und meinen Traum von einer Reise durch Patagonien endlich wahr werden lassen.

Schwarzes Gestein und bunte Tierwelt im Pali Aike Nationalpark

Es gibt diese Orte in Patagonien, um die man einfach nicht herumkommt und das auch gar nicht will. Viel zu schön, spektakulär und einzigartig sind sie, als dass man sie missen wollen würde.

Der kleine Pali Aike Nationalpark zählt nicht unbedingt dazu – und war doch eines der Highlights meines Roadtrips. Hier wollte ich erstmal ganz in Ruhe in Patagonien ankommen, und diese Ruhe sollte ich bekommen. War ich doch an diesem Tag die einzige Besucherin, die nach drei Stunden Fahrzeit von Punta Arenas, die letzte halbe Stunde davon über Schotterpisten, am kleinen Besucherzentrum vor der Schranke stand.

Von dort aus erkundete ich entlang einer kleinen Schotterstraße die Sehenswürdigkeiten des Parks, der auf dem gleichnamigen Vulkanfeld liegt. Dessen Geschichte ist dank Kratern, Höhlen und erkalteten Lavaströmen deutlich sichtbar und mehrere kleinere Wanderungen führen zu den spannendsten davon. Daneben gibt es auch noch die Laguna Ana, in der man (mit etwas Glück) Flamingos entdecken kann. Aber nicht nur Flamingos tummeln sich im Park, sondern auch noch jede Menge andere Vogel- und Tierarten. Darunter viele Nandus, sozusagen die Vogelstrauße Patagoniens, und die ikonischen Guanakos, die hier in Heerscharen die Steppe beweiden.

Auf staubigen Straßen durch die endlose Weite Argentiniens

Von Pali Aike aus überquerte ich direkt die Grenze zu Argentinien, um erst ein Stück entlang der Ostküste Richtung Norden und dann durchs Landesinnere rüber auf die andere Seite und damit in Richtung Berge zu fahren.

Die große Pinguinkolonie, die den patagonischen Sommer über am Cabo Virgenes lebt, war zu dieser Zeit leider schon auf dem Weg in wärmere Gefilde. Ansonsten hätte ich bestimmt erstmal die 100 km holprige Schotterpiste auf mich genommen. Wem das zu weit ist, der kann übrigens auch im Nationalpark Monte León direkt an der Küste Pinguine sehen.

Ein letztes Mal auftanken (etwas, das Du in Patagonien lieber einmal zu viel als einmal zu wenig tun solltest) und ich bog auf die Ruta 288 ab. Eine größtenteils geschotterte Nebenstraße, die mich auf 250 km von Puerto Santa Cruz bis nach Tres Lagos führen sollte. 250 km, auf denen ich außer ein paar Gauchos auf ihren Pferden so gut wie keine Menschenseele sah. Der Himmel war strahlend blau, die Sonne für diese Jahreszeit erstaunlich warm und vom berühmt-berüchtigten patagonischen Wind nichts zu spüren. Ich konnte mich nicht sattsehen an der schier unendlichen Weite, die sich in alle Himmelsrichtungen bis zum Horizont ausbreitete und bekam zumindest einen kleinen Eindruck davon, wie weitläufig und leer dieser Teil der Welt wirklich ist.

Trekkingtour zu den berühmtesten Bergen Patagoniens

Nach all der Steppe war es nun aber doch mal Zeit für etwas Abwechslung: Schon von weitem sah ich die ikonischen Zacken von Fitz Roy, einem der berühmtesten Gipfel Patagoniens, der hoch über El Chaltén thront. Der kleine Ort ist (selbsternannte) Trekkinghauptstadt und tatsächlich dreht sich hier alles rund um das Wandern, Bergsteigen und Klettern.

Drei Tage lang erkundete ich auf einer Trekkingtour die imposante Bergwelt des nördlichen Los Glaciares Nationalparks und kam dabei Fitz Roy und dem fast ebenso bekannten Cerro Torre so nah, wie es in einfachen Wanderschuhen eben möglich ist.

Leider waren die Gipfel an diesen Tagen ziemlich schüchtern und blitzten nur ab und zu durch die Wolkenschicht. Der Sonnenaufgang an der Laguna Torre aber zählt trotzdem zu den schönsten Erlebnissen, die ich in Patagonien hatte. Wenn das zarte Rosa des Morgenhimmels mit den strahlendblauen Eisbrocken in der Lagune um die Wette strahlt, braucht man einfach keinen Berg mehr zu seinem Glück.

Eismassen bewundern am Perito Moreno-Gletscher

Vom Eis der Laguna Torre ging es weiter zu noch mehr Eis. Zu so viel Eis, dass ich die Größe des Perito Moreno Gletschers gar nicht so richtig begreifen konnte, selbst als ich direkt davorstand. Bis zu 5 km breit und 70 m hoch ist der Ausläufer des Gletschers, der rund eine Stunde Fahrzeit von der Stadt El Calafate entfernt liegt. Auf langen Holzstegen und Aussichtsplattformen kann man ihn in aller Ruhe und von allen Winkeln aus bewundern. Und wenn man Glück hat, steht man gerade dort, wo mal wieder mit lautem Krachen und Getöse ein Stück der riesigen Eismasse abbricht und ins Wasser fällt.

Noch eindrucksvoller ist das Ganze bestimmt, wenn man sich dem Gletscher auf einem der Ausflugsboote vom Wasser aus nähert. Wobei die Schiffchen natürlich gebührenden Sicherheitsabstand von den Eismassen halten.

Übrigens: Der Perito Moreno ist einer der wenigen Gletscher weltweit, die nicht schrumpfen, sondern sogar noch wachsen!

Patagonien pur im Torres Del Paine Nationalpark

Sie sind das Wahrzeichen des gleichnamigen Nationalparks, wenn nicht sogar ganz Patagoniens: Die drei Felstürme, die dem Torres del Paine Nationalpark seinen Namen geben. Chiles wohl berühmtestes Postkartenmotiv lockt viele Besucher ans Ende der Welt. Und ihr Anblick von Mirador Torres ist wahrlich jede Mühe wert, die der relativ anstrengende und lange Aufstieg mit sich bringt.

Aber der Torres Del Paine Nationalpark ist noch so viel mehr als das: Rund um das schroffe Paine-Bergmassiv gibt es türkisblaue Seen, große Gletscher, tosende Wasserfälle, wilde Flüsse und endlos weite Hügellandschaften und Grasebenen.

Um den Park in seiner ganzen Vielfalt und Weite erleben zu können, hatte ich mich dafür entschieden, nicht den beliebten W-Trek, eine 5-tägige Wanderung entlang des Bergmassivs, zu laufen, sondern die Gegend auf Tageswanderungen zu erkunden. Mein Favorit dabei war die Tour zum Mirador Ferrier, ein wenig besuchter Aussichtspunkt, von dem aus man einen tollen Blick auf alles hat, was diesen Ort so besonders macht.

Patagonien mit dem Mietwagen – Reisetipps

  • Beste Reisezeit: Von Dezember bis Februar herrscht Hochsommer, dann gibt es hier die angenehmsten Temperaturen, aber auch die meisten Touristen und die höchsten Preise. Wenn Du es etwas einsamer (und günstiger) magst, sei Dir entweder der Frühling im Oktober/November oder der Herbst im März/April empfohlen. Allerdings kann es zu diesen Zeiten noch bzw. wieder empfindlich kalt werden, wobei raues und unvorhersehbares Wetter hier sowieso Alltag ist.
  • Mietwagen buchen: Viele Straßen(-abschnitte) in Patagonien sind nicht asphaltiert und je nach Lage und Beliebtheit mehr oder weniger gut in Schuss. Wenn Du Patagonien mit dem Mietwagen bereisen möchtest, solltest Du auf jeden Fall auf einen Vermieter zurückgreifen, der das Befahren unbefestigter Straßen erlaubt, was in der Regel nur bei Allrad-Fahrzeugen der Fall ist. Ich habe meinen SUV über Europcar gemietet.
  • Reiseroute: Die Entfernungen in Patagonien sind lang und gerade die bekannten Nationalparks laden zu ausgedehnten Wanderungen und Trekkingtouren ein. Was die Wahl der Reiseroute angeht, solltest Du daher eher konservativ planen, auch weil das Wetter Dir jederzeit einen Strich durch die Reiseplanung machen kann. Für zwei bis drei Wochen Reisezeit bietet sich eine Rundreise im Süden an von/nach Punta Arenas in Chile oder El Calafate in Argentinien an. Wenn Du etwas mehr Zeit mitbringst, kannst Du entweder noch nach Feuerland übersetzen oder aber per (teurerer) Einwegmiete weiter Richtung Norden bis nach Puerto Montt fahren.

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