Portugals Zentrum: Surfen in Peniche und Nazare

Lissabon und die Algarve stehen bei vielen Reisenden hoch im Kurs. Doch das Zentrum Portugals zwischen Lissabon und Porto wartet noch mit vielen unentdeckten Perlen, leeren Traumstränden und Weltklassewellen auf. Unsere Reisebloggerin Anja Knorr war eine Woche im Centro de Portugal und hat als passionierte Surferin ihre Liste der besten Surfspots für Euch zusammengetragen.

Am 1. November 2011 gelang dem hawaiianischen Surfer Garrett McNamara das Unglaubliche: Er surfte auf einer riesigen, über zwanzig Meter hohen Welle vor dem Strand Praia do Norte in Nazaré. Das brachte ihm in jenem Jahr nicht nur einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ein, sondern machte die Wellen von Nazaré auf einen Schlag weltbekannt.

Als ich mich vor Ort jedoch mit einigen alteingesessenen Surfern unterhalte, wird schnell klar, dass man in Nazaré gar nicht so gut auf ihn zu sprechen ist. Lange vor McNamara surften sie die Wellen in Nazaré – wenn auch nicht im Winter mit den größten Wellen der Erde. Und wie das so ist bei Surfern, waren sie froh, dass sie die Wellen nicht mit einer Million anderer Surfern teilen mussten.

Im Jahr 2010 folgte McNamara allerdings der Einladung der portugiesischen Surf Association und beansprucht seitdem die Entdeckung Nazarés für sich. Ob es sich um cleveres Marketing oder Localism handelt, ist den meisten Normalsterblichen egal– mittlerweile kennt jeder die wagemutigen Surfer, die verrückt genug sind, sich von einem Jetski in Wellen ziehen zu lassen, die so hoch wie ein zehnstöckiges Haus sein können.

Das Zentrum Portugals hat allerdings auch für Normalos und Anfänger viele tolle Wellen zu bieten. Peniche und Baleal lassen die Herzen aller Surfer höherschlagen, aber Santa Cruz und Figueira da Foz sind echte Perlen für Ruhesuchende und Puristen unter den Surfern.

Die legendären Wellen von Nazaré

Naza – so nennen Surfer das idyllische Dorf Nazaré – ist wohl den meisten ein Begriff: Mit mehr als dreißig Metern Höhe laufen die höchsten Wellen der Welt am legendären Praia do Norte auf. Sie haben das Schicksal des malerischen und ehemals verschlafenen Fischerdorfes für immer verändert. Big Wave Surfer aus aller Welt verbringen im Ort zum Teil viele Monate, um sich auf den Wahnsinn vorzubereiten. Schließlich ist ein Ritt über derartig hohe Wellen immer das Ergebnis jahrelangen Trainings und viel Geduld. Für Laien und Ungeübte wäre so ein Wagnis das reine Selbstmordkommando.

Trotzdem ist Nazaré völlig auf Surfer ausgerichtet und in meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viele Campervans, VW Bullis und blondierte Haare auf einem Haufen gesehen. Sie alle wollen einen Blick auf die Wellen am Praia do Norte erhaschen. Am besten gelingt das vom Fort S. Miguel Arcanjo in Sítio, der höchsten Erhebung im Ort. Ein Weg führt von der hübschen Wallfahrtskirche an den Klippen hinab zum Fort und ich dränge mich mit vielen anderen Schaulustigen an den Klippen, um ein Blick auf den Praia do Norte zu erhaschen. Doch an einem sonnigen Septembernachmittag sieht das Meer hier wunderbar einladend und ruhig aus. Ich entschließe mich also, die Surfer Wall im Fort zu besuchen, um mehr über die Welt der Big Wave Surfer in Nazaré zu lernen.

Die Surfer Wall

Früher wurden im Fort von der Marinepolizei konfiszierte Fischernetze gelagert, heutzutage hängen an der Surfer Wall die Surfbretter fast aller Surfer, die sich in die Wellen an der Praia do Norte gewagt haben – von McNamara über den Deutschen Sebastian Steudtner bis hin zu Maya Gabeira, der Frau, die die höchste je von Frauen gesurfte Welle abgefahren ist. Es ist etwas dunkel hinter den dicken Mauern des alten Forts, trotzdem herrscht mystische Stimmung im Raum. Die mutigen Surfer werden hier verehrt wie Heilige. Ich frage mich, ob moderne Big Wave Surfer moderne Gladiatoren sind, immerhin zeigen sie uns Normalsterblichen auf, dass es praktisch keine Grenzen zum Unmöglichen gibt.

Im Fort befindet sich auch eine Art Surfmuseum zum Spot, in dem ich lerne, warum die Wellen gerade in Nazaré derart gewaltig und in schöner Regelmäßigkeit an die Küste donnern: Direkt vor der Küste liegt ein unteririscher Canyon, der durch seine gewaltigen Ausmaße von rund fünf Kilometer Tiefe und 200 Kilometer Länge die imposanten Wellen auslöst.

Bekanntes Peniche

Als Soul Surfer zieht es mich seit mehr als zehn Jahren tendenziell eher in kleinere Wellen, deswegen freue mich auf einen Stopp in Peniche, einem der besten Surfgebiete Portugals, wenn nicht Europas. An den nah beieinander gelegenen Nord- und Südküsten der Halbinsel herrschen unabhängig von der Windrichtung immer hervorragende Surfbedingungen. Mehr als zwanzig Orte an der fünfzehn Kilometer langen Küste laden Surfer aller Level zum Wellenreiten ein.

Da wäre zum einem Supertubos am Strand von Peniche, der viel zur Legendenbildung Portugals als Traumziel aller Wellenreiter beigetragen hat. Die perfekten röhrenförmigen Wellen am Strand von Medão locken Surfer aus aller Welt an, gilt doch barreling als der Traum aller Surfer. Ein bisschen Vorsicht ist dabei geboten, da die kräftigen Wellen einen unheimlichen Sog ausüben. Nicht ganz so geübte Surfer bewundern die Profis lieber aus sicherer Entfernung vom Strand. Im Oktober finden dort übrigens die legendären Meo Rip Curl Pros als Teil der ASP World Tour statt.

Am Strand von Medão fielen mir öffentliche Aschenbecher auf, an denen Raucher ihre Zigaretten lassen können. An den Stränden von Portugal soll das Liegenlassen von Kippen als erstes Land in der EU unter Strafe gestellt werden. Jedes Jahr bleiben weltweit Tonnen an Müll an den Stränden zurück, die das sensible Ökosystem der Meere aus dem Gleichgewicht bringen. Die Zersetzung von Zigaretten kann bis zu zehn Jahren dauern. Dabei werden mehr als 4000 chemische Substanzen freigesetzt, die in die Umwelt gelangen und schädliche Auswirkungen auf Tiere und Menschen haben.

Baleal für Anfänger

Am anderen Ende von Peniche fängt Baleal mit seinen so verheißungsvoll klingenden Surfspots wie Cantinho da Baia und Meio da Baia an. Baleal hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Urlaubsort mit einem in Europa fast unerreichten Wassersportpotential entwickelt. Durch seine geschützte Bucht, dem weitläufigen Strand und der nach beiden Himmelsrichtungen vorgelagerte Insel finden Wassersportler aller Art an nahezu allen Tagen im Jahr perfekte Bedingungen.

Allerdings erlebte der Ort in den letzten Jahren einen nie dagewesenen Boom und überall sprießen neue Betonklötzer und Surfcamps aus dem Boden. Ruhe und leere Wellen suche ich in der Bucht vergebens – zumindest tagsüber.

Dafür sind die blutroten Sonnenuntergänge am endlosen Strand umwerfend und bis auf ein paar Fußball spielenden Jungs bin ich ganz allein mit meinen Gedanken und genieße das Naturspektakel.

Kultur und Geschichte in Peniche

Weil ich wissen möchte, wie Peniche vor dem allgegenwärtigen Run auf Portugal ausgesehen hat, entscheide ich mich für einen Spaziergang durch den alten, von Mauern umgebene Teil der Stadt, der in starkem Kontrast zur aufstrebenden Entwicklung ringsum steht.

Der Ort wird vom beeindruckenden Fortaleza aus dem 16. Jahrhundert dominiert, das noch in den 1970er Jahren vom Militär genutzt wurde. Heute beherbergt das Fort das städtische Museum und eine „Nucleo-Resistencia“, die Zeugnisse aus der Zeit der 1950er Jahre enthält, als das Fort vom Diktator Salazar als Gefängnis für politische Dissidenten genutzt wurde.

Übernachtung in Baleal im Surfcamp: Ride Surf Resort & Spa

Geheimtipp Praia de Santa Cruz

Der kilometerlange Strand von Santa Cruz verbindet die zwei portugiesischen Surfmekkas Ericeira und Peniche. Und obwohl das Dorf nur eine Stunde von Lissabon entfernt liegt, wirkt es trotzdem wie einer anderen Welt entsprungen: Der weiße Sandstrand mit der wilden Steilküste scheint menschenleer und recht entspannt zu sein.

Im Meer tummeln sich nur eine Handvoll Surfer, was auch daran liegt, dass die Wellen hier ziemlich kräftig sind und die Surfshops des Orts keine Surfboards ohne Unterricht ausleihen. Zu oft hätten sie hier wohl schon untrainierte Surfer aus den tosenden Fluten des Atlantiks ziehen müssen.

Mein Tipp: Lunch im Noah Surf House mit Blick aufs Meer.

Die großen Unbekannten

Surfern blutet immer ein wenig das Herz, Insiderspots öffentlich zu machen, und doch sind einige Orte einfach zu gut, um sie nicht zu teilen. So gelten die rund anderthalb Kilometer langen, geraden Wellen von Buarcos in Figueira da Foz als die längsten Wellen in Europa.

Ebenso sind die schnellen Hohlwellen vom benachbarten Cabadelo genial, wenn auch nicht häufig vorkommend. Aber dann kann man ja immer noch am Meer seine Skaterkünste üben.

São Pedro de Moel

Auf meiner Reise an der portugiesischen Küste kam ich an unzähligen malerischen Stränden vorbei und war immer wieder aufs Neue von der Weite und Einsamkeit der Strände fasziniert.

So etwa der fast einhundert Jahre alte Leuchtturm von Penedo da Saudade, der majestätisch auf den felsigen Klippen von Penedo Saudade emporragt. Von hier genoss ich den einzigartigen Blick auf den Atlantik und ließ mir kräftig den Wind um die Ohren blasen.

Aveiro – Das Venedig Portugals

Bei einem Bummel durch Aveiro fällt auf, wie sehr die Stadt vom Wasser geprägt ist: Der portugiesische Schriftsteller und Nobelpreisträger José Saramago beschrieb das Haff von Aveiro einst als „lebendigen Körper, der wie ein riesiges Herz Land und Meer verbindet“. Das hat er nicht nur wunderbar poetisch, sondern treffend beschrieben. Kein Wunder, dass Aveiro als das „Venedig Portugals“ bezeichnet wird.

Während einer Fahrt in einem „moliceiro“, einem der typischen Tangfischerboote Aveiros, über die Kanäle, die wie silberne Wasserstraßen durch die Stadt führen, fühlte ich mich in der Tat an das romantische Venedig erinnert.

Die bunten Holzhäuser von Costa Nova

Von Aveiro ist es nur ein Katzensprung ans Meer nach Costa Nova. Dort verleiht die knallbunte Farbenpracht der berühmten Holzhäuser dem Ort Charme und Schönheit. Diese typischen Gebäude, die von den Fischern der Region ursprünglich als Lagerhäuser für ihre Gerätschaften genutzt wurden, dienen seit ihrer Restaurierung vor einigen Jahren als Ferienhäuser.

Garrett McNamara sagte einmal, dass er sich in Nazaré unzählige Male die Rippen und Füße gebrochen hätte, von den vielen kleinen Narben ganz zu schweigen. Es ist sicherlich unheimlich beeindruckend, die Big Wave Surfern bei ihrer Kunst zu bestaunen, doch für mich machen die kleinen, unbekannteren Orte an Portugals Zentralküste den besonderen Reiz auf meiner Reise aus: Weite und menschenleere Strände so weit das Auge reicht. Charmante kleine Fischerdörfer, die von der Welt abgeschnitten zu sein scheinen und Wellen für alle Surflevel.

Unterkünfte in Zentralportugal

Hillside House – Suites & Spa: Das Hillside in Foz de Arelho besticht durch sein entspanntes und ruhiges Ambiente mit Blick auf die Lagune von Óbidos, die die ausgedehnteste Lagunenlandschaft Portugals und Habitat einer vielfältigen Flora und Fauna ist. Auf fast sieben Quadratkilometer leben dort zahlreiche Wasser- und Zugvögel wie Fischreiher, Stockenten, Reiher, Stelzenläufer und viele mehr.

Well Hotel & Spa Resort: Das Well Spa am Strand von Santa Rita und Porto Novo bietet einen unvergleichlichem Ausblick aufs Meer und viel Ruhe.

Hotel Melia Ria Hotel & Spa: Das Melia Ria befindet sich im Zentrum von Aveiro mit Blick auf den See der Ria de Aveiro. Ganz in der Nähe befinden sich das Kultur- und Kongresszentrum und der Bahnhof und auch das historische Stadtzentrum ist nur wenige Schritte entfernt.

Noah Surf House: Das auf Sand gebaute Noah Surf House in Santa Cruz hat sich besonders dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. Sie nutzen erneuerbare Energien sowie natürliche Ressourcen und die coole Deko besteht hauptsächlich aus recycelten oder recycelten Gegenständen, die mit Angeln, Strand, Wellen und Meer zu tun haben.

Zusatztipp: Es gibt eine Infoseite für Surfer in Portugal, über die sich per Webcam die Strände beobachten lassen – so könnt ihr sehen, wie die Wellen gerade stehen oder wie viele Menschen sich gerade am Strand tummeln.

Auf dieser Karte findet ihr alle von mir im Beitrag erwähnt Spots – von Stränden mit perfekten Wellen bis zu Hotels:

Dieser Artikel entstand mit Unterstützung von Centro de Portugal und TAP Air Portugal.

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