Redfern und Chippendale: Tour durch das hippe Sydney

Wer Sydney im Kopf hat, denkt an das Opera House, die Harbour Bridge und den berühmten Bondi Beach. Doch die Stadt bietet weitaus mehr als diese Attraktionen. Anne und Clemens sind mit dem Round The World Ticket der Star Alliance um die Welt gereist und waren fünf Tage in Sydney unterwegs, um die authentischsten Dinge der australischen Metropole zu finden. Hier sind ihre Highlights der Stadtteile Redfern und Chippendale.

Wer Sydney im Kopf hat, der denkt an das Opera House, an die Harbour Brücke und vielleicht auch noch an den berühmten Bondi Beach. Doch es gibt weitaus mehr, als die Top-Attraktionen, die es in jedes Fotoalbum schaffen. Wir waren fünf Tage in Sydney und der Umgebung unterwegs, um die authentischsten Dinge der Metropole zu finden. Damit meinen wir nicht das Känguru-Steak an der Ecke, sondern Shops, Restaurants, Straßen und Museen, die einfach typisch für Sydney sind – und vor allem authentisch und weniger touristisch. Das heißt, wir haben Orte mit Geschichte und einem gewissen Flair gesucht, Restaurants, die etwas ganz besonderes machen und dabei die australische Kultur integrieren und Menschen, die aus Sydney kommen, die vielen Veränderungen, die eine Großstadt so mit sich bringt, mitbekommen, aber trotzdem noch ihre kleinen Läden weiterführen.

Um dies zu finden, sind wir hauptsächlich in den Vierteln Chippendale und Redfern gelandet. Diese liegen südlich des Hafens, jedoch immer noch relativ weit im Norden von Sydney.

Tipp: Wer Redfern so erleben will, wie es sonst nur bei längeren Aufenthalten möglich ist, der sollte sich eine Tour bei Culture Scouts buchen. Das junge Unternehmen wird von zwei Sydneysidern betrieben und führt Touristen durch die Straßen von Chippendale und Redfern, um eben genau das zu zeigen, was wir gerade suchen – das, was das Authentische hinter den Fassaden von Sydney ist. Ganz nebenbei gibt es auch andere tolle Touren, die die Kunst oder aber die Geschichte von Sydney in den Mittelpunkt stellen.

Redfern: Damals und heute

Redfern war lange ein Ort, den weder die Einheimischen aus Sydney, noch die Touristen gern besucht haben. Es war ein Ort, der bekannt für Kriminalität und Unsicherheit war. Seit ein paar Jahren jedoch sieht es hier ganz anders aus. Jeher war Redfern das indigene Herz von Sydney. Der Ort, an dem viele Aboriginals lebten und an dem viel über die Geschichte von Australien gefunden werden konnte. Heute sind viele der Ureinwohner Australiens in andere Viertel von Sydney gezogen, doch die Geschichte und ihre Spuren sind geblieben. So findet man heute bei einem kleinen Spaziergang durch das Viertel etliche Graffitis, die kleine Anekdoten aus dem Leben der Aboriginals erzählen und viele Wandgemälde, die auf das heutige, teilweise noch nicht zu 100% vorhandene, Miteinander zwischen Aboriginals und Australiern eingehen.

Shoppen in Redfern – die besten Hipster Shops

Seasonal Concepts: Der Besitzer Ken hat sich mit seinem Laden Seasonal Concepts einen echten Traum erfüllt. Schon immer hat er es geliebt, alte Schätze zu finden und über Märkte zu stöbern. Mittlerweile hat er sich in der Hauptstraße von Redfern sein eigenes kleines Reich aufgebaut. Sein Laden ist ein Mix aus Blumenladen und Second Hand Shop, der es schafft, jeden Besucher in eine Welt zwischen Alice im Wunderland und The Great Gatsby zu katapultieren. Letzteres stimmt sogar, denn Kens Laden hat allerlei Dinge für den Dreh von The Great Gatsby an die Crew ausgeliehen. Kein Wunder also, dass sich hier eine Vase aus dem Jahr 1920 zwischen einem Zebra aus Südafrika und frischen Blumen aus Sydney befindet. Allein für ein Gespräch mit Ken, sollte der Laden auf jeder Liste von allen stehen, die nach Redfern kommen.

Chee Soon & Fitzgerald: Wenn sich ein Paar dazu entschließt, etwas zu machen, für das beide eine Leidenschaft teilen, dann kann das nur gut werden. Das haben sich auch die beiden Herren von Chee Soon & Fitzgerald gedacht und einen Laden aufgemacht, in dem sie Bezüge aller Art aus Stoffen aus aller Welt herstellen. Ob Schürzen aus Japan oder Teppiche aus Südafrika – die beiden kriegen aus jedem Stoff einen schönen Bezug hin. Erst vor Kurzem sind sie mit ihrem Laden vom überhippen, wie sie sagen, Surry Hills nach Redfern gezogen.

Hipster Cafés in Redfern

The Rabbit Hole Organic Tea Bar: Diese kleine Teestube wurde in einem alten Werkzeugladen errichtet. Dort, wo also vor etlichen Jahren noch Sägen, Hammer und Nägel verkauft wurden, hat man heute die Wahl aus über 25 verschiedenen Teesorten. Das Frühstück kommt dazu in Instagram-fähiger Darbietung – der perfekte Start in eine Tagestour von Redfern nach Chippendale.

Henry Lee’s: Dieses Café ist mehr ein Hinterhof, als ein echtes Café. Hier fühlt sich alles danach an, als würde man direkt draußen, unter der Sonne Sydneys sitzen. Ein guter Ort also, um zwischen den vielen Graffitis und den unzähligen Eindrücken des Viertels, eine kurze Pause einzulegen. Besonders zu empfehlen sind übrigens die Zimtschnecken.

Chippendale: Historische Klasse und neuartige Küche

Dieses hippe Viertel ist der südliche Zipfel von Sydneys Geschäftsviertel. Ein Viertel, das stetig dabei ist, sich weiterzuentwickeln und noch vielfältiger zu werden, als es eigentlich schon längst war. Noch vor ein paar Jahren war Chippendale wenig beliebt. Das lag vor allem daran, dass das alte Arbeiterviertel weit vom Strand entfernt liegt und, dass der Überschuss an Backsteingebäuden nicht wirklich zu dem zählt, was die Sydneysider mögen. Mittlerweile jedoch ziehen immer mehr Einheimische in dieses Viertel, da sich heute viele Cafés, Bars und vor allem hochrangige Restaurants hier angesiedelt haben. Dazu kommt, dass Chippendale zwischen dem geschäftigen CBD-Viertel, also dort, wo tagsüber Anzugmänner herumspazieren, und dem quirligen Chinatown mit all den unterschiedlichen asiatischen Restaurants liegt. Wir sind auf einem kulinarischen Spaziergang durch die vielen kleinen Seitenstraßen geschlendert und können jetzt stolz unsere liebsten Restaurants in Chippendale empfehlen.

Essen in Chippendale

Ester: Viele Plätze gibt es im Restaurant Ester in der Meagher Street in Chippendale nicht und die, die dort sind, sind schon besetzt, als wir an einem Dienstagabend in das Restaurant platzen. Hier scheint es also gut zu sein. Das Ester spezialisiert sich auf moderne, australische Küche. Das heißt so viel, dass viele der benutzten Zutaten direkt aus Australien stammen. Am besten lassen sich die Gerichte auf der Karte als Tapas essen, also so, dass sich alle am Tisch mehrere Gerichte teilen. Wir schlemmen uns durch frisch gegrillten Oktopus, gedünstetem Gemüse und enden mit rustikalem Schwein. Zum Dessert gibt es noch eine Menge Tipps für die Umgebung von der netten Bedienung – ein gelungener Abend!

Automata: Das Automata ist so minimalistisch gehalten, dass wir uns mit unseren farbigen Oberteilen schon fast ein wenig zu auffällig finden. Das Licht ist gedimmt, die Musik gut gemischt und die Küche am herumwuseln. Die ist übrigens auch das Herzstück des Restaurants, denn von jedem Tisch aus kann man gut erkennen, wie geübt und koordiniert die einzelnen Gerichte hier durch die Küche geschoben werden – und das hat auch einen guten Grund: Jeden Abend werden im Automata 5-6-Gänge-Menüs serviert. Kopf der Bande ist der australische Starkoch Clayton Well. Die Zutaten der Gerichte sind weniger minimalistisch als die Inneneinrichtung – ganz im Gegenteil. Ein Glück liegt die Karte durchgängig auf unserem Tisch, denn bei so vielen Gängen mit so vielen Extras kann man schnell den Überblick verlieren. Fazit: Sechs Gänge fühlen sich leichter an, als gedacht.

Schlafen im Hipster Viertel Chippendale

The Old Clare Hotel: Das Old Clare Hotel ist genau das, was Chippendale auszeichnet – rustikal, historisch, alt und doch hip. Das Hotel befindet sich in den Gebäuden einer Brauerei aus dem Jahre 1915 und eines Pubs aus dem Jahre 1930. Das Gute daran? Die neuen Besitzer haben es geschafft, den Charme beider Gebäude dank rustikalem Design zu erhalten. Im Herzen des Hotels befindet sich immer noch der ursprüngliche Pub mit seinen echten Fliesenwänden und alten Bandpostern von, zum Beispiel, den White Stripes. Auch das Publikum macht die Atmosphäre im Pub zu etwas Besonderem: Zwischen den Anzugmännern aus dem CBD, trinken Bauarbeiter in Neonwesten ihr Feierabend-Bier, während in der anderen Ecke eine Gruppe Studenten auf die letzte Klausur anstößt.

Auch sonst ist das Konzept des gesamten Hotels durchdacht – von der neuseeländischen Bodylotion im Bad, über das Frühstücksrestaurant mit den großen Fenstern, die perfekt zum morgendlichen Beobachten der vorbeigehenden Passanten dienen, bis hin zum Pool auf dem Dach, von dem man (fast) ganz Sydney sehen kann – oder zumindest Redfern und Chippendale.

So authentisch kann Sydney sein – ein Geständnis

11:00. Landung in Sydney. Völlig aufgeregt laufen wir aus dem Flughafengebäude heraus, in das Taxi rein und können es kaum erwarten, endlich wieder in der Stadt zu sein, in die wir uns schon vor Jahren verliebt haben. Sydney ist toll, das wissen wir. Umso toller ist es, dass wir endlich wieder hier sein dürfen. Unsere Sachen lassen wir im Hotel liegen, die Sonnenbrillen kommen auf den Kopf und los geht es an die Orte, die uns an unsere früheren Reisen nach Sydney erinnern – und hier kommt das Geständnis. Jede Stadt verändert sich in Windeseile – häufig sogar so, dass völlig unterschiedliche und vor allem weit voneinander entfernte Städte sich auf einmal ähneln. Dann folgt das Phänomen der Gentrifizierung, das auf einmal total unspannende Viertel zu hippen vierteln macht. Allerdings nur so lange, bis die nächste hippe Generation das zunächst noch super hippe Viertel total unhip findet. Sydney ist genau so eine Stadt. Eine Stadt, die von Jahr zu Jahr hipper und cooler wird, weil die Einheimischen und auch die Zugezogenen immer wieder neu auf der Suche nach dem Neuen sind. Deswegen sind eben gerade jetzt Chippendale und Redfern beliebt – noch vor Jahren war es unter anderem Surry Hills.

Abseits dieser Bewegung jedoch gibt es etwas, das das Reisen für uns besonders macht – kleine Rituale, die wir immer wieder an gewissen Orten durchführen. Für Clemens ist es die Fahrt auf den Tafelberg, drei Stunden vor dem eigentlichen Sonnenuntergang, nur um eine Stunde lang auf dem Lieblingsfelsen mit der besten Aussicht zu sitzen. Für Anne ist es der Gang zum Strand auf Bali, um den obligatorischen Sonnenuntergang am Lieblingsstand zu genießen. In Sydney war es für uns beide das Gleiche: ein Spaziergang entlang der Küstenpromenade von Bondi Beach nach Bronte und der, ja, sehr touristische, aber eben wunderschöne, Sonnenuntergang am Opera House.

Fazit also: Neben all den wunderbar modernen und spannenden Entwicklungen, die es in (fast) allen Städten der Welt gibt, ist das Schönste doch das, was eben bleibt – die Erinnerung an einen Moment, den man schon einmal vor vielen Jahren an dem gleichen Ort hatte. In diesem Sinne – bis bald Sydney, zum Sonnenuntergang an der Oper, zum Spaziergang in Bondi und ja, zu all den guten Gerichten in deinen modernen Restaurants, zum Bier im Pub nebenan und zu den Spuren deiner Geschichte, die man sicher immer finden wird. Cheers, mate.

Auf ihrer Reise durch Australien wurden Anne und Clemens unterstützt von:

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Koffer schon gepackt? Oder noch mehr Tipps? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

1 Kommentar

  1. Ein aussagekräftiger Satz: “ Schon seit Jahren haben wir uns in Sydney verliebt.“
    Möge es so bleiben – auch wenn sich Sydney verändert!