Touristenfallen und Diebstahl im Urlaub: Was tun?

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Das passiert mir nie, hatte ich jahrelang gedacht. Auf einem Wochenendtrip nach Neapel war es dann doch so weit. Gerade angekommen, fiel mein Freund auf die Angebote eines Zigarettenverkäufers rein. Skepsis war keine vorhanden, da wir diese fliegenden Händler aus anderen Ländern kannten und es nie Probleme gab. Im Nachhinein ging alles so unfassbar schnell. Unser Geldbeutel war offen, der Herr griff hinein und weg war er. Seitdem weiß ich: Es ist wirklich niemand vor Touristenfallen und Diebstahl im Urlaub sicher. Doch was tun, wenn der Ernstfall eintritt und Geld und Dokumente weg sind? Wir geben Euch einen Notfallplan an die Hand und decken dreiste Touristenfallen auf.

Diebstahl im Urlaub: Bargeld weg

Verschwindet das gesamte Bargeld, ist der Schock im ersten Moment natürlich groß. Umso wichtiger ist es, einen kühlen Kopf zu bewahren und die nächsten Schritte zu überlegen. Folge Optionen habt Ihr, um wieder an Bares zu kommen:

  • Geldtransfer

Über Dienstleister wie Western Union, MoneyGram oder Azimo können Euch daheimgebliebene Freunde oder Verwandte Geld transferieren. Bei Western Union klappt das in der Regel innerhalb einer Stunde. Dazu müssen sie in eine Filiale des Transferdienstleisters gehen, das Geld einzahlen und bekommen im Gegenzug eine Transfernummer, die sie Euch mitteilen müssen. Gegen Nennung der Nummer, der Adresse des Geldsenders und der Vorlage Eures Reisepasses wird Euch das Geld in einer Filiale des Dienstleisters ausgezahlt.

Gut zu wissen: Geldtransfer-Dienste funktionieren nur gegen Vorlage Eures Reisepasses. Falls auch dieser weg ist und Ihr nicht warten könnt, bis ein neuer beantragt ist, habt Ihr folgende Möglichkeit:

  • Mobile-Payment-Dienst

Über den Mobile-Payment-Dienst PayPal lässt sich in Sekundenschnelle Geld überweisen. Dazu eröffnet Ihr – am besten vor Urlaubsantritt – ein PayPal-Konto und hinterlegt Euer Bankkonto oder Eure Kreditkarte. Anschließende Zahlungen tätigt Ihr mit E-Mail-Adresse und Passwort. Anders als in Deutschland ist PayPal in vielen Ländern als Zahlungsmittel akzeptiert und hilft Euch zumindest beim Begleichen der Hotelrechnung.

Gut zu wissen: Wer eine Hausratversicherung hat, kann bei Bargeld-Diebstahl im Urlaub aufatmen. Über eine „Außenversicherung“ deckt sie den Verlust von Wertgegenständen auf Reisen ab, inklusive Bargeld. Die Obergrenze liegt meist bei 1000 Euro. Das Geld steht natürlich nicht umgehend zur Verfügung, aber es ist beruhigend zu wissen, dass die gestohlene Summe erstattet wird.

Kreditkarte verschwunden

  • Konto sperren lassen

Ist nicht nur Euer Bargeld, sondern auch Debit- oder Kreditkarte weg, solltet Ihr Karte und Konto so schnell wie möglich sperren lassen. Dies geht über die Hotline +49 116 116. Sollte die Nummer in Ausnahmefällen von einem ausländischen Telefonnetz aus nicht erreichbar sein, könnt Ihr auf die +49 (0) 30 4050 4050 ausweichen.

Gut zu wissen: Über die beiden Nummern werdet Ihr auch zu den Anbietern folgender elektronischer Berechtigungen weitergeleitet und könnt auch hier Sperrungen vornehmen lassen:

  • Girocards, Maestro-, V PAY-, Bankkunden-, Spar- und Geldkarten
  • Kreditkarten
  • Mobilfunkkarten
  • Elektronische Identitätsfunktion des neuen Personalausweises
  • Online Banking- und E-Mail-Accounts
  • Elektronische Identitätsfunktion des Heilberufsausweises
  • Kundenkarten mit Zahlungsfunktion
  • Mitarbeiterausweise mit elektronischer Zugriffskontrolle
  • Elektronische Signaturen bzw. Trägermedien von Zertifikaten
  • Remote Access Systeme (Fernzugriff auf Computer oder Netzwerke)

 

  • Bank und Polizei über Verlust informieren

Neben der Sperrung der Kreditkarte ist es dringend notwendig, die jeweilige Bank über den Verlust der Karte zu informieren. Die meisten Banken helfen bei einem Verlust der Kreditkarte im Ausland mit einem „Notfallbargeld-Service“ aus: In der Regel erhaltet Ihr innerhalb einer Stunde Bargeld von Eurem Konto (im Rahmen des Guthabens bzw. Verfügungsrahmens). Ebenfalls anzeigen solltet Ihr den Verlust bei der örtlichen Polizeistation. So lässt sich verhindert, dass Ihr für nach dem Verlust getätigte Kreditkartenkäufe verantwortlich gemacht werdet.

Gut zu wissen: Manche Geldinstitute schicken Ersatzkreditkarten auch ins Ausland. Diese Option zahlt sich aus, wenn Ihr für längere Zeit an einem Ort bleibt und dringend auf eine Kreditkarte angewiesen seid. Erkundigt Euch aber im Vorfeld über die Konditionen, denn manche Geldinstitute lassen sich diesen Service ordentlich bezahlen.

Reisepass oder Personalausweis nicht auffindbar

Hat sich ein Langfinger Eure komplette Börse samt Ausweis, Führerschein und Versichertenkarte geschnappt, wird es aufwändig. Zurück in Deutschland müsst Ihr die Dokumente neu beantragen. Das geht ins Geld und kostet leider auch viel Zeit. Kommt Euer Reisepass oder Personalausweis im europäischen Ausland abhanden, könnt Ihr – trotz Ausweispflicht – zumindest problemlos ausreisen. Nichtsdestotrotz solltet Ihr den Verlust der Dokumente bei der örtlichen Polizeidienststelle anzeigen. Hier erhaltet Ihr eine Verlustbescheinigung, die Euch hilft, bei Kontrollen Missverständnisse und Bußgelder zu vermeiden.

Schwieriger wird es im nicht-europäischen Ausland. Auch hier müsst Ihr den Diebstahl zunächst bei der örtlichen Polizei anzeigen, die Euch eine Verlustbescheinigung ausstellt. Eure nächste Station ist das deutsche Konsulat und hier müsst Ihr hin – egal wie weit entfernt es auch liegt. Die Mitarbeiter stellen Euch Ersatzpapiere aus, so dass Ihr ausreisen könnt.

Versicherungskarte geklaut

Den Gedanken, im Urlaub krank zu werden oder gar in einen Unfall verwickelt zu sein, möchte wohl jeder am liebsten ausblenden. Damit Ihr trotzdem für jede Eventualität gewappnet seid, muss die Versicherungskarte dringend ins Reisegepäck. Kommt sie unterwegs abhanden, müsst Ihr dies schnellstmöglich bei Eurer Krankenkasse melden. Sie wird Euch daraufhin per E-Mail, Post oder Fax eine provisorische Ersatzbescheinigung (PEB) zuschicken. Diese kann beim Arzt oder im Krankenhaus wie eine Versicherungskarte vorgelegt werden und die medizinischen Leistungen werden darüber abgerechnet. Geht Ihr ohne PEB zum Arzt, müsst Ihr das Geld zunächst vorstrecken, könnt die Rechnung aber nach Eurer Rückkehr zur Erstattung bei der Krankenkasse einreichen.

Smartphone gestohlen

Ähnlich wie beim Diebstahl von Kreditkarte und Co. ist es auch hier absolut wichtig, schnell zu handeln und die SIM-Karte über die Service-Hotline Eures Anbieters sperren zu lassen. Im Zuge dessen könnt Ihr auch eine neue SIM-Karte anfordern, die Euch innerhalb weniger Tage nach Hause geschickt wird. Sinnvoll ist es auch, den Verlust bei der Polizei anzuzeigen. Wird mit dem Handy oder der SIM-Karte Schindluder getrieben, könnt Ihr nachweisen, dass das Gerät zum fraglichen Zeitpunkt bereits gestohlen war. Notiert am besten bereits vorab die IMEI-Nummer Eures Handys, über die es sich eindeutig identifizieren lässt.

Gut zu wissen: Über die App AndroidLost könnt Ihr Euer gestohlenes Handy mithilfe Eurer Google-Zugangsdaten fernsteuern. So lässt sich zum Beispiel eine unauffällige Nachricht an das Smartphone senden. Das Öffnen der Benachrichtigung löst die Frontkamera aus und ein Bild des Diebs erscheint auf Eurem Computerbildschirm. Zusätzlich lässt sich das Handy mittels GPS orten.

Beim iOS-Betriebssystem ist bereits eine Funktion vorinstalliert, die Ihr im Falle eines Diebstahls aufrufen könnt. Über „iPhone suchen“ lässt sich ein Alarm aktivieren, eine Nachricht an das iPhone senden und eine von Euch ausgewählte Rufnummer im Display anzeigen, sodass sich der Finder im Idealfall bei Euch melden kann.

Vorsicht Touristenfalle: Hier sind Betrüger am Werk

Es muss nicht immer offensichtlich sein. Oft geht Diebstahl im Urlaub ganz subtil vonstatten, bei vermeintlichen Gewinnspielen oder dem allseits bekannten Hütchenspiel. Aber auch bei folgenden Begegnungen ist Vorsicht geboten:

  • Vermeintlicher Touristenrabatt

Vor dem Petersdom in Rom wimmelt es von Fremdenführern, die Eintrittskarten für die Sehenswürdigkeiten der Stadt verkaufen. Doch Vorsicht: Hier tummeln sich auch schwarze Schafe, die „stark verbilligte“ Tickets, beispielsweise für den Petersdom, anbieten. Deren Masche: Die Sehenswürdigkeiten sind per se kostenlos und die Touren frei erfunden.

Tipp: Bereits im Vorfeld über Eintrittspreise und Öffnungszeiten informieren.

  • Angebliche Verkehrspolizisten

Sie tauchen wie aus dem Nichts auf – Polizisten, die einen wegen überhöhter Geschwindigkeit, fehlender Länderkennzeichen oder anderer „Vergehen“ aus dem Verkehr ziehen. Das nicht erhebliche Bußgeld ist unbürokratisch vor Ort zu zahlen – und wandert nicht selten direkt in die Tasche von Betrügern, die sich als Verkehrspolizisten ausgeben.

Tipp: Dienstausweis zeigen lassen, Dienstnummer notieren und bei Verkehrsdelikten keinesfalls bar bezahlen. Eine kleine Vorab-Recherche ist ebenfalls sinnvoll: In Bulgarien beispielsweise dürfen Polizisten grundsätzlich kein Bargeld kassieren.

  • Aufgezwungene Geschenke

Sie sind äußerst schmeichelhaft, um kein Kompliment verlegen und zur Krönung gibt es von den Souvenirverkäufern in Windeseile ein Stoffarmband ums Handgelenk – so fest verknotet, dass es sich nicht mehr abnehmen lässt. Anschließend ist ein saftiger Preis für das vermeintliche Geschenk zu zahlen – Widerstand zwecklos.

Tipp: Aufdringliche Verkäufer ignorieren und „Geschenke“ keinesfalls abnehmen. Notfalls die Hände schnell in die eigene Hosentasche stecken.

  • Markenprodukte zu Schleuderpreisen

Ob Handtasche von Michael Kors, Poloshirt von Ralph Lauren oder gleich die dicke Rolex: Jeder weiß, dass die billigen Luxusartikel nichts weiter als Plagiate sind, aber trotzdem können viele nicht widerstehen. Doch der Kauf von Fälschungen ist kein Kavaliersdelikt. Unternehmen in der Europäischen Union verlieren durch Produktpiraterie jährlich 3,5 Milliarden Euro, zudem sind die Waren häufig billigst produziert, von schlechter Qualität und selbst das wenige Geld nicht wert. Gefährlich wird es, wenn für die Zuhausegebliebenen mit eingekauft wird. Haben die Mitbringsel mehr als 340 Euro gekostet, droht eine Geldstrafe.

Tipp: Auch wenn der Reiz noch so groß ist: Finger weg von gefälschter Markenware!

 

Beitragsbild: ©kasto – fotolia.com

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