Zero Waste Reisen: Nachhaltige Reiseziele

Die Reisebranche wird oft als unökologisch verschrien und das in mancher Hinsicht nicht ganz zu Unrecht. Doch an vielen Stellen ist das zu kurz gedacht – denn viele Destinationen sind bemüht und engagiert Umweltschutz zu praktizieren und mausern sich zu echten Nachhaltigkeits-Vorreitern. Hier erzählen euch fünf unserer Reiseblogger von positiven Erfahrungen, die sie beim Entdecken der Welt gemacht haben und was ihr durch konkretes Handeln vor Ort tun könnt.

Trinkflasche, Brotdose und wiederverwendbares Besteck unterwegs immer dabei? In Zeiten von gelebtem Umweltschutz inzwischen fast eine Selbstverständlichkeit. Was man über die Plastik- und Müllvermeidung hinaus auf Reisen tun kann, um seinen Umwelteinfluss so gering wie möglich zu halten, und welche Reiseziele sich aus ökologischer Sicht besonders lohnen, zeigen wir euch in diesem Beitrag – mit praktischen Tipps und eigenen Erfahrungen unserer Blogger.

Positiv-Beispiele: Gelebter Umweltschutz weltweit

1. Ein Herz für Insekten – Melanie von Goodmorningworld

Der Moment, der mich auf meinen bisherigen Reisen in punkto Nachhaltigkeit und Umweltschutz mit am meisten beeindruckt hat, war der, als ich auf einer der Inseln der Malediven mitbekommen habe, wie das dortige Resort mit Moskitos umgeht. Auf zahlreichen anderen Eilanden, und auch in unzähligen Touristendestinationen weltweit, werden ja regelmäßig, manchmal sogar täglich, komplette Hotelanlagen mit purem Gift besprüht und eingenebelt.

Auf Goodmorningworld geht es um die magischen Erlebnisse auf Reisen.

Auf diese Art sterben aber nicht nur die Moskitos, sondern auch viele der anderen Insekten und kleinen Tiere, die aber für das empfindliche Gleichgewicht der Natur an diesem Ort überlebenswichtig sind. Und einmal abgesehen davon: Auch alle Urlauber atmen diese Gifte ein, da hilft auch die Empfehlung, die Fenster des Zimmers während des Sprühens geschlossen zu halten, meiner Meinung nach nicht viel.

Aber zurück zu meiner Malediveninsel: Das dort ansässige Reethi Beach Resort hat eine eigentlich ganz einfache, nachhaltige und umweltfreundliche Strategie gegen die Moskitos entwickelt: Ein sogenannter Mückenbeauftragter spaziert mehrmals am Tag über die gesamte Insel auf der Suche nach geeigneten Brutstellen. Moskitos müssen nämlich ihre Eier in stehendem Wasser ablegen, deswegen gilt es, genau solche kleinen Wasserstellen zu vermeiden. Der Moskitobeauftragte bedeckt genau diese mit Sand, wackelt an hohlen Blättern in denen sich Regen gesammelt hat und kümmert sich einfach darum, dass die Moskitos erst gar nicht schlüpfen können.

Was soll ich sagen: Wir haben tatsächlich während unserer gesamten Reise keinen einzigen Stich abbekommen. Was für eine vorbildliche Strategie!

Auf Melanies Blog Goodmornigworld erfahrt ihr noch mehr zu ihren Reisen rund um die Welt.

2. Refill in Indien – Alexandra Lattek

„Ek pani“, sage ich am Tresen der Dzomsa Laundry in Leh. Ein Wasser bitte. Anstatt einen Liter Bisleri in Plastik zu kaufen, fülle ich meine Aluflasche für 20 Rupien mit gefiltertem Wasser. In den abgelegenen Regionen des Himalayas wie in Ladakh gibt es kleine Versuche, dem Plastikmüll Herr zu werden. Am Anfang meiner Trekkingtour habe ich eine runde Dose aus Edelstahl für den Tagesproviant bekommen, so wie im Film „Lunchbox“. Die Bücher aus dem Ladakh Bookshop stecken in einer Tragetasche aus Zellstoff. Die ist unverwüstlich, ich benutze sie heute noch.

Auf ihrem Blog 'Traveling the World - Stories of a Travelista' erzählt Alexandra Reisegeschichten aus Indien und der Welt.

Mit 26.000 Tonnen Plastikmüll pro Tag liegt Indien weltweit „nur“ auf Platz 15. In der Praxis ist das Plastikmüllproblem riesig, es fehlt ein geregeltes Entsorgungssystem. Müll landet auf der Straße oder wird über den nächsten Zaun auf brachliegende Flächen gekippt. Der Chowpatty Beach in Mumbai ist übersät mit Plastikmüll. Das Bild ändert sich langsam. In Maharashtra ist Einwegplastik offiziell seit 2018 verboten. Ein Gesetz für einen sofortigen landesweiten Plastikbann wurde allerdings kürzlich in letzter Minute gekippt. Der soll nun erst bis 2022 Schritt für Schritt umgesetzt werden. Froh über diesen Aufschub sind die Kabadi Walas, die sich durch den Müll wühlen, Papier und Plastik herausfischen, kiloweise an Recylingbetriebe wie den in Mumbais Slum Dharavi verkaufen und damit ihren Lebensunterhalt verdienen.

Reisegeschichten aus Indien und der Welt findet ihr auf Alexandras Blog Traveling the World - Stories of a Travelista.

Zero-Waste-Tipps für Indien:

  • Für den Snack zwischendurch nichts Verpacktes im Supermarkt kaufen, stattdessen Streetfood naschen. Das gibt’s direkt auf die Hand, in kompostierbaren Schalen aus Betelnuss- oder Bananenblättern oder in Zeitungspapier gewickelt. Über die Streetfood-Vielfalt in Neu Delhi habe ich hier geschrieben.
  • Den Hinweis, deine Wäsche nicht selbst im Hotelbadezimmer zu waschen, solltest du wirklich beherzigen, denn Wasser ist Mangelware in Indien. Stattdessen kannst du die Wäsche beim Dhobi Wala am Ende der Straße abgeben, der bügelt sie auch noch höchst akkurat mit seinem Kohlebügeleisen.
  • Beim Teetrinken an der Straße den Stand ansteuern, der den Chai in kleinen Ton- oder Edelstahlbechern ausschenkt. Schmeckt deutlich besser als aus Einwegplastikbechern.
  • Sich eine Tiffin-Box kaufen und darin das auf dem Markt gekaufte Obst verstauen.

3. Rangiroa: Müll sammeln in der blauen Lagune – Nina von Reisehappen

Rangiroa gehört zu den letzten Paradiesen auf Erden. Die Natur ist hier noch weitestgehend intakt. Doch auch Französisch Polynesien plagen zunehmend Umweltprobleme. Selbst in der blauen Lagune von Rangiroa wird mittlerweile Plastikmüll angeschwemmt. Flaschen und Plastiktüten, aber auch Teile von Fischernetzen, die heutzutage aus Kunststoffen bestehen, findet man an den traumhaften rosafarbenen Stränden. Nun könnte man sagen, das ist eben ein globales Problem. Doch stolze Polynesier, wie Manu von Rairoa Fishing and Tours, die regelmäßig Touristen in die blaue Lagune bringen, haben es sich zur Aufgabe gemacht ihr Fenua, ihre Heimat, zu schützen. So haben die Kapitäne der Boote heute bei jedem Ausflug einen großen Müllsack dabei.

Eine Frau mit einem Blumenkranz steht vor dem Meer.

Reisehappen ist ein Reiseblog für Foodies und Weltentdecker mit einem Hang zu Kunst und den schönen Dingen des Lebens.

In der blauen Lagune angekommen wird alles gesammelt, was nicht in dieses kleine Paradies gehört. Die Säcke werden anschließend wieder mit auf die Hauptinsel genommen, um den Müll ordnungsgemäß zu entsorgen. Die Touristen werden nicht gebeten zu helfen, das liegt nicht in der Mentalität der stolzen Männer Polynesiens. Keiner ist den Touristen böse, die ausschließlich mit dem besten Selfie für Instagram beschäftigt sind. Doch der respektvolle Blick Manus, sein dankbares Lachen und sein Maruuru, Danke auf Tahitianisch, sind tausendmal mehr wert als jedes perfekte Selfie.

Über Ninas Reisen in Französisch Polynesien erfahrt ihr mehr auf ihrem Blog Reisehappen.

4. Costa Rica macht’s vor – Sarah von ItchyFeet

Wie in meinem Alltag zu Hause, achte ich auch auf Reisen darauf möglichst nachhaltig und bewusst unterwegs zu sein und gehe respektvoll mit der Natur und meiner Umgebung um. Dabei hat schon kleines Engagement eine große Wirkung. Immer dabei habe ich eine wiederbefüllbare Wasserflasche, genauso wie einen Jutebeutel, um Müll zu reduzieren. Auch die Wahl der Unterkunft macht einen entscheidenden Unterschied. Hier wähle ich lieber familiengeführte Pensionen oder nachhaltige Hotels, anstelle großer Hotelketten.

Eine Frau steht vor einem Haus.

Mit ItchyFeet will Sarah zu neuen Abenteuern inspirieren.

Besonders viel Freude bereitet es mir an Orte zu reisen, bei denen ich spüre, dass ein nachhaltiges Bewusstsein in der Gesellschaft verankert ist. In Costa Rica, dem Vorreiter in Sachen Ökotourismus, habe ich diese Erfahrung gemacht. Das kleine Land in Zentralamerika investiert im großen Stil in den Erhalt des Urwaldes und hat sich auch sonst hohe Ziele im Bereich des Umweltschutzes gesetzt. Bis 2021 möchte das Land CO2-neutral sein. Es wäre das erste weltweit. Vom friedvollen Leben in Costa Rica erzähle ich euch auf meinem Blog mehr.

Aber zurück zum costaricanischen Ökotourismus: Die Wertschätzung, die der Umwelt entgegen gebracht wird, erlebte ich während meiner Reise im Nationalpark Tortuguero an der Karibikküste hautnah. Luxus sucht man hier vergebens. Er versteht sich in der Schönheit der Natur. Im Morgengrauen paddele ich zusammen mit einem Guide im Kanu durch die Lagunenlandschaft und beobachte vom Boot aus Faultiere, die sich von Ast zu Ast hangeln, und eine Brüllaffenfamilie.

Zentrum des Nationalparks ist das beschauliche Dorf Tortuguero. Etwa 700 Menschen leben hier, deren Haupteinnahmequelle der Tourismus ist. Statt mit Autos bewegt man sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Boot vorwärts und anstelle großer Hotelanlagen finde ich hier einfache, bunt angestrichene Häuser. Und eine Gemeinschaft, die sich, verbunden mit dem Lebensgefühl des Pura Vida, auf die kleinen Freuden besinnt und friedlich zusammenlebt, in Costa Rica. Einem paradiesischen Land - sehenswert und genauso schützenswert.

5. #walkintrashout – Phototravellers

Tränen vor Wut laufen meine Wange hinunter. „Wie kann ein Mensch so etwas nur machen“, frage ich Flo. Wir sind beide fassungslos. Mitten im Wald finden wir einen riesigen alten Kühlschrank, daneben noch alte Autoreifen. Irgendwer hat die Natur dafür genutzt, um seinen Müll abzuladen. Und das passiert leider immer noch zu häufig.

Biggi und Flo zeigen als Outdoorblogger die Schönheit der Natur.

Das Problem ist nicht, dass wir alle nicht genug informiert sind. Wir hören fast täglich Fakten zum CO2-Ausstoß. Wir wissen, dass die Gletscher und die Pole schmelzen. Wir wissen, dass der Regenwald brennt. Und wir wissen auch, dass die Welt in Plastikmüll erstickt. Das Problem ist nur: Viele Menschen werden nicht aktiv. Viele handeln nicht. Stattdessen müllen wir unsere Natur weiter zu.

Aus diesem Grund haben Flo und ich zusammen mit anderen Outdoor-Bloggern den Hashtag #walkintrashout ins Leben gerufen. Wir nutzen unsere große Reichweite dafür, all unsere Leser und Follower dazu aufzurufen, egal wo sie sind, nicht nur den eigenen Müll mit von einer Wanderung, mit vom Strand oder aus dem Wald mit nach Hause zu nehmen und zu entsorgen. Wir wollen, dass du unserem und dem Beispiel vieler anderer folgst und auf deiner Tour auch Müll, der achtlos in die Natur geworfen wurde, einpackst und mitnimmst. Zeige in den sozialen Medien, dass du Müll gesammelt hast und verwende den Hashtag #walkintrashout. Zusammen können wir das Bewusstsein der Menschen verändern.

Seit Jahren – schon lange vor der „Fridays for Future“-Bewegung – sammeln wir auf unseren Touren Müll. Du glaubst gar nicht, was wir alles finden. Auf Wanderungen sind es meist Riegelverpackungen, Bierdosen, Zigarettenstummel, aber auch ganz abenteuerliche Sachen wie alte Hipp-Gläschen oder Haribo-Verpackungen im Retro-Style. Daran sieht man auch, wie lange Plastik in der Natur überdauert. Am Meer – wir machen auch Beach-Cleanups – finden wir jegliche Art von Kunststoff. Strohhalme, alte Plastikdosen, kaputte Fischernetze und sogar einen alten Klodeckel, der angeschwemmt wurde.

Als Reiseblogger zeigen wir dir die Schönheit der Natur. Damit sie aber auch so schön bleibt, sind wir alle gefragt. Folge unserem und dem Beispiel vieler anderer. Die #walkintrashout-Community wird immer größer. Werde auch du Teil davon. Zusammen können wir wirklich etwas verändern.

Wenn ihr mehr über Biggi und Flo erfahren wollt, schaut unbedingt auf ihrem Blog Phototravellers.de vorbei.

Noch mehr praktische Tipps zum nachhaltigen Reisen

  • Wiederverwendbare Behälter statt Einweg nutzen
    Wiederverwendbare Trinkflaschen, Kaffeebecher und Brotdosen sind mittlerweile eine Selbstverständlichkeit geworden. Der Vollständigkeit halber gehören sie dennoch auf diese Liste. Eure Trinkflasche könnt ihr nach dem Sicherheitscheck mit Leitungswasser auffüllen – im Flugzeug könnt ihr so auf den Plastikbecher verzichten.

Unsere Zero Waste Checkliste hilft dabei, möglichst klimaschonend unterwegs zu sein. Hier klicken zum Herunterladen!

  • Auch kleine Shampoo- und Duschgel-Flaschen kann man getrost zuhause lassen. Wiederverwendbare Fläschchen oder Seifenschalen mit fester Seife bieten sich ohnehin viel besser an, sparen Geld und Nerven und sind super praktisch!
  • Es reist sich besser mit leichtem Gepäck!
    Minimalistisch zu reisen ist nicht nur besser für den Rücken und den Seelenfrieden, sondern auch für die Umwelt. Nur mit Handgepäck reisen lohnt sich also doppelt. Und mal ehrlich: Wenn es zuhause nur die paar Lieblingsteile sind, die ihr regelmäßig tragt, wird das auf Reisen nicht anders sein. Noch ein Tipp: Überlegt euch, welche Dinge doppelt genutzt werden können – z.B. ein Schal als Decke, eine Jacke als Kissen usw.
  • Direktflüge buchen und kompensieren
    Direktflüge sparen Zeit und CO2-Emissionen. Entscheidest du dich für einen Direktflug bedeutet das gleichzeitig auch weniger Umweltbelastung als ein Flug, der zwischenlandet.
    Die Klimagase einer Flugreise lassen sich kompensieren: Dafür zahlen Passagiere freiwillig einen von den Emissionen abhängigen Klimaschutzbeitrag an eine Kompensations-Organisationen wie atmosfair oder myclimate, die diesen Beitrag zum Beispiel verwendet, um erneuerbare Energien in Entwicklungsländern auszubauen.
  • Papierloses Ticket
    Im digitalen Zeitalter lässt sich ordentlich Papier einsparen, schließlich haben wir ja alles in unserem Smartphone drin: Bahn- und Flugtickets, elektronischer Boardingpass, Hotelbuchungen. Das solltet ihr nutzen und alles in eurem digitalen Wallet aufbewahren. Mit aufgeladenem Akku kann eigentlich nichts mehr schief gehen: Für den Fall der Fälle empfiehlt es sich, das Ladekabel und eine Powerbank immer zur Hand zu haben und eure wichtigsten Dokumente in einer Cloud, die ihr von überall erreichen könnt, zu speichern.
  • Auf angebotene Attraktionen mit Tieren sollte man immer einen kritischen Blick werfen, denn nicht alle Anbieter achten auf artgerechte Haltung. Es gibt auch Anbieter die Gästen Mithilfe bei der Versorgung, wie z.B. Aufzuchtsstationen für Löwen in Südafrika, bieten.

 

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Ob Aktionen wie Beach-Cleanups und Radeln fürs Klima oder gelebtem Umweltschutz vor Ort: Wir sind gespannt auf positive Erfahrungen, die ihr auf Reisen gemacht habt! Hinterlasst uns einen Kommentar und erzählt uns von euren schönsten, inspirierenden und außergewöhnlichsten Reisegeschichten.

Koffer schon gepackt? Oder noch mehr Tipps? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!