Ab in die Elternzeit! Die besten Tipps für eure Reise

Viele junge Eltern verbringen einen Teil ihrer Elternzeit im Urlaub und auf Reisen. Manche zieht es in dieser Zeit sogar ganz weit in die Ferne. Wir verraten euch die besten Tipps und Urlaubsziele für eure Elternzeit.

Manch einer sieht es kritisch, wenn junge Familien ihre Elternzeit in Reisezeit ummünzen und ein halbes Jahr lang unter Palmen überwintern. Denn eigentlich sei die Elternzeit dafür gedacht, dass frischgebackene Eltern viel Zeit für ihr Neugeborenes haben. Und Väter sollten die Mütter nach den Strapazen der Geburt und der Schwangerschaft entlasten und ihr die Möglichkeit geben, etwas auszuruhen.

Da ist schon was dran, aber seien wir ehrlich: Ist es entscheidend, wo und wie man seine Elternzeit verbringt? Die Hauptsache ist doch, dass das im Kreis der Familie geschieht. Schön nah und intensiv: Das geht in Castrop-Rauxel ebenso wie im Harz oder in Neuseeland – und gerade die Entspannung ist in der Ferne vielleicht größer als daheim.

Wenn man gemeinsam auf Reisen geht und dabei viel Zeit miteinander verbringt, dann stärkt das die Bindung. Das sieht auch Stefanie Schindler vom Familien-Reiseblog Adailytravelmate so: „Eins wissen wir nach unserem ersten Trip: Die Elternzeit muss man unbedingt nutzen. Und zwar als Familie, die zusammen in den Urlaub fährt. Der Grund war bei uns der: Wir haben zueinander gefunden, dieses Erlebnis hat uns ganz eng zusammengeschweißt.“

Und dann kommt ja noch hinzu, dass moderne Männer ihre Vaterrolle anders interpretieren als ihre eigenen Väter. Wer es normal findet, den Haushalt daheim zu schmeißen und das Baby zu wickeln, der tut das auch in der Ferne.

Der beste Zeitpunkt für die Reise

Grundsätzlich gilt: Gute Planung macht sich im Urlaub bezahlt. Und das gilt besonders dann, wenn ihr das erste Mal zu dritt (oder mit einem Neugeborenen und seinen Geschwistern) in den Urlaub fahrt. Egal übrigens, ob ihr nur ein paar Wochen oder viel länger auf Reisen geht.

Wie euer Baby reagiert, ob es zum Beispiel völlig entspannt ist oder eben nicht, wisst ihr als Eltern am besten. Trotzdem solltet ihr erst dann auf Tour gehen, wenn euer Kind kerngesund ist. Schaut also unbedingt vor der Reise beim Kinderarzt vorbei. Ein langer Trip mit einem Neugeborenen ist nicht empfehlenswert, denn in den ersten Wochen nach der Geburt stehen viele Untersuchungen an. Nutzt diese Zeit lieber, um euch in aller Ruhe aneinander zu gewöhnen. Und der Mutter tut ein bisschen Ruhe nach der Geburt sehr gut.

Im zweiten Lebensmonat kann man mal zur Oma fahren, weite Strecken solltet ihr dem Kind und euch aber immer noch nicht zumuten. Die nächsten beide Monate sind die ideale Zeit, um in den verdienten Urlaub zu fahren: Das Baby schläft viel und braucht wenig Unterhaltung. Wenn ihr zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat verreisen wollt, dann solltet ihr die Reise gut vorbereiten: Die Babys schlafen weniger, brauchen mehr Aufmerksamkeit und wollen sich mehr bewegen. Und all das steigert sich, je älter euer Kind wird.

Ziele für die Elternzeit in Deutschland

Ein kürzerer Urlaub in der Nähe bringt einige Vorteile mit sich. Vorsichtigere Eltern schätzen, dass sie schnell wieder nach Hause kommen, wenn das Wetter nicht passt oder das Baby nicht zur Ruhe kommt – und jederzeit ein Arzt in der Nähe ist, der die eigene Sprache spricht.

Im Schwarzwald, Allgäu oder am Alpenrand verbringt man wunderbare Ferien auf dem Bauernhof. Das geht auch an der Ost- und Nordsee auch, plus tolle Sandstrände und das Meer. Absteigen könnt ihr auf dem Campingplatz, in Hotels oder Ferienhäusern – ganz nach Budget und persönlichem Befinden. Eurem Baby ist es nämlich egal, wo es schläft, trinkt, gluckst oder schreit. Und Sorgen über unverträgliches Essen oder exotische Krankheiten braucht ihr euch im eigenen Land nicht zu machen.

Elternzeit im Süden von Europa

Wenn es euch nicht in unruhige Großstädte zieht, lässt sich die Elternzeit im Süden Europas entspannt am Meer oder im Hinterland verbringen. Italien und Kroatien könnt ihr noch gut mit dem Auto ansteuern. Praktisch: Viele Babys schlafen im Auto ein, sobald der Motor läuft. Das muss aber nicht so sein, wie Reisebloggerin Stefanie und ihr Mann seit ihrer Tour quer durch Europa wissen: „Das war ganz anders als wir dachten! Weil wir immer nur gehört hatten, wie sehr Babys das Autofahren lieben, haben wir schon vor der Geburt einen Campingbulli gemietet. Und in dem sind wir dann auch vom Gardasee über die Toskana und Cinque Terre nach Elba und anschließend weiter an die Côte d’Azur, die Carmague und an die Ardèche gefahren. Nur, dass unser Baby die Autofahrten hasste!“

Trotzdem war ihr Sechs-Wochen-Roadtrip fantastisch. „Das war eine Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte. Natürlich war es auch anstrengend manchmal. Ein Baby zu haben, ist ja auf jeden Fall eine Umstellung, die dich ab und zu schon herausfordert. Warum sollte das auf einer Reise mit dem Baby anders sein?“, so Stefanie.

Bei Griechenland und Spanien ist die Anreise im Auto schon mühsamer. Hier solltet ihr das Flugzeug nehmen, das erspart euch nicht enden wollende Fahrten im Auto oder auf der Fähre. „Manche Babys fliegen gern, schlafen den ganzen Flug über und meckern höchstens mal, wenn sie hungrig sind. Und nach dem Stillen schlafen sie sofort wieder ein“, sagt Stefanie von Adailytravelmate. „Aber weil alle Babys anders sind, gibt es dafür keine Garantie! Wir sind mit unserem Weltreisebaby zum Beispiel in seinem ersten Lebensjahr gar nicht geflogen, das hätte ich mir einfach nicht zugetraut. Danach war’s aber ziemlich entspannt im Flieger.“

Elternzeit in der Ferne

Mit dem Baby nach Australien oder nach Amerika zu fliegen, ist nur dann entspannt, wenn euer Kind weder zahnt noch von starken Verdauungsproblemen geplagt ist. Der Flug nach Vancouver zum Beispiel dauert elfeinhalb Stunden – das ist selbst manchem Erwachsenen zu lang!

Doch wenn euer Baby gesund ist, dann spricht überhaupt nichts dagegen, schon bald mit ihm in den Urlaub zu fliegen. Aber: Die meisten Fluggesellschaften empfehlen, erst dann zu reisen, wenn das Kind mindestens eine – oder besser noch – zwei Wochen alt ist. Ihr solltet immer daran denken, dass man mit älteren Kindern leichter reist als mit ganz jungen. Und wenn das Baby dann im Flugzeug weint? „Ich denke, das Flugzeugpersonal ist da recht gelassen. Weinende oder schreiende Babys gibt es bestimmt öfters mal. Tja, und die anderen Passagiere: Nicht unter Druck setzen lassen und keine Diskussion anfangen. Das gilt immer, nicht nur im Flugzeug“, sagt Stefanie.

Neuseeland, Thailand, USA und Kanada

Klar, bis nach Neuseeland ist es weit (und ganz billig ist es auch nicht), weshalb ihr mehr Zeit im Handgepäck mitbringen solltet. Dafür aber ist es dort einfach wunderschön. Und: Anders als in Australien gibt es hier keine gefährlichen Tiere. Am besten erkundet man Neuseeland bei einer Reise mit Baby im gemieteten Campingbus oder Wohnmobil.

Thailand ist ein sehr beliebtes Urlaubsziel und zwar nicht nur für normale Urlauber. Auch Eltern mit kleinen Kindern sind mit dem Ziel Thailand auf der sicheren Seite. Das liegt zum einen daran, dass es dort eine gute touristische Infrastruktur gibt. Und zum anderen ist die medizinische Versorgung in Thailand, vor allem in den großen Städten, ebenfalls gut. Besonders die Ziele am Meer mit ihren Stränden sind ein Paradies für die ganze Familie.

Auch die USA und Kanada sind bevorzugte Reiseziele für Familien in Elternzeit. Kein Wunder, denn diese riesigen Länder haben so ziemlich alles zu bieten: weite und menschenleere Landschaften, Berge, Sandstrände und viele interessante Metropolen, in denen viel Trubel herrscht. Am besten entdeckt man die USA und Kanada im Wohnmobil.

Richtig planen: 10 Tipps vor der Reise

Egal, welches Ziel ihr ins Visier nehmt: Ihr solltet eure Reise auf jeden Fall fertig geplant haben, bevor das Baby da ist. Denn danach habt ihr dazu garantiert keine Zeit mehr. Als ihr Kind ein Jahr alt war, ist Stefanie zum ersten mal mit Mann und Kind in den Urlaub geflogen. Mit dabei hatte sie immer einen Rucksack. „Da waren Windeln, Feuchttücher, eine Wickelunterlage, Snacks, warme Socken, Wechselkleidung, eine Mütze und Spielzeug drin. Im Flieger kommt man so schnell an alles dran. Und laufen kannst du damit eh am besten: vorne trägst du das Kind, hinten den Rucksack. Praktisch finde ich auch, dass man den Rucksack auch im Urlaub nutzen kann – so minimiert man sein Gepäck!“

Zu einer guten Vorbereitung gehört:

  1. ein Kinderarztbesuch, bei dem abgeklärt wird, ob euer Kind reisefähig ist und welche Impfungen es braucht
  2. eine gut gefüllte Reiseapotheke
  3. Windeln und Feuchttücher nicht vergessen
  4. Reisepässe und Visa besorgen
  5. eine gute Auslandskrankenversicherung abschließen
  6. einen eigenen Platz fürs Baby direkt mit der Airline organisieren
  7. abklären, ob es Kindersitze/Babyschalen im Flieger gibt
  8. an den Druckausgleich bei Start und Landung zu denken: Schnuller, Fläschchen und Gummibärchen für die älteren Kids sind hier erste Wahl
  9. Spielzeug für die älteren Kids griffbereit zu halten
  10. einen Mietwagen buchen

Das Wichtigste zu Elternzeit und Elterngeld

Mit der Elternzeit kann die Erwerbstätigkeit vorübergehend unterbrochen werden, es besteht besonderer Kündigungsschutz. Egal, ob Mutter oder Vater: Beide Eltern haben Recht auf Elternzeit bis ihr Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat. Beide können gleichzeitig bis zu drei Jahre Elternzeit in Anspruch nehmen. Für diesen Zeitraum können sie entweder in Teilzeit bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten oder auch vollkommen freigestellt werden. Das Arbeitsverhältnis bleibt währenddessen bestehen und nach Ablauf der Elternzeit besteht ein Anspruch auf Rückkehr zur früheren Arbeitszeit.

Die Elternzeit könnt ihr also bis zu drei Jahre nehmen – und zwar jedes Elternteil. Anders sieht es mit dem Elterngeld aus, auf das jeder Anspruch hat, der in Elternzeit geht. Mit dem Elterngeld könnt ihr euer Einkommen ausgleichen, das euch nicht zur Verfügung steht, wenn ihr euer Kind nach der Geburt betreut. Der Staat zahlt das Elterngeld ab der Geburt bis zu zwölf Monate für ein Elternteil und bis bis zu 14 Monate, wenn auch das andere Elternteil mindestens zwei Monate von der Elternzeit Gebrauch macht. Dafür können die Eltern die 14 Monate frei untereinander aufteilen. Die Höhe des Elterngeldes beträgt 65 bis 100 Prozent des ausbleibenden Einkommens – je nach Höhe des vorherigen Verdienstes. Eltern mit höheren Einkommen erhalten 65 Prozent, Eltern mit niedrigeren Einkommen bis zu 100 Prozent dieses Voreinkommens.

Weitere Informationen zu Elternzeit und Elterngeld findet Ihr beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Bildnachweise:
Aufmacher: miljko – iStock
Baby lernt Laufen am Strand
: Orbon Alija – iStock
Baby im Apfelkorb: FamVeld – iStock
Baby im Buggy: Barbara Gimpel
Mutter mit Baby im Flugzeug: ArtMarie – iStock
Familie mit Wohnmobil: StefaNikolic – iStock

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