Java und die Besteigung des Vulkans Bromo

Mit dem Round The World Ticket der Star Alliance fliegen Anne und Clemens rund um die Welt. Auf der indonesischen Insel Java bestiegen die beiden den noch aktiven Vulkan Gunung Bromo.

Unsere Reise durch Indonesien führte uns von Jakarta aus auf die Insel Java. Nach dem wir die Highlights der Insel erkundet haben ging es für uns ins nächste Abenteuer: Einen Vulkan besteigen. Das klingt nach Action, nach Staub im Gesicht und Krämpfen in den Waden. Das klingt nach atemberaubenden Ausblicken und echtem Abenteuer. Wir haben uns dafür den Gunung Bromo ausgesucht, einen Vulkan im Osten der indonesischen Insel Java. Pünktlich zum Sonnenaufgang darf am nächsten Tag also mit einmaligen Ausblicken gerechnet werden. Soweit der Plan.

Übernachtung im Bromo Tengger Semeru Nationalpark

Erstmal sind wir aber in Probolinggo an der Nordostküste Javas, einer Stadt mit gut 200.000 Einwohnern und das Tor zum Bromo Tengger Semeru Nationalpark. Der liegt allerdings noch knapp zwei Stunden Autofahrt entfernt. Aus Yogyakarta kommend, werden wir am Bahnhof abgeholt und steigen in einen rustikalen Toyota Land Cruiser, der selbst schon sehr nach Abenteuer aussieht. Dann verlassen wir Probolinggo in südwestliche Richtung. Es geht in den Abend hinein und immer weiter hinauf in den Nationalpark. Mit jedem Meter wird es dunkler, mit jedem Meter die Luft dünner. Serpentine für Serpentine kämpft sich unser Allradwagen brummend die immer enger werdenden Straßen hinauf.

Erst spätabends beziehen wir eine spärliche Unterkunft irgendwo in einem der umliegenden Dörfer des Nationalparks. Das Zimmer sieht überhaupt nicht schön aus. Es riecht nach nassem Hund, das Plumpsklo müsste mal wieder grundgereinigt werden und auch die Bettdecke hätte mal ein paar Stunden an der frischen Luft verdient. Gemütlich ist es hier keineswegs. Muss es aber auch nicht, denn das Zimmer dient uns lediglich für wenige Stunden als Rückzugsort. Zum Abendessen gönnen wir uns eine Soto Ayam, eine indonesische Hühnersuppe – vielleicht keine schlechte Idee vor dem kräftezehrenden Aufstieg am nächsten Tag. Wir werden sehen. Leicht gestärkt geht es dann auf jeden Fall erst einmal ins Bett.

Mit dem Land Cruiser dem Bromo entgegen

Knapp drei Stunden später klingelt der Wecker schon wieder. Es ist drei Uhr in der Früh und draußen wird die Dunkelheit ihrem Ruf mehr als gerecht. Wieder steigen wir ins Auto und fahren durch die Nacht. Dabei weht uns durch die stets gekippten Fenster des alten Land Cruisers ein kühler Wind ins Gesicht. Noch riecht es nicht nach Lava und faulen Eiern. Noch ist von der majestätischen Bergkulisse nichts zu sehen.

Doch wir sind natürlich bestens vorbereitet: mit Wanderschuhen, in Outdoor-Hose und im dreifachen Zwiebellook. Dazu ein Tuch, das wir um den Hals tragen und uns in Windeseile vor den Mund binden können, um uns vor fliegenden Aschepartikeln zu schützen. Die sollen schon ganze Spiegelreflexkameras untauglich gemacht haben. Von uns aus kann es losgehen.

Und das tut es auch. Endlich halten wir auf einer kleinen Bergstraße. Um uns herum wimmelt es nur so von Motorrädern, anderen Autos und Hobby-Bergsteigern. Zu Fuß geht es weiter bergauf, die Straße entlang, die dann in einfache Treppen übergeht. Wir passieren Teestände, laufen Slalom um andere Ausflügler herum und kämpfen uns Schritt für Schritt, Treppe für Treppe nach oben, bis wir plötzlich auf einer Aussichtsplattform stehen. Eine Aussichtsplattform voller Menschen! Und das nach nur drei Minuten entspanntem Fußmarsch? In unseren Mägen macht sich ein gewisses Unwohlsein breit, in unseren Köpfen ein Sammelsurium an Fragezeichen. Das soll er also gewesen sein? Der furchteinflößende, kräftezehrende Aufstieg zu diesem einmaligen Ausblick, diesem Bild von einem Sonnenaufgang? Zwischen Begeisterung und Enttäuschung liegen manchmal nur wenige Sekunden. Oder wie bei uns drei läppische Minuten.

Aber gut, vielleicht macht ja der Sonnenaufgang die Enttäuschung wieder wett? Bisher sieht es zumindest nicht danach aus. Die komplette Szenerie hüllt sich in morgendlichen Dunst, der dick ist wie neuseeländische Schurwolle. Nur ab und an gönnt uns ein kleiner Windhauch einen kurzen Blick auf die Landschaft, genauer gesagt auf den vor uns liegenden Mount Bromo mit seinen umliegenden Brüdern. Diese Sekunde versuchen wir, für ein schnelles Foto zu nutzen, auch wenn sich natürlich die anderen Besucher des Naturschauspiels ebenfalls um einen Schnappschuss bemühen. Zwischen indonesischen Großfamilien und Reisegruppen schaffen wir es dann doch, die ersten Sonnenstrahlen fotografisch festzuhalten. Der Bromo liegt zum ersten Mal wolkenfrei vor uns, langsam und voller Grazie vor sich hin rauchend. Trotzdem ist uns unsere Enttäuschung vermutlich auf mehrere Kilometer anzusehen. Wäre der dichte Nebel nicht …

Es wird ernst: Die Besteigung des Bromo auf Java

Und doch ist nicht aller Tage Abend. Oder in unserem Falle nicht aller Morgen Mittag. Denn der zweite Teil unserer Bromo-Tour steht uns noch bevor – die Besteigung des Bromo selbst. Bis hinauf auf den Krater soll es gehen. Aber zuvor müssen wir von der Aussichtsplattform hinunter, rein ins Auto und den Berg hinab auf die vor uns liegende Ebene. Unser Fahrer rast, als gehe es darum, als Erster anzukommen. Und so falsch liegt er damit gar nicht. Schließlich will jeder hoch auf den Krater, bevor die Massen kommen. Also rasen die Massen jetzt in der Karawane den Berg hinunter ins Tal, heizen dort durch die Sandebene und stoppen kurz darauf auf einem improvisierten Parkplatz. Also gut, zweiter Anlauf. Wieder schultern wir unsere Rücksäcke. Bepackt mit Kameras und ausreichend Wasser marschieren wir los in Richtung Bromo, der sich vor uns am Horizont in den Himmel bohrt – immerhin ganze 2.329 Meter hoch.

Dann die nächste Überraschung. Um uns herum entdecken wir enorm viele Pferde, kleine Zuchtpferde, die nicht gerade sehr stabil aussehen. Und doch sitzen auf ihnen – meist indonesische – Touristen und lassen sich auf den Bromo tragen. Vulkanbesteigung einmal anders. Wir lassen uns vom wilden Treiben der javanesischen Pferdeflüsterer und dem Gelächter der „Reiter“ nicht beirren und manövrieren uns um die Gäule herum den steinigen Weg entlang durch das Lavafeld. Etwa dreißig Minuten bahnen wir uns so den Weg immer näher in Richtung Bromo, bis wir vor uns eine Treppe erkennen, die den letzten steilen Teil der Besteigung für alle einfacher machen soll. Für die schwerbepackten Pferdchen ist hier allerdings Schluss. Also werden die Touristen mühsam von den Rücken der Tiere geholt. Sie müssen wenigstens den letzten Teil der Besteigung mit eigener Kraft bewältigen.

Geschafft: Am Kraterrand des rauchenden Bromo

Nach weiteren zehn Minuten Treppenaufstieg haben wir es dann geschafft. Wir stehen am Kraterrand. Vor uns offenbart der jüngste Krater des Tengger-Vulkanmassivs seine ganze Pracht. Dichter Rauch steigt aus dem Inneren des Vulkans. Es riecht, wie sollte es anders sein, nach faulen Eiern, dem Schwefel sei dank. Und dann passiert das Unerwartete. Kaum sind wir wieder bei Atem, reißen die Wolken auf. Plötzlich ist der Himmel blau, der Blick auf die vor uns liegende Ebene und die anderen Vulkangipfel ist frei. Wie eine riesige Panoramatapete zeigt sich die Landschaft von ihrer besten Seite.

Klick, klack, klick, unsere Kamera läuft auf Hochtouren. Worte werden kaum mehr gewechselt, so baff sind alle, die es zur richtigen Zeit bis hinauf zum Krater geschafft haben. Ein älteres, amerikanisches Pärchen macht gegenseitig Fotos von sich und der Umgebung und indonesische Teenager schießen kreischend Selfies von sich. Nur die typischen Hüpfbilder, die traut sich hier oben, so nah am Abgrund, dann doch keiner zu machen. Die Szenerie hat etwas unglaublich Beruhigendes. Wir spüren förmlich, wie unser Atem langsamer wird und sich der Puls senkt. Nur die Mundwinkel, die bleiben erst einmal ganz weit oben.

Auf dem Weg nach unten kommen uns wild schnaufende Besucher entgegen, die den Aufstieg noch nicht ganz geschafft haben. Wir feuern sie an, ganz gleich welcher Nationalität, ganz gleich welchen Alters. „Es lohnt sich!“, rufen wir ihnen entgegen, oder „Nur noch ein paar Meter!“. Und tatsächlich, schon scheint ihnen der nächste Schritt nach oben leichter zu fallen. Unten angekommen, drehen wir uns noch einmal zum Bromo um. Der aktivste Vulkan der Region zeigt sich nun auch von hier unten von seiner schönsten Seite und speit seinen Rauch aus, langsam und bedacht wie ein alter Herr mit seiner Tabakpfeife.

Auf ihrer Reise nach Indonesien wurden Anne und Clemens unterstützt von:

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4 Kommentare

  1. Der Bericht bestätigt in eindrucksvoller Weise unsere eigenen Erfahrungen am Mt. Bromo.
    Es kann einen schon in Hochstimmung versetzen und ins Elysium entführen.
    Toller Bericht!!!

  2. Hey ihr beiden wisst ihr noch mit welchem Anbieter ihr die Tour gemacht habt ?

  3. Der Bericht ist wirklich toll geschrieben. Danke

    • Liebe Marie,

      vielen Dank – wir geben das Kompliment gerne an die Autoren Anne und Clemens weiter und hoffen, dass er Dir bei der Reiseplanung weitergeholfen hat.

      Viele Grüße
      Janina

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