Echsen, Seelöwen, turtelnde Tölpel: Die Galápagos-Inseln

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Jetzt werde ich doch etwas nervös. Galápagos könne man nur richtig auf einer Kreuzfahrt erleben. Sich in den Hafenorten der bewohnten Galápagos-Inseln einquartieren, da sähe man ja nichts, weder die atemberaubende Tierwelt noch die überwältigend schönen Strände, erklären die beiden Australier im Brustton der Überzeugung. Aber es gibt doch bestimmt haufenweise Agenturen, die Tagestouren anbieten? Und einiges lässt sich gewiss auf eigene Faust erkunden? Schulterzucken. Eher nicht, lautet die lapidare Antwort.

Da sitzen wir nun. Bei einer Schüssel Spaghetti Bolognese mitten in den ecuadorianischen Anden. Mit Hotelbuchungen und Flugtickets zu einem der großen Sehnsuchtsziele dieser Welt. Und sollten dort zu einem Platz in der zweiten Reihe verdammt sein? Das kann gar nicht sein. Ein paar Tage später und 1.000 Kilometer weiter westlich starten wir dann unser sechstägiges Insel-Hopping auf den Galapagos-Inseln. Und merken zum Glück schnell: Die Australier sind ganz schön auf dem Holzweg.

Santa Cruz: Von Puerto Ayora zur Tortuga Bay

Schnittig ist der Bus auf der schnurgeraden Straße vom Flughafen Richtung Süden nach Puerto Ayora unterwegs, der Hauptstadt von Santa Cruz, eine der vier bewohnten Galápagos-Inseln. Und das trotz der Warnschilder „Achtung Schildkröten“. Im grünen Hochland, in der Nähe der Lavatunnel, leben nämlich einige Tausend Galápagos-Riesenschildkröten. Von denen haben sich ein paar Exemplare im Grünstreifen am Straßenrand verirrt. Doch sie mümmeln lieber an den Grashalmen, als sich auch nur einen Millimeter Richtung Straße zu bewegen.

Hätte ich die Kontaktdaten der Australier, ich würde ihnen schreiben. Hey Jungs, kaum auf Santa Cruz gelandet, und schon haben wir die ersten Riesenschildkröten gesehen! Ich würde ihnen von der Uferpromenade in Puerto Ayora erzählen. Wo sich wie kleine Drachen aussehende Echsen mit Irokesenfrisur genüsslich auf Mauern lang strecken, unbehelligt vom Treiben um sie herum. Wo Seelöwen selig auf Bänken schlummern und Pelikane darauf warten, dass etwas von den fangfrischen Langusten für sie abfällt, die gerade am Boden abgespritzt werden.

Und dann dieser kilometerlange Traumstrand in der Tortuga Bay, den man nach einem Spaziergang durch einen Wald voller Opuntien erreicht. Das sind riesengroße Kakteen, die überall auf den Galápagos wachsen. Wie wundervoll es sich anfühlt, nach zwei Wochen in Wanderschuhen diesen samtweichen Sand unter den nackten Füßen zu spüren. Den lieben auch die schwarzen Meerechsen, die sich den Strand mit Spaziergängern und Surfern teilen. Träge liegen sie im Sand, meistens in Grüppchen, aneinander gekuschelt, um sich aufzuwärmen nach der Futtersuche im Meer. Dann taucht wie aus dem Nichts diese türkisgrüne Lagune auf. Playa Mansa, links und rechts begrenzt von Mangroven, in denen sich kleine Haie tummeln, wie mir die Kajakverleiherin erzählt. Und Meeresschildkröten, die der Tortuga Bay ihren Namen gegeben haben. Sie finden jedoch erst zum Abend hin ihren Weg an Land, bewegen sich dann langsam über den Strand Richtung Dünen zu ihren Nistplätzen.

Bay Tour Santa Cruz: „Liebeskanal“, Playa de los Perros und Las Grietas

Die erste Meeresschildkröte sichte ich auf einer halbtägigen „Bay Tour“. Nur ein paar Meter von unserem Boot entfernt streckt sie ihren Kopf aus dem Wasser, um nach Luft zu schnappen. Durch das klare Wasser erkennt man ihren Panzer und wie sie mit ihren kräftigen Beinen paddelt. Auf der Klippe des vorgelagerten Inselchens Lobería erspähen wir Dutzende Seelöwen. Am „Liebeskanal“ halten wir Ausschau nach Galápagos-Haien. Doch die haben sich offenbar zum Mittagsschläfchen in eine Höhle verzogen. Auch beim Schnorcheln zeigen sie sich nicht. Nach einer Stippvisite bei den roten Klippenkrabben und den Meerechsen am Playa de los Perros schließlich das Highlight der Bay Tour: Las Grietas. Das sind von Süß- und Salzwasser geflutete Brüche in der Lavakruste, die sich als mit dunkelblauem, funkelndem Wasser gefüllte Naturpools in einem Canyon entpuppen. Ein traumhafter Ort zum Abkühlen, den man übrigens auch mit dem Wassertaxi und nach einer kleinen Wanderung auf eigene Faust erreichen kann.

Blaue Füße, roter Bauch, gelbe Falten: die Stars von Seymour Norte

Und wie unrecht sie hatten, die Kreuzfahrt-Australier aus unserem Hostal in den Anden. In Puerto Ayora kann man sehr wohl Tagestouren zu anderen Inseln buchen. Eine der schönsten führt über den Playa Bacha im Norden von Santa Cruz nach Seymour Norte. Am Playa Bacha verbuddelt man seine Füße im Sand und guckt den Pelikanen zu. Wie sie steil Kurs auf die Wasseroberfläche nehmen. Wie sie mit ihrem riesigen Schnabel eintauchen, um sich einen der bunten Fische zu schnappen, die man selbst zuvor noch beim Schnorcheln bestaunt hat. An der Lagune hinter den Dünen sichtet man mit viel Glück Flamingos.

Hätte mir vor der Galápagos-Reise jemand gesagt, dass ich einmal Vogelbeobachtungen spannend finden würde, ich hätte abgewunken. Da war ich auch noch nicht auf Seymour Norte! Man mag ihnen stundenlang zuschauen, den weiß-braunen Vögeln mit dem bläulichen Schnabel. Wie sie auf ihren schlumpfblauen Füßen herumtapsen und anfangen zu tänzeln, sobald sich ein weibliches Wesen nähert. Und wie sie ihren Nachwuchs behutsam unter die Fittiche nehmen, um ihn vor dem frechen Fregattvogel zu schützen. Das ist der, der seinen Kehlkopfsack zu einem roten Ballon aufplustert, sobald sich eine potenzielle Flirtkandidatin nähert.

Zu diesem bühnenreifen Schauspiel mischen sich weitere Stars – Seelöwen und allen voran ockergelbe Landleguane. Deren mosaikartige Haut legt sich so in Falten, dass sie irgendwie wie ein zu groß geratener Pullunder aussieht. Mit den langen Krallen möchte man nicht in Berührung kommen. Doch die Echsen mit den kleinen Stacheln auf dem Rücken sind Vegetarier und klammern sich damit höchstens an den Kakteenblättern fest, um besser daran knabbern zu können.

San Cristóbal: Wo die Riesenschildkröten wohnen und Seelöwen in die Bar gehen

Von Santa Cruz aus hätte ich gerne noch eine weitere Tagestour gemacht, nach Bartolomé, dort gibt es nämlich Pinguine. Doch wir hatten schon unser Hostal auf San Cristóbal gebucht und das Ticket für das Schnellboot. San Cristóbal ist die östlichste der Galápagos-Inseln und angeblich die, die Charles Darwin vor fast 200 Jahren auf seiner Expedition als erstes erkundet hat.

Uns begrüßt ein Konzert aus Niesen, Husten, Quieken und einem Geräusch, das sich anhört, als hätte jemand etwas Schlechtes gegessen. Puerto Baquerizo Moreno, die Hafenstadt von San Cristóbal, ist fest in der Hand von Seelöwen. Zu Dutzenden bevölkern sie den Strand direkt am Malecón, den Playa d’Oro und den Playa Mann mit dem rot-weiß gestreiften Leuchtturm. Es wird einfach nicht langweilig, ihnen zuzusehen. Wie sie ihren Kopf in den Nacken legen, sich mit der Hinterflosse am Bauch kratzen und sich so verbiegen, als würden sie Yoga üben. Um dann wieder das zu tun, was sie am liebsten tun: sich an einen der Lavafelsen schmiegen und dabei so lange herumrutschen, bis sie eine bequeme Stellung zum Schlafen gefunden haben. Manchmal scheint ihnen auch langweilig zu sein. Dann tapsen sie die Uferpromenade entlang, um sich unter die Hocker an der Strandbartheke zurückzuziehen für das nächste Nickerchen.

Eine riesige Seelöwenkolonie findet sich auch am Strand La Loberiá, den man zu Fuß in einer halben Stunde erreicht. Vorbei an Seelöwen, die sich im Sand wälzen, bis sie vollends paniert sind und sich dann ins Wasser rollen, wandern wir zu den Klippen. Fast hätten wir die Leguane übersehen, so perfekt getarnt sitzen sie auf den Lavasteinen, hätte uns nicht einer der Burschen mit Fauchen und Spucken auf sich aufmerksam gemacht. Am höchsten Punkt der Klippe angelangt, der nächste „Wow“-Moment: Dutzende von Meeresschildkröten ganz nah unter der Wasseroberfläche, im Rhythmus der Wellen schaukelnd, darüber eine Schar elegant kreisender Vögel.

Wer sich von dieser Szenerie lösen kann, steigt noch in ein Taxi und fährt ins Hochland von San Cristóbal. Neben der Schildkrötenaufzuchtstation La Galapaguerra lohnt ein Abstecher zum Puderzuckerstrand Puerto Chino, Seelöwen-Spotting inklusive!

Mit Meeresschildkröten schnorcheln: 360-Grad-Tour San Cristóbal

Stürmisch ist es, als das Boot am Léon Dormido ankert – einer Felsformation, die von weitem aussieht wie ein schlafender Löwe. Das Wasser schwappt über uns zusammen, als wir uns über die Reling gleiten lassen. Keine perfekten Voraussetzungen zum Schnorcheln. Doch es sollte sich lohnen. „Tortuga, tortuga, abajo“, ruft unser Guide keine fünf Minuten später. Schildkrötenalarm. Nicht eine, nicht zwei, ein ganzes Dutzend dieser eleganten Riesen zähle ich. Wie anmutig sie unter mir dahin gleiten, fast schwebend. Momente, die sich für immer einbrennen werden …

Der Léon Dormido ist einer von fünf bis sechs Besucherplätzen, die auf der „360-Grad-Tour“ angesteuert werden, ein ganztägiger Schiffsausflug, bei dem man San Cristóbal einmal umrundet. Wir nähern uns Cerro Brujo, dem „Hexenberg“, an dessen Fuß sich eine weitläufige Bucht ausbreitet, mit Sand wie Puderzucker. Ein wunderbarer Ort zum Vögelbeobachten, genauso wie Punta Pitt, ein von ockerfarbenen Felswänden eingerahmter Strand, vor dem das Wasser in tiefstem Grün leuchtet.

Die See wird immer rauer, wie häufig in den Gewässern rund um die Vulkaninseln der Galápagos. Eigentlich möchte ich sofort aussteigen. Bis zum nächsten Stopp sind es noch anderthalb Stunden. Ein „wet landing“, wir waten durch das türkise, seichte Wasser zu einem der schönsten Strände, den ich je gesehen habe – die Rosa Blanca Bay. In der Lagune hinter der Düne kommen wir den Meeresschildkröten beim Schnorcheln noch näher als zuvor. Galápagos, was für ein Paradies, auch ohne Kreuzfahrt.

Zurück auf dem Boot, wird der Wellengang immer heftiger. Ich bin froh, dass ich an Land schlafen darf. Und irgendwie bin ich auch froh, dass der Ausflug auf die Isla Española am nächsten Tag schon ausgebucht war, obwohl dort noch mehr spektakuläre Strände und putzige Seelöwen warten.

Kreuzfahrt oder Inselhüpfen auf eigene Faust? Allgemeine Hinweise und Tipps für die Galápagos-Inseln

  • Galápagos-Kreuzfahrt oder Insel-Hopping – das ist zuallererst eine Frage des Geldes. Pro Kreuzfahrttag muss man selbst bei Last-Minute-Buchungen mit mindestens 250 US-Dollar rechnen. Bei Luxusschiffen und längerfristigen Buchungen blättert man schnell 800 bis 1.000 US-Dollar pro Tag hin. Angeboten werden in der Regel Kreuzfahrten mit vier, fünf oder acht Tagen. An- und Abreisetag zählen jeweils als voller Tag, man schifft nachmittags ein und verlässt das Schiff am letzten Tag morgens. Von einer viertägigen Kreuzfahrt bleiben damit letztlich zweieinhalb Tage. Kreuzfahrtschiffe dürfen pro Tag zwei Besucherplätze anfahren, dazu kommt vielleicht noch ein Stopp zum Schnorcheln. Das heißt, unendlich viele Plätze auf den 13 größeren Galápagos-Inseln, die auf Kreuzfahrten angesteuert werden, sieht man auch nicht. Außer, man bucht die 15-Tage-Variante und legt dafür den Preis eines Kleinwagens hin. Die großen Vorteile einer Kreuzfahrt sind, dass man auch entlegenere Inseln besuchen kann, da nachts gefahren wird und man sich die Zeit für die Organisation vor Ort spart.
  • Ein Schnäppchen ist Insel-Hopping auf eigene Faust ebenfalls nicht, aber weitaus günstiger als eine Kreuzfahrt, selbst wenn man geführte Touren macht. Für die halbtägige Bay Tour auf Santa Cruz habe ich 45 US-Dollar bezahlt, die Tagesausflüge haben 150 bzw. 160 US-Dollar gekostet.
  • Es gibt günstige Hostales, auf Santa Cruz haben wir im Hostal Crossman gewohnt, auf San Cristóbal im Hostal Cattleya.
  • Essen gehen ist auf den Galápagos-Inseln verhältnismäßig teuer: für ein Sandwich mit Pommes zahlt man 10 US-Dollar, für eine Pizza 25 US-Dollar. Viele Lokale bieten jedoch günstige Mittagsmenüs an. In Puerto Ayora kann ich das Il Guardino  empfehlen, leckeres Seafood gibt’s abends auf dem Streetfood-Markt in der Charles Binford Avenue. In Puerto Baquerizo Moreno lohnen das Nativo und das Mockingbird.
  • Der Flug Guayaquil – Galapagos – Guayaquil kostet etwa 350 Euro. Für die Immigration Card sind 20 US-Dollar fällig, für den Eintritt in den Galápagos-Nationalpark 100 US-Dollar.

2 Kommentare

  1. Sabine von Ferngeweht

    Ein schöner Beitrag – vielen Dank dafür! North Seymour war bei uns leider schon ausgebucht. Dafür waren wir vier Tage auf Isabela. Das war für mich die schönste Insel, wiel es dort so relaxt zugeht.

    • Freut mich, dass Dir der Beitrag gefällt <3. Seymour Norte war auf jeden Fall ein Highlight; tatsächlich scheinen viele Ausflüge rasch ausgebucht zu sein, wie wir dann ja auch bei der Isla Española gesehen haben. Isabela hätten wir auch sooo gerne noch gesehen, muss traumhaft sein!

      Liebe Grüße
      Alexandra

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