Die einsamen Badebuchten von Karpathos

Karpathos, die felsige Insel zwischen Rhodos und Kreta ist nicht groß und hat trotzdem unglaublich viel zu entdecken. Unsere Bloggerin Madlen hat die griechische Insel erlebt.

Nicht einmal zwei Wochen würden ausreichen, um alle Strände von Karpathos zu sehen, erzählt mir der Besitzer des Kafe Skopi und lacht laut. Ich habe nur eine Woche, um die felsige Insel zwischen Rhodos und Kreta zu erkunden. Dabei ist Karpathos nicht einmal groß. Aber in den zerklüfteten Berghängen findet man viele einsame Buchten, die in einer faszinierenden Kulisse zum Baden einladen. Ápella wurde sogar zum schönsten Strand Europas 2013 gekürt.

Auf dem Weg nach Acháta und Ápella

Hinter Pigádia nimmt die asphaltierte Straße die beständige Form von Serpentinen an. Rechts lockt die Aussicht über wunderschöne Buchten, links auf die Berge. Durch ein traumhaftes Tal mit Pinienwäldern, Olivenhainen und Oleanderbüschen führt die Straße von Apéri nach Acháta hinab. An einer kleinen, weißen Kapelle halte ich an, um einen Blick auf den Strand zu werfen. Dort genießen die Badegäste auf den ordentlich aufgereihten Liegestühlen unter den schützenden Schirmen ein Sonnenbad. Meine Füße tasten sich kurz darauf durch den groben Kies zum Meer vor. In das kristallklare Wasser geht kaum jemand ohne Schnorchel und Maske. Nachdem auch ich mich erfrischt habe, setze ich meine Fahrt in den Norden fort.

Atemberaubend sind hier nicht nur die Kurven, sondern das, was sich in den Lücken zwischen Büschen und Kiefernwäldern am Wegesrand auftut. Eine Bucht liegt schöner von schroffen Felsen umschlungen, als die andere. Auf dem Türkis strahlenden Wasser dümpeln Boote. Wo der Strand besonders weiß leuchtet und jede Liege belegt ist, befindet sich die Ápella-Bucht – das häufigste Postkartenmotiv der Insel.

Einsame Kieselstrände im wilden Inselnorden

Die ersten Tage verbringe ich abseits der Touristenhotspots im kleinen Fischerdorf Diafáni. Geschäftig wird es nur, wenn die Ausflugsboote aus dem Süden Tagesgäste für eine Weiterfahrt nach Ólympos bringen. Vor den Tavernen sitzen die Einheimischen und trinken einen Frappé. Eine halbe Stunde nördlich vom Ort liegt die Vanánda-Bucht. Eine kleine Wanderung durch Wälder und Olivenhaine, bei der ich sogar eine Mönchsrobbe im Meer erblicke, führt mich an den Kieselstrand. Nur eine Handvoll Touristen sonnt sich hier auf ihren Tüchern. Ein kleiner Brunnen rauscht im Gebüsch, auf dem Hügel strahlt eine Kapelle, aus der Weihrauchduft dringt.

Südlich von Diafáni liegen von Felsen eingerahmte Badebuchten, die meist nur mit Boot, Geländewagen oder zu Fuß erreichbar sind. Ich nehme den Küstenwanderweg vorbei an den Stränden Kambí und Fokái zur einsamen Papás Minás Bucht. Eingerahmt wird der Kieselstrand von schattenspendenden Tamarisken.

Ausflug an die Badebuchten der unbewohnten Insel Saría

An unserem Kaíki, wie man die Boote hier nennt, zieht die Nordküste von Karpathos vorbei. Schroffe Felswände, die keinen Platz mehr für Badebuchten lassen. Unser Kapitän George Protopapas von Captain Manolis Boot steuert das Kaíki in eine Höhle. Wir sind vom Lichteinfall so begeistert, dass wir in das glasklare Wasser springen.

Die Meerenge Stenó trennt Karpathos vom 16 qkm großen Eiland Saría. 110 m liegen zwischen den Inseln. Die Zeiten, als Bauern hier Landwirtschaft betrieben, und ihre Tiere an Leinen durch das Wasser zogen, sind längst vorbei. Dennoch findet man noch wenige Ziegen am Strand Ta Palátia, den wir als erstes ansteuern.

Felsformationen liegen vorgelagert im türkisfarbenen Meer. Hausruinen von syrischen Piraten schmiegen sich verstreut an den Hang.

Nicht weit vom Strand liegt eine weitere Höhle in der Felswand. Diese durchschnorcheln wir und genießen dabei den Blick in die tiefe Schlucht unter uns. Anschließend steuern wir die einsame Alimoúnta-Bucht an, die ein Robinson-Crusoe-Gefühl vermittelt.

Weiße Sandstrände von Lefkos im Urlaubsparadies und ein Geheimtipp

Auf meine Frage nach den besten Stränden der Insel fällt fast immer der Name Lefkós. Nicht umsonst zieht dieser Badeort großes touristisches Interesse auf sich. Sandstrände zieren die Landzunge, an der Lefkós liegt. Vor allem am beliebten Dorfstrand Gialoú Chórafi mit Blick auf den Fischerhafen und Tavernen stehen Liegen und Schirme dicht aneinandergedrängt. Doch auf der anderen Seite der Landzunge befinden sich noch die Sandstrände Limáni Panagia und Frangolimiónas, die wesentlich luftiger und einladender auf mich wirken.

Auf dem Weg von Lefkós nach Arkássa bieten sich weitere Bademöglichkeiten, die aus meiner Sicht einen Besuch lohnen. Eine davon liegt 15 Minuten zu Fuß vom The Pine Tree Restaurant entfernt, wo man sehr lecker essen kann. Blaue Markierungen navigieren mich an den Klippen entlang zur versteckten Chándakas-Bucht. Die letzten Meter führen auf einer Leiter vom Felsen herab in die menschenleere Bucht. Das Meer schwappt mit Gewalt in die enge Spalte, die mit hellem Kies gefüllt ist.

Atemberaubende Sonnenuntergänge in Arkássa und Umgebung

Von Arkássa aus erkunde ich die Strände im Süden der Insel. Im Schatten des mächtigen Paleókastro-Felsen, auf dem sich einst eine Festung befand, liegt der geschäftige Sandstrand Ágios Nikólaos. Abends lernen hier Surfschüler das Wellenreiten, tagsüber sieht man Eltern und Kinder beim Wellenhüpfen. Sonnenuntergänge in der dramatischen Felskulisse mit Blick auf die vorgelagerte Insel Kássos kann man von der Strandbar Karpassion bei einem Drink genießen oder beim Abendessen in der Tavérna Gláros.

Wer es etwas abgeschiedener mag, der sollte 4 km weiter ans Kap Ágios Theódoros fahren. Unterhalb von Taverne und Kapelle liegt der ruhige Ágios Theódoros Strand in einer Bucht versteckt. Auf dem Weg ans Kap weist ein Schild zur Doppelbucht Aráki. Die erste Bucht hinter den weißen Häusern ist einsamer, wilder und naturbelassen. Die andere Bucht ist durch den Komfort von Schirmen und Liegen etwas besser besucht. Zu beiden führen steile Wege hinab.

Das Surfparadies im Süden der Insel

Hinter den zwei Landepisten des Flughafens führt mich ein Schild an die Strände von Michalioú Kipos. Der „Garten des Michael“ gibt am Ende des Stichwegs erneut den Blick auf wunderschöne Badebuchten mit Liegen und Sonnenschirmen frei. Nur der tosende Meltemi, wie der ägäische Sommerwind genannt wird, mag manch einen Badegast stören.

Von hier nehme ich später die asphaltierte Straße bis zu ihrem Ende, wo Wohnmobile den Weg verengen. Auf dem Meer gleiten Riggs und Kites im Wind. Der Strand von Agrilaopótamos ist übersät mit Surfutensilien. Karpathos ist ein Paradies für Surfer. Schließlich gilt Afiártis als windsicherstes Gebiet Europas und trägt regelmäßige internationale Surfwettbewerbe aus.

Verglichen zu seinen bekannten griechischen Nachbarinseln ist Karpathos mit seinen naturbelassenen, authentischen und ruhigen Stränden noch ein weitestgehend unentdeckter Juwel in der Ägäis.

Allgemeine Hinweise und Tipps für Karpathos

  • Die beste Reisezeit für einen Badeurlaub auf Karpathos ist von Mitte Mai bis Mitte Oktober, die kühlen Wintermonate sind eher regnerisch und weniger zu empfehlen.
  • Sandstrände liegen vornehmlich im Westen und Süden der Insel, Kieselstrände hingegen im Osten. Anstatt lange Sandstrände zeichnen die Insel kleine Badebuchten aus.
  • Badebuchten abseits der Dorfstrände erreicht man am besten mit Boot, Auto (Allrad von Vorteil) oder Mofa, die man in den Hauptorten mieten kann.
  • Für Aktive ist Agrilaopótamos mit seiner Kitesurfschule der richtige Ort. Hier ist auch Camping erlaubt.

 

Die Reise wurde mit freundlicher Unterstützung von Germania ermöglicht.

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