Taiwans wilder Osten: Die Küste entlang bis Taipeh

Mit dem Round The World Ticket der Star Alliance reisen Anne und Clemens um die Welt. Der zweite Teil ihres Roadtrips durch Taiwan führt sie von Kenting an der südlichen Spitze der Insel entlang der Ostküste zurück nach Taipeh.

Guten Morgen, Kenting Nationalpark! Auf unserer Rundreise sind wir an der Südspitze Taiwans angekommen. Wir sind mitten im Kenting Nationalpark, der beim ersten Anblick nicht wie ein typischer Nationalpark wirkt. Er ist ein beliebtes Reiseziel für taiwanesische Touristen und chinesische Reisegruppen und daher eher ein Touristenmagnet als ein abgelegener Landschaftspunkt. Dennoch geben wir dem Park eine Chance und besichtigen den Ouluanpi Leuchtturm am südlichsten Zipfel und saugen den Ausblick über die Mapitou-Küstenregion ein.

Schön ist es hier, hügelig und grün. Viel Zeit bleibt uns nicht, denn vor uns liegen weitere 230 Kilometer und eine Fahrt entlang der schroffen Ostküste in Richtung Hualien.

Von Kenting nach Hualien: Die unberührte Ostküste Taiwans

Wenig haben wir bisher über die taiwanesische Küste gelesen. Nachdem wir schon im Kenting Nationalpark einen ersten Eindruck davon bekommen haben, sind wir jetzt umso gespannter. Auf dem Plan stehen Stopps in Siaoyeliou, Sansientai und der Aussichtspunkt Bachi. Die Küste Taiwans ist schroff und felsig, fast ein bisschen rau. Doch sie ist auch schön und vor allem unberührt. Schnell wird uns bewusst, dass hier bisher wenige Touristen ihr Handtuch in den Sand geworfen oder den Sonnenuntergang am Meer beobachtet haben.

Tipp: Die Aussichtspunkte an der Ostküste Taiwans sind von der Autobahn aus sehr gut ausgeschildert, so dass man die Ausfahrt kaum verfehlen kann. Vor Ort werden meistens geringe Gebühren für den Parkplatz fällig, ebenso für den Eintritt an sich.

Die letzte Etappe: Von Hualien über Taroko nach Jiaoxi

Acht Tage Rundreise durch Taiwan liegen nun schon hinter uns. Langsam haben wir Taiwan besser kennengelernt, können die Leute ein wenig einschätzen und haben uns durch die taiwanesische Küche probiert. Bisher haben wir Tempel besucht, Strände gesehen und uns die frische Meeresluft um die Nase wehen lassen. Was jetzt noch fehlt, ist ein Ort, auf den wir uns schon die ganze Reise über gefreut haben: die Taroko Schlucht im Osten Taiwans.

Die Taroko Schlucht ist nicht nur eine einfache Schlucht, sondern ein Ausflugsziel, das Schreine, Tempel, Grotten und vor allem eines beherbergt: Marmor, und zwar natürlichen Marmor. Wir können das gar nicht glauben und machen uns direkt am Morgen auf zur Schlucht. Über Serpentinen und kurvige Straßen geht es eine knappe Stunde von Hualien nach Taroko, bis wir am Ende des Staus vor dem Eingang der Schlucht enden. Hierher kommen also viele Touristen. Doch das ist für uns kein Problem, wir warten entspannt und informieren uns ein wenig über die Schlucht.

Die Taroko Schlucht gehört zum Taroko Nationalpark, einem der acht Nationalparks Taiwans. Dort, wo sich der Fluss Liwu durch die marmornen Felsen schnitt, entstand ein einmaliges landschaftliches Spektakel. Insgesamt umfasst der Nationalpark eine Fläche von 92.000 Hektar, drei der Berggipfel liegen auf über 3.000 Metern. Die Taroko Schlucht bietet neben der Marmorlandschaft weitere Sehenswürdigkeiten wie die Schwalbengrotte, den Tunnel der neun Windungen, die Chihmu Brücke und den Schrein des ewigen Frühlings. Wir beginnen mit der Schlucht selbst – und sind baff.

Tipp: Es gibt einen Spazierweg durch das waldige Gebiet der Schlucht, der auf einer Hängebrücke endet und das wohl beste Fotomotiv bietet. Leider muss man sich dafür bereits vorab bei der zugehörigen Organisation anmelden. Der Grund: Die Schlucht befindet sich auf dem Land der taiwanesischen Aboriginal, den Atayal, die den Touristenfluss, der sich täglich entlang der Kurven und durch die Tunnel schiebt, kontrollieren.

Die letzten Kilometer: Von Jiaoxi nach Taipeh

Nur 50 Kilometer trennen Jiaoxi von Taipeh. Perfekt, um die letzte Etappe unseres Roadtrips durch Taiwan direkt früh am Morgen zu starten. Wieder in Taipeh angekommen, das Auto abgegeben und das Gepäck im Zimmer abgestellt, geht es für uns noch einmal auf Erkundungstour in der taiwanesischen Hauptstadt. Am Anfang unserer Rundreise hatten wir nur einen Tag, um die Stadt kurz kennenzulernen. Das ist definitiv nicht genug Zeit, um die vielen kleinen und großen Gassen in vollen Zügen zu genießen. Auf geht’s in einen letzten Tag Taipeh!

Von A nach B in Taipeh

Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel in Taipeh ist super ausgebaut. Beim Betreten des Bahnhofs finden man an den Ticketschaltern eine Karte, die alle Stationen und den jeweiligen Preis für die Strecke zu der gewünschten Station zeigt. So ist es sehr einfach, ohne eine Taxifahrt von A nach B zu kommen. Alternativ gibt es einen Tagespass für 150 NT$ (ca. 4,55€).

Tee, Tee, Tee: Eine Teezeremonie auf taiwanesische Art

Unser Taipeh-Tag beginnt im Wistaria Teehaus. Dieses Teehaus befindet sich ein wenig versteckt in einem kleinen Hinterhof im Da’an Viertel und existiert bereits seit den 1920er Jahren. Unsere Schuhe ziehen wir am Eingang aus, denn wir haben uns für eine Teezeremonie auf den traditionellen Tatami-Matten entschieden. Wir nehmen auf den Kissen Platz und durchstöbern die Karte.

Taiwan ist ein echtes Teeland. Ob Oolong, grüner Tee oder Gesundheitstees wie zum Beispiel Pu Erh-Tee – hier gibt es wirklich alles in sehr hoher Qualität. Tee wird in Taiwan immer und überall getrunken. Ob als Durstlöscher an einem heißen Tag, am Abend zum Essen oder beim Business-Meeting, das sich schnell in eine Teezeremonie verwandeln lässt. Wir sind absolute Neulinge unter den Teetrinkern und kennen Tee eigentlich nur bei Erkältungen. Kein Wunder also, dass sich unser Teemeister zu uns setzt, um uns den richtigen Zeremonie-Ablauf zu erklären: heißes Wasser in die Teekanne, ausschütten, heißes Wasser in die Teebecher, ausschütten, Tee in einen Becher, ausschütten, riechen, den Duft genießen und los geht’s.

Also: Teeblätter aus dem Döschen in die Kanne, heißes Wasser drauf, eine Minute ziehen lassen, in die Becher schütten, daran riechen, trinken. Wir wiederholen das Ganze bestimmt 15 Mal, bis wir uns tief entspannt und mit einem wohligen Körpergefühl auf in den Tag machen.

Hippes Taipeh: Simple Market & Huashan 1914 Creative Park

Taipeh hat neben dem Longshan-Tempel im Westen der Stadt und dem National Palace Museum im Norden auch andere, eher untypische Orte, an denen man als Tourist etwas von der Geschichte der Stadt mitbekommen kann. Dafür machen wir uns zuerst auf zum „Simple Market“ bzw. zum „The Forty-fours South Village“. Auf dem Areal haben früher Soldaten gewohnt. Bis heute stehen die kleinen Häuschen hier, umgeben von neugebauten Hochhäusern, glitzernden Einkaufszentren und, natürlich, dem Wolkenkratzer Taipei 101. Es wirkt ein bisschen wie in der Zeit stehengeblieben – bis man eines der Häuser betritt. Denn heute haben sich junge Künstler und Kreative hier angesiedelt, die ihre liebevoll designten Produkte verkaufen.

Eine ähnliche Zeitreise erleben wir, als wir den Huashan 1914 Creative Park im Zentrum Taipehs betreten. Der Komplex war früher einmal eine Weinfabrik, in der Sake, also Reiswein, und Ginseng-Weine produziert wurden. Heute sind die Backsteinhäuser das kreative Zentrum der taiwanesischen Hauptstadt. Ob Reiswein oder Tee, frische Blumen oder ein Kinobesuch – hier kann man viel erleben, wenn man genügend Zeit mitbringt.

Kulturelles Taipeh: Chiang Kai-Shek Memorial

Nur unweit vom Huashan 1914 Creative Park befindet sich das Chiang Kai-Shek Memorial. Dieser große Komplex ehrt den chinesischen Militär und Politiker, der Chiang Kai-Shek in der Zeit nach der Xinhai-Revolution (1911) war. Ab 1925 war er Führer der Kuomintang und dank seines Einsatzes im Chinesischen Bürgerkrieg einer der einflussreichsten Politiker Chinas. Das Denkmal ist ein beliebtes Fotomotiv für alle, die einmal nach Taipeh reisen. Wir kommen am späten Nachmittag her, um die großen Touristengruppen am Vormittag zu vermeiden und werden direkt mit taiwanesischer Musik und tanzenden Jugendgruppen begrüßt. Anscheinend ist das Memorial nicht nur eine Sehenswürdigkeit für Touristen, sondern auch ein beliebter Ort für Einheimische, um sich zum Tanzen und Sport machen zu treffen.

Auf dem Elephant Hill mit Blick auf den Taipei 101

Kurz vor Sonnenuntergang machen wir uns auf zum Elephant Hill. Der kleine Hügel liegt im Osten Taipehs und ist abends ein beliebter Ort, um von hoch oben auf die glitzernde Hauptstadt Taiwans und vor allem auf den Taipei 101 Turm zu blicken. Von der U-Bahn-Haltestelle Xiang Shan aus folgen wir den Schildern in Richtung Elephant Hill. Diese sind zwar nur auf Chinesisch, doch den Weg finden wir angesichts der Touristen, die sich mit Kamera bewaffnet und mit forschem Schritt in die gleiche Richtung bewegen, relativ schnell.

Es sind nur ein paar Stufen nach oben. Etwa 20 Minuten dauert es, bis wir auf der Aussichtsplattform stehen und auf Taipeh blicken. Die taiwanesische Hauptstadt wirkt auf einmal viel größer, als wir sie tagsüber erlebt haben. Direkt vor unserer Nase steht der Taipei 101 – der ganze Stolz der Stadt. Geduldig warten wir bis die Sonne untergeht und die Stadt zu glitzern beginnt und sich in ihrer vollen Pracht zeigt.

Raohe Nachtmarkt: Fernab der Touristenbusse

Unseren letzten Tag in Taipeh lassen wir noch einmal mit einem Spaziergang über einen Nachtmarkt ausklingen. Dafür haben wir uns den Raohe Nachtmarkt herausgesucht. Ein Nachtmarkt, der zwar bekannt ist, aber nicht von riesigen Touristenbussen am Abend angefahren wird und somit ein wenig entspannter ist.

Ein letztes Mal halten wir uns neben den Ständen mit stinkendem Tofu (der heißt hier wirklich so) die Nase zu, ein letztes Mal trinken wir einen Bubble Tea und ein letztes Mal verbrennen wir uns die Zunge an viel zu heißen, aber lecker gefüllten Buns, während wir das Treiben auf dem Markt beobachten.

Mach es gut, Taiwan, bis ganz bald.

Auf ihrer Reise durch Taiwan wurden Anne und Clemens unterstützt von:

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1 Kommentar

  1. Als Getriebener ist man stets ein Sklave der Hektik.
    Die Schönheiten werden registriert, doch bleibt wenig Zeit fürs touristische Genießen.
    Sehr schön sind die Eindrücke vom Taroko Nationalpark und natürlich auch jene vom Elephant Hill in Taipeh – ganz zu schweigen von der traditionellen Teezeremonie. Hoffentlich war diese entspannend!
    Taiwan ist eine (längere) Reise wert.

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