Neuseelands Nordinsel: Von Naturwundern und Hobbits

Mit dem Round The World Ticket der Star Alliance reisen Anne und Clemens um die Welt. Nach aufregenden Tagen zwischen Gletschern und Seen auf der neuseeländischen Südinsel erkundeten sie von Wellington aus Neuseelands Nordinsel. Hier erfahrt ihr über die Kultur der Maori, die Hobbits und wo die schönsten vulkanischen Quellen zu finden sind.

Langsam bewegten wir uns vorwärts. Das leichte Brummen aus dem Bauch unseres Gefährts nahmen wir kaum wahr, denn die Landschaft, die uns umgab, zog jegliche Aufmerksamkeit auf sich. Wir saßen auf der Interislander Fähre in Richtung Wellington und ließen damit die neuseeländische Südinsel so langsam hinter uns. Unser Wohnmobil stand sicher im Bug, unsere Augen waren fokussiert nach vorn gerichtet.

1. Etappe: Picton – Wellington

Wir hatten uns extra die vorletzte Fähre des Tages ausgesucht, um die ganz besondere Stimmung zum Sonnenuntergang mitzunehmen – und hatten damit alles richtig gemacht. Nach nur einer Stunde färbte sich der Himmel orange, die um uns liegenden Hügel wurden noch mystischer und grüner und die letzten Delfine sprangen noch ein letztes Mal aus dem Wasser in die Höhe. Neuseeland, du einzigartiges Naturwunder. Vor uns lag nun der Endspurt unseres Roadtrips und damit die fünf letzten Tage in Neuseeland, die wir auf der Nordinsel des Landes verbringen würden.

Nach 3,5 Stunden kamen wir in Wellington an. Eine Stadt, die für ihre große Musikszene und vor allem ihre Filmszene, die sich hier Wellywood nennt, bekannt ist. Der Herr der Ringe lässt grüßen. Wir hatten keine großen Pläne und mussten uns, um ehrlich zu sein, auch erst einmal an die vielen Autos und an das Stadtgefühl gewöhnen. Die letzten Tage hatten wir auf den verlassenen Straßen der Südinsel verbracht und standen dort selten an einer Ampel – und schon gar nicht im Stau.

Wirklich groß ist Wellington aber trotzdem nicht, und so konnten wir unser Wohnmobil getrost auf dem kostenlosen Park- und Übernachtungsplatz am Evans Bay Marina Car Park lassen. Zum ersten Mal nach einer langen Zeit und als kleine Belohnung für die einzigartigen Tage auf der neuseeländischen Südinsel wollten wir uns in Wellington ein Essen außerhalb des Campervans in The Chippery gönnen.

Neuseelands Nordinsel von oben erleben

Auch am nächsten Morgen haben wir unserem Wohnmobil eine Auszeit gegeben und sind mit dem Bus in die Innenstadt gefahren. Die beste Art und Weise, um sich erst einmal einen Überblick über Wellington zu verschaffen, ist der Blick von oben. Dafür sind wir mit der Wellington Cable Car, einer Standseilbahn, vom Zentrum der Stadt in den höher gelegenen Stadtteil Kelburn gefahren (Kosten: 7,50 NZD, ca. 4,80 Euro). Nach nur zehn Minuten lag Wellington dann wie ein Teppich vor uns: das schimmernde Wasser der Bucht auf der einen Seite, das pulsierende Leben im Zentrum und die vielen, kleinen Häuser in den Hügeln neben und hinter uns. Die Endstation der Cable Car ist direkt neben dem Botanischen Garten, so dass man den kleinen Ausflug mit einem entspannten Spaziergang durch die Grünanlage verbinden könnte.

Wir machten uns jedoch direkt wieder auf in die Stadt, um die Gegend rund um den Hafen und die Cafés und Restaurants in der berühmten Cuba Street kennenzulernen. Man sagt übrigens, dass Wellington pro Kopf mehr Bars und Restaurants besitzt als New York – los geht’s also. Wir starteten an der Wellington Waterfront und schlenderten bis hin zum Te Papa Tonga Tongarewa, dem Nationalmuseum Neuseelands. Von hier aus spazierten wir durch die recht kleine und überschaubare Innenstadt, die den Charme eines Fischerörtchens mit dem einer Kleinstadt verbindet. Unser Ziel: die Cuba Street, das Herz von Wellington und mittlerweile das junge Zentrum der Stadt.

Tipp: Das Mittagessen im Restaurant Olive lohnt sich nicht nur aufgrund der guten Qualität des Essens, sondern auch wegen der Location an sich, die mit der Terrasse im Innenhof direkt ein uriges Urlaubsgefühl vermittelt. Wer danach noch Platz für ein Dessert hat, der sollte den Käsekuchen im Café Espressoholic ausprobieren.

Distanz: 103 Kilometer

Übernachtungstipp: Park- und Übernachtungsplatz am Evans Bay Marina Car Park

2. Etappe: Wellington – Rotorua

Wir hatten ursprünglich den Plan, von Wellington aus zum Lake Taupo zu fahren. Der See ist der größte in Neuseeland und eine der besten Anlaufstellen für einen Fallschirmsprung in Neuseeland. Diesmal konzentrierten wir uns aber erst einmal auf die Natur und auf all das, was die Umgebung des Lake Taupos am Boden, und nicht in der Luft zu bieten hatte. Dafür sind wir direkt nach Rotorua gefahren. Die eigentlich recht kurze Strecke von nur knapp 82 Kilometern wurde aufgrund von Nebel, Nieselregen und kurvigen Serpentinen doch etwas länger als gedacht. Doch machte das nichts, denn der Blick auf die vernebelte Landschaft, die uns umgab, hat uns direkt in die vielen Szenen von Herr der Ringe geworfen. Wir entschieden uns dennoch für eine geringere Geschwindigkeit – und eine Übernachtungsmöglichkeit vor Rotorua. Auch das gehört zum Reisen durch Neuseeland dazu: spontane Entscheidungen, die manchmal zu einem längeren oder aber kürzeren Aufenthalt führen.

Unsere spontane Entscheidung lenkte uns entlang des wolkenverhangenen Lake Taupo und durch den völlig vernebelten Tongariro Nationalpark bis in das kleine Dörfchen Ohakune. Das 1001-Seelen-Örtchen war unsere Herberge für die Nacht – und die Notlösung für zu viel Regen und Nebel.

Unsere Unterkunft im Tongariro Nationalpark können wir nur empfehlen: Der Top 10 Holiday Park in Ohakune hat nicht nur eine Menge Stellplätze mit Strom, sondern auch eine super saubere Waschküche, moderne Toiletten und Duschen.

Vulkanische Quellen auf Neuseelands Nordinsel

Früh am Morgen starteten wir direkt in Richtung Rotorua, die Vulkan-Hauptstadt Neuseelands. Was das bedeutet? Hier befinden sich eine Menge vulkanischer Quellen, die nicht nur faszinierende Nebelschwaden produzieren, sondern auch einen gewöhnungsbedürftigen Geruch nach verfaulten Eiern bzw. Schwefel. Leider hatte der Regen nicht wirklich abgenommen, und so fuhren wir weiter durch die Herr der Ringe-Kulisse, die uns nur ab und zu einen Blick auf die Berge, die uns umgaben, bot. Unser erster Stopp war die Vulkananlage Wai-o-Tapu, bei der man die Wahl zwischen einem halbstündigen und einem einstündigen Spaziergang hat. Wir hatten uns wegen des Regens für die kürzere Variante entschieden und hatten die Anlage fast für uns alleine. Entspannt passierten wir die bunten Schwefelbecken, die mal in Neongelb, mal in Braun oder mal in einer ganzen Farbpalette strahlten, und überlegten uns einen Plan B für diesen verregneten Tag.

Das Outdoor-Land Neuseeland hat eine Menge zu bieten – Berge, Seen, Wanderungen, Fallschirmsprünge. Doch all das ist eben nicht möglich, wenn das Wetter nicht mitspielt. Wir ließen den Eier-Geruch erst einmal hinter uns und machten uns auf in das Zentrum von Rotorua. Ziel: der Polynesian Spa, eine Anlage, die aus mehreren vulkanischen Thermalbecken besteht. Alle Becken befinden sich im Freien und bieten einen wunderbaren Blick auf den Lake Rotorua, der sich direkt vor dem Spa befindet. Manchmal kann Regen eben doch schön sein. Nämlich dann, wenn es von oben leicht kühl auf den Kopf prasselt, der Körper aber vom 37 Grad warmen Wasser gewärmt wird.

Maori-Kultur entdecken: die Ureinwohner der Nordinsel

Tiefenentspannt verließen wir den Spa. Doch unser Regentag in Rotorua war noch nicht zu Ende: Vor uns lag ein Abend in Maori-Gesellschaft. Die Nordinsel Neuseelands ist das Zuhause vieler Maori, den Ureinwohnern Neuseelands, die im 13. Jahrhundert auf Kayaks von den umliegenden Pazifikinseln in Neuseeland angekommen sind. Man sagt, dass sieben Kayaks von den Südsee-Inseln, wie zum Beispiel Hawaii, den Cookinseln oder Fidschi, gestartet sind und sechs von ihnen auf der neuseeländischen Nordinsel gelandet sind. Nur ein Kayak fuhr weiter bis zur Südinsel. Genau aus diesem Grund leben heute mehr Maori auf der Nordinsel Neuseelands – und davon wiederum viele in der Gegend rund um Rotorua und Taupo. Kein Wunder also, dass es hier ein großes Angebot an Maori-Veranstaltungen gibt. Wir entschieden uns für den Abend im Tamaki Village – einem Maori-Dorf, das den Touristen jeden Abend eine echte Maori-Vorführung bietet. Natürlich ist dieses Programm sehr auf die Touristen zugeschnitten, dennoch hat es eine Menge Charme und Authentizität. Sei es die Stammesbegrüßung am Eingang, die kleine Einführung in die Maori-Kultur im hauseigenen Wald oder aber das Essen aus dem Erdofen – die Organisatoren wissen hier wirklich, wie sie die Besucher begeistern können. Und wenn es bis zum Essen nicht geklappt hat, dann hilft sicherlich der Gesang und Tanz am Ende.

Distanz: 452 Kilometer

Übernachtungstipp: Wir haben in Rotorua auf einem Top 10 Campingplatz geschlafen. Ein anderer guter Tipp, der beim Sparen helfen kann: Der Parkplatz vor dem Polynesian Spa verwandelt sich am Abend zu einem legalen und kostenlosen Stellplatz für Wohnmobile.

3. Etappe: Rotorua – Hobbiton – Auckland

Da war er nun, der letzte Tag unseres Roadtrips in Neuseeland, doch so wirklich glauben konnten wir es noch nicht. Zu sehr hatten wir uns schon an unser Wohnmobil und die vorbeiziehenden Landschaften gewöhnt. Genauso wie an unsere Kochabende im Wohnmobil und den morgendlichen Kaffee in der Wildnis. Doch ein kleines Highlight stand noch auf unserer Liste der Dinge, die wir unbedingt auf unserem Roadtrip durch Neuseeland machen wollten: ein Besuch des Dorfs Hobbiton, das aus den Tolkien-Filmen Herr der Ringe und Der kleine Hobbit mehr als bekannt war.

Schon der Weg dahin führte uns durch kleine verträumte Örtchen, die zwischen grünen Hügeln liegen und so unscheinbar wirkten, dass wir uns kaum vorstellen konnten, dass hier wirklich jemand wohnt. Hobbiton liegt perfekt zwischen Rotorua und der Hauptstadt Auckland und ist ein super Zwischenstopp für alle, die diese Route vor sich haben. Täglich werden in Hobbiton mehrere Touren angeboten, für die man sich direkt online Tickets kaufen kann oder aber einfach vor Ort schauen kann, bei welcher Tour ein Platz frei ist.

Mit dem Bus geht es dann von der Rezeption aus in Richtung Hobbiton, von wo aus dann die knapp einstündige Tour mit einem kurzen Stopp auf ein selbst gebrautes Bier beginnt. Verraten wollen wir hier nichts, denn die Gänsehautmomente in Hobbiton muss jeder für sich erleben, doch eins können wir sagen: Auch wenn diese Tour touristisch klingt und sicherlich ein Anlaufpunkt für viele Besucher ist, ist sie es ganz sicher wert.

Und dann war der Moment gekommen, in dem wir unser Wohnmobil Adam abgeben mussten. Die Abgabe bei Maui in Auckland erfolgte problemlos. So lange der Wagen, die Toilette und das Abwasser leer, sowie das Frischwasser aufgefüllt sind, ist der Wagen schneller als gedacht außer Reichweite.

Nach knapp 14 Tagen Roadtrip durch Neuseeland verließen wir das Maui-Gelände mit ein paar Tränen in den Augen. Selten hat uns ein Land so sehr fasziniert und uns ein solches Gefühl von Freiheit gegeben. Und so wischten wir uns die Tränen weg und dachten schon, mit einem letzten Blick auf Adam, an das nächste Neuseeland-Abenteuer, das wir mit mehr Zeit und weniger Plan sicher ganz bald umsetzen werden.

Distanz: 246 Kilometer

Auf ihrer Reise durch Neuseeland wurden Anne und Clemens unterstützt von:

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2 Kommentare

  1. Atemberaubende Landschaften. Ein sehr interessanter Artikel, da bekommt man gleich Lust, ans andere Ende der Welt zu fahren.

  2. Liebe Anett, wir fahren mit. Neuseeland liegt sowieso auf dem Weg ins Paradies.

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