Rio: Samba zwischen Zuckerhut und Corcovado

Rio de Janeiro - unsere Bloggerin Tatiana beschreibt die Stadt als ein tropisches Paradies voller Magie. Als Halbbrasilianerin zeigt sie euch in diesem Beitrag die schönsten Ecken für eure Reise ins brasilianische Rio: von den Must-See's wie der Christusstatue bis zu Geheimtipps im Bohemian-Viertel Santa Terasa.

Mein Herz tanzt, es tanzt Samba, als ich in Rio de Janeiro lande. Zwischen Zuckerhut und Corcovado lebe ich als Halbbrasilianerin auf, aber das ist kein Wunder. Rio ist ein tropisches Paradies voller Magie. Und die Cariocas, so nennt man die Einwohner Rios, machen es mir leicht: Sogar im lebensfrohen Brasilien gelten sie als besonders herzlich, hilfsbereit und aufgeschlossen.

Vintageschätze und Samtagssamba in der Rua do Lavradio

Ich habe Glück an meinem Ankunftstag. Im Stadtteil Lapa findet die monatliche Feira do Rio Antigo auf der Rua do Lavradio statt, ein stimmungsvoller Vintage- und Kunsthandwerkermarkt, der jeden ersten Samstag im Monat statt findet. Meine Airbnb-Vermieterin Isabella, eine Dokumentarfilmregisseurin mit zu vielen Zimmern in ihrer mondänen Wohnung in Copacabana, ist sofort Feuer und Flamme. „Komm mal her, Alessandra, da musst du unbedingt mit Tatiana hin!“, ruft sie durch den Flur. Alessandra ist argentinische Möbeldesignerin, bewohnt eines der anderen Zimmer und ist nun meine Marktbegleitung. Unkompliziert wie das Leben in Rio eben ist, verbringe ich mit Isabella, Alessandra und dem Rest unserer Airbnb-WG die nächsten Tage in illustrer Gesellschaft.

Einmal im Monat wird es auf der Rua do Lavradio in Lapa besonders lebendig: Die Feira do Rio Antigo bringt Vintage-Atmosphäre in die Stadt.

Bei tropischer Hitze sehr praktisch: An jeder Ecke werden Erfrischungen verkauft.

Wer Antiquitäten sucht, ist in Lapa genau richtig.

Blumig: Exotisches Handwerk bringt gute Laune.

Auf der Rua do Lavradio schlendern Alessandra und ich von Stand zu Stand, stöbern in den mit Vintageschätzen vollgestopften Antiquitätenläden ringsum und trinken Chopp (eisgekühltes Bier vom Fass) in einer der vielen Kneipen. Im Armazem do Senado gibt es Livemusik, Musikinstrumente liegen herum, jeder darf mitspielen. Wie echte Cariocas tanzen wir gedankenverloren Samba in der schwülen tropischen Hitze und singen alte Klassiker mit – und es ist, als hätten wir unsere Samstagnachmittage nie anders verbracht.

Fröhlich und ausgelassen: Cariocas und der Samba.

Bereits Monate vor dem richtigen Karneval gibt es in Rio kleine Umzüge.

Hauptsache es macht Spaß: Karneval ist auch eine Lebenseinstellung.

Santa Teresa - das Viertel der Bohemians

Wer vom tropischen Bohème-Flair nicht genug kriegen kann, nimmt von der Estação Carioca aus die historische Tram, Bonde genannt, über die Arcos da Lapa in den Stadtteil Santa Teresa hinauf. Hier hat sich in den letzten Jahren eine spannende Szene mit interessanten Lokalen, alternativen Geschäften und Ateliers entwickelt. Kannst Du auf Strandnähe verzichten, findest Du hier auch eine große Anzahl toller Airbnbs: In Santa Teresa wohnst Du Tür an Tür mit Künstlern und Kreativen!

Die alte Straßenbahn ist das Wahrzeichen von Santa Teresa.

Gemächlich ruckelt sie durch Santa Teresa: Die berühmte gelbe Tram.

Meine Geheimtipps in Santa Teresa

Bar do Mineiro – der Klassiker in Santa Teresa für echte Hausmannskost aus dem Bundesstaat Minas Gerais und eine gute Adresse, um das brasilianische Nationalgericht Feijoada (Bohneneintopf mit Fleisch und Würstchen) zu probieren!
Livraria Largo das Letras  – alternative Buchhandlung mit atmosphärischem Café am Largo dos Guimaraes
Explorer Bar – ungewöhnliche Cocktailkreationen und brasilianisch-israelische Fusionküche in gemütlichem Ambiente

Zuckerhut oder Christo? Die beiden Must-See Sehenswürdigkeiten in Rio

Für eine Reise nach Rio solltest du mehrere Tage einplanen, um die volle Bandbreite von Natur bis Kultur kennenlernen zu können. Allein für die beiden großen Sehenswürdigkeiten, den Zuckerhut und die Christusstatue auf dem Corcovado muss man jeweils mindestens einen halben Tag einkalkulieren. Bei entsprechendem Wetter sind beide Locations gut besucht - aber es lohnt sich! Die Aussicht ist von beiden Orten aus atemberaubend.

Weltweit bekannt: Die Christusstatue auf dem Corcovado wacht über Rio de Janeiro.

Magisch: Die Kombination aus Atlantischem Regenwald, Bergen und Meer macht Rio de Janeiro zu einer besonderen Stadt.

Vom Corcovado aus blickt man direkt auf den Pao de Açucar, den Zuckerhut.

Bei Sonnenuntergang besonders schön: Der Zuckerhut, das zweite große Wahrzeichen Rios.

Mein Geheimtipp für einen unvergesslichen Abend auf dem Zuckerhut: An der obersten Station befindet sich in einer Ecke versteckt eine kleine Treppe, die hinunter zum Classico Beach Club Urca führt. Von den Touristenmassen unbehelligt kann man hier bei kühlen Caipirinhas den fantastischen Ausblick auf die Praia Vermelha und den Strand von Leme genießen. Besonders romantisch wird es hier nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die glitzernden Lichter Rios wie Sterne funkeln.

Rio bei Nacht: Wie funkelnde Sterne leuchten die Lichter der Stadt.

Parque Lage & Jardim Botanico: Mitten in der Stadt oder mitten im Urwald?

Rio de Janeiro liegt mitten im Atlantischen Regenwald, der Mata Atlântica. Outdoorfans kommen in Rio voll auf ihre Kosten: Echtes Dschungelflair mitten in der Großstadt! Die Floresta da Tijuca und der Parque Lage zum Beispiel sind nur zwei von vielen Möglichkeiten, die Natur Rios zu erkunden. Hier gibt es zahlreiche Wanderwege, vorbei an romantischen Wasserfällen und einer beeindruckenden Flora und Fauna.

Die wohl schönste Kunstakademie der Welt: Die Escola das Artes Visuais im Parque Lage am Fuße des Corcovado.

Lieblingsort: Im Plage Café im Parque Lage die Zeit vergessen.

Im Parque Lage in Rio de Janeiro fühlt man sich wie im tiefsten Dschungel.

Einer meiner absoluten Lieblingsplätze in Rio ist die Hochschule der bildenden Künste, die Escola de Artes Visuais, die sich im ehemaligen Herrenhaus des Parque Lage am Fuß des Corcovado befindet. Das Gebäude ist öffentlich zugänglich, im Erdgeschoss gibt es wechselnde Ausstellungen der Kunststudenten und im Atrium befindet sich ein lauschiges Café.

Affen sind in den Wäldern von Rio oft zu sehen.

Beeindruckend: Die riesigen Palmen im Jardim Botânico in Rio.

Anmerkung der Redaktion: Hier gibt es noch mehr Tipps zu Outdoor-Aktivitäten in Rio.

Ipanema, Copacabana & Leblon: Am Strand sind alle gleich

Die Strände Rios wie Ipanema, Copacabana oder Leblon gehören zu den wenigen Orten, an denen die große Kluft zwischen arm und reich weniger sichtbar ist. Der Strand gehört allen Cariocas und in Bikini oder Badehose ist jeder gleich. Wer sich als Tourist unauffällig untermischen will, nimmt nur wenig mit: Es reichen Havaianas (die brasilianischen Flip-Flops, die man an jeder Ecke kaufen kann), ein Shirt oder Strandkleid zum Überwerfen, ein bisschen Geld - mehr nicht! Brasilianer liegen ohnehin nur selten auf Handtüchern im Sand, Strandliegen sind wenig verbreitet. Stattdessen setzt man sich an eine der vielen Buden, die jeden Tag auf- und wieder abgebaut werden, in klapprige Stühle und lässt sich von den Budenbesitzern für den Rest des Tages mit kühlen Getränken und Häppchen versorgen. Es wird gelacht, gequatscht, Sport getrieben oder schönen Menschen hinterhergeschaut – und wer mutig genug ist, stürzt sich in die Fluten des Atlantik.

Tipp: Die It-Crowd trifft sich am Strand von Ipanema am Posto 9. Besonders schön wird es am späten Nachmittag: Auf der Landzunge Pedra do Arpoador kann man bei guter Sicht einen beeindruckenden Sonnenuntergang mit Blick auf Ipanema erleben!

Nicht ungefährlich: Hoher Wellengang am Strand von Ipanema.

Der Strand von Ipanema: Sehen und gesehen werden.

Praia do Secreto: Abenteuer vor den Toren Copacabanas

„Hey, schau mal hier!“ ruft mein Tourguide Carlos entrückt, „ist das nicht der Hammer? Diese hohen grünen Berge, direkt am Meer und dann darüber der strahlend blaue Himmel!“ Wir sind nur eine halbe Stunde Autofahrt vom Trubel im berühmten Stadtteil Copacabana entfernt und immer noch im Stadtgebiet von Rio de Janeiro. Kaum zu glauben, denn wir befinden uns mitten im Grünen, keine Menschenseele weit und breit. An einem rauen Küstenabschnitt, den nicht einmal eingefleischte Cariocas kennen, zeigt mir Carlos eine ganz andere Seite von Rio.

Aufgeregt springt er über die riesigen Felsformationen. „Kannst du mal ein Foto von mir machen?“ fragt er und posiert mit vor Stolz geschwellter Brust vor dem wirklich eindrucksvollen Panorama. Selten habe ich so einen begeisterten Tourguide erlebt. Fast scheint es, als würden wir für einen Moment die Rollen tauschen. „Rio hat einfach alles!" ruft er. Mit ausgebreiteten Armen scheint er die imposanten Berge umarmen zu wollen, voller Bewunderung, aber auch mit einer beeindruckenden Portion Lokalpatriotismus.

Hinter den Felsen tost das Meer: Die Praia do Secreto ist ein Spielplatz der Naturgewalten.

„Pass’ auf, tritt lieber da hin, sonst rutschst du aus“, weist Carlos mich an, als wir uns zur Praia do Secreto hinunterhangeln. Sicherheit auf seiner Tour, das ist ihm wichtig. Ich muss ein bisschen lachen, nach Sicherheit sieht sein Wanderoutfit nicht aus: Ein langärmeliges Shirt und darunter nur enge Speedos, wie sie in Rio gerne getragen werden, seine nackten Füße stecken lose in ausgelatschten Wanderschuhen ohne Schnürsenkel. Typisch Brasilianer, typisch Carioca, denkt meine deutsche Hirnhälfte. Und doch bin ich froh um seine Ortskenntnis: Alleine hätte ich mich die rutschige, steile Felswand niemals hinunter getraut. Unten angekommen, lasse ich mich vorsichtig in den natürlichen Pool gleiten, die starke Strömung zieht mich beinahe mit, von einer Seite peitscht die Brandung im hohen Bogen über die rauen Felsen. Über mir das Himmelsblau, hinter mir der Atlantische Regenwald, und ich strahle vor Glück. Rio hat einfach alles.

Brasilien kulinarisch erleben

  • Typisch brasilianisches Kaffeegedeck

Brasilianer lieben Kaffee! Meistens wird er schwarz mit Zucker getrunken, Spezialitäten wie Cappuccino oder Latte Macchiato sind eher untypisch. Im Sofa Café in Copacabana gibt es nicht nur traditionelle, frisch gebackene Käsebrötchen (Pão de Queijo), auch der Kaffee wird ganz klassisch am Tisch aufgebrüht. Übrigens: Obwohl salzig, wird Pão de Queijo zu jeder Tageszeit gerne zum Kaffee genascht.

  • Imbiss an der Rua do Lavradio

Das Cantinho do Senado ist eine der vielen typischen Lanchonetes, durchgehend geöffnete Bars mit kleiner Imbisskarte. Dort gibt es zum obligatorischen Chopp z.B. typische Petiscos (Appetizer) wie Pasteis. Die mit Krabben, Hackfleisch oder Käse gefüllten und frittierten Teigtaschen sind wie viele Gerichte der brasilianischen Küche zwar nichts für die schlanke Linie, aber trotzdem lecker.

Tipps zum Aufenthalt in Rio:

  • In Rio kommt man mit Englisch gut zurecht, besser als in anderen Teilen Brasiliens. Spanischkenntnisse sind von Vorteil, da sich die Sprachen sehr ähneln. Aber mit ein paar Wörtern Portugiesisch gewinnt man schnell die Herzen der aufgeschlossenen Cariocas!
  • Was wird in Brasilien gegessen? Brasilianische Küche ist schwer und fleischlastig, aber auch sehr variantenreich. Hier wird man tropische Gemüse- und Obstsorten kennen lernen, die hierzulande völlig unbekannt sind! Wer neugierig ist und viel probieren möchte, der ist in einem der vielen Self-Service-Restaurants gut beraten. Dort kann man sich an oft reichhaltigen Büffets bedienen, bezahlt wird dann nach Gewicht. Vegetarier sollten explizit nach vegetarischem Essen fragen, da „ohne Fleisch“ auch gerne mal als „ohne Rindfleisch“ interpretiert wird und man dann möglicherweise Hühnchen serviert bekommt.
  • Wie sicher ist Rio de Janeiro? Sicherheit ist leider ein wichtiges Thema in Rio de Janeiro. Durch höhere Polizeipräsenz in touristischen Gegenden ist die Zahl der Überfälle dort in den letzten Jahren zurückgegangen. Kleinkriminalität wie z.B. Taschen- oder Handydiebstahl ist jedoch immer noch weit verbreitet. Einfache Kleidung, keine Wertsachen am Körper und nur sehr bedachte Nutzung von Kameras und Handys auf offener Straße sind gute Tipps, um nicht in unerwünschte Situationen zu geraten. Verlassen kann man sich ebenfalls auf die vielen Ratschläge der legendär hilfsbereiten Cariocas: Oft bekommt man ungefragt Hinweise, aufzupassen oder bestimmte Gegenden zu meiden. Diese Tipps sollte man sich zu Herzen nehmen!
  • Abzuraten ist von eigenmächtigen Ausflügen in ärmere Viertel, den Favelas. Als Tourist fällt man sofort auf und ist ein gefundenes Fressen für zwielichtige Gestalten. Bei Neugier kann man sich geführten Touren anschliessen, mit deren Einnahmen z.T. auch Gemeinde-Projekte finanziert werden.
  • Wer braucht ein Visum für Brasilien? Für die Einreise nach Brasilien ist kein spezielles Visum nötig, mit einem deutschen bzw. EU-Pass darf man sich bis zu 90 Tagen im Land aufhalten.
  • Transportmittel in Rio: Um in Rio mobil zu sein, kannst Du auf eine Vielzahl an Transportmitteln zurückgreifen: Bus, Metro, reguläre Taxis, verschiedene Taxivermittler wie Uber und 99Pop, oder die neue Straßenbahn VLT, die den modernisierten Hafen mit dem Stadtzentrum und dem Fernbus-Bahnhof (Rodoviária) verbindet. Mit dem Linienbus zu fahren ist etwas abenteuerlich, da Fahrpläne bzw. Streckennetzpläne meist nicht zu finden und Bushaltestellen nicht immer klar beschildert sind. Tickets können im Bus gekauft werden, für VLT und Metro besorgt man sich am besten eine aufladbare sogenannte Riocard. Eine preiswerte Alternative sind Dienste wie Uber, der Platzhirsch unter den Taxi-Apps und mein Lieblings-Fortbewegungsmittel in Rio. Besonders abends oder bei Fahrten zu den Flughäfen Galeão oder Santos Dumont ist Uber aus Sicherheitsgründen empfehlenswerter als öffentliche Verkehrsmittel und sollte unbedingt vorgezogen werden. Eine 40-minütige Fahrt mit Uber vom Flughafen Galeåo bis nach Copacabana kostet ca. 40-50 Reais (10-12 Euro).

Koffer schon gepackt? Oder noch mehr Tipps? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

2 Kommentare

  1. Ich will nochmal nach Rio🥰🙋🏻‍♀️

    • Oh ja, Tatiana Artikel macht wirklich Lust auf die Stadt. 🙂
      Viel Spaß beim Reisepläne schmieden!
      Liebe Grüße
      Lisa von Travellers Insight