Wildnis pur: Roadtrip durch Alaska und den Yukon

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Wenige Reiseziele stehen so sehr für Abenteuer und pure Wildnis wie der große, unbekannte Norden des amerikanischen Kontinents. Statistisch gesehen kommt in Alaska weniger als eine halbe Person auf einen Quadratkilometer Fläche, im kanadischen Yukon sind es noch weniger. Amerikas „last frontier“ ist weit, wild, leer und damit ideal für einen ausgedehnten Roadtrip durch die schier unendlichen Landschaften.

Und genau das habe ich gemacht! 4.500 Kilometer Roadtrip alleine mit dem Mietwagen durch Alaska und den Yukon, immer auf der Suche nach den schönsten Naturerlebnissen und der ganz besonderen Faszination, die eine Reise durch eine der letzten großen Wildnis-Regionen dieser Erde so mit sich bringt. Hier kommen einige meiner Highlights.

Hohe Gipfel und wilde Tiere im Denali Nationalpark

Der Park, der den gleichnamigen Berg (ehemals Mount McKinley) beherbergt, ist eines DER Highlights jeder Alaska-Reise und darf auf keinen Fall in der Routenplanung fehlen. Auch wenn es gar nicht so selbstverständlich ist, den 6.190 Meter hohen, schneebedeckten Riesen dort auch wirklich mit eigenen Augen zu sehen! An den meisten Tagen im Jahr versteckt er sich nämlich unter einer dichten Wolkendecke und man kann ihn anhand von Hinweisschildern nur erahnen.

Wer auf den Anblick wirklich nicht verzichten will, sollte wie ich ein Zelt einpacken und sich für zwei oder drei Nächte auf dem Wonderlake Campground tief im Inneren des Parks einmieten. In den frühen Morgenstunden hat man von hier aus immer noch die besten Chancen, einen Blick auf den Gipfel zu erhaschen.

Aber auch ohne Bergsicht lohnt sich ein Ausflug in den Park: Die übrige Landschaft kann mit der Schönheit von Mount Denali durchaus mithalten und außerdem gibt es hier eine verhältnismäßig große Dichte an Bären, Karibus, Elchen, Dall-Schafen und anderen Vertretern der Fauna Alaskas.

Goldgräberluft schnuppern in Dawson City

Zu Zeiten des legendären Klondike Goldrausches war Dawson im Yukon Territory nur höchst beschwerlich über den White Pass oder den berühmt-berüchtigten Chilkoot Trail und einer anschließenden, nicht minder beschwerlichen Fahrt auf dem Hundeschlitten oder Kanu zu erreichen. Aber auch für mich fühlte sich die tagesfüllende Fahrt von Whitehorse nach Dawson nicht gerade wie ein Katzensprung an.

Unterwegs passierte ich die Five Finger Rapids, eine Felsformation am Yukon River, an der viele Goldsucher ihr Hab und Gut, wenn nicht sogar ihr Leben verloren haben. Auch heute noch wird rund um die mit etwa 1.400 Einwohnern zweitgrößte Stadt im Yukon Gold geschürft und gefunden. Lukrativer ist jedoch mittlerweile das Geschäft mit den Touristen, die es in diesen abgelegenen Ort schaffen, der wie ein natürliches Freiluftmuseum wirkt: Unasphaltierte Straßen, authentisch restaurierte Häuserfassaden, ein vor Anker liegender Schaufelraddampfer und natürlich Gehsteige stilecht aus Holz!

Wale beobachten an der Südküste

Buckelwale, Orcas, Grauwale – sie alle kommen im Sommer den weiten Weg in den hohen Norden, um zu fressen. Und im Rahmen von Whalewatching-Touren, wie sie zum Beispiel von den Orten Juneau, Valdez, Homer oder Whittier aus angeboten werden, kann man sie dabei beobachten.

Ich habe von Seward auf der touristisch gut erschlossenen Kenai-Halbinsel ein kleines Ausflugsboot bestiegen und mich direkt für eine achtstündige Ganztagestour angemeldet. Neben Walen gibt es hier im Kenai Fjords Nationalpark nämlich noch viel mehr zu sehen: Beeindruckende Gletscher, eine wunderschöne Küstenlandschaft und natürlich ganz viele andere Tiere wie zum Beispiel Otter, Adler, Papageientaucher und Robben. Das Highlight der Tour waren natürlich die Buckelwale, von denen ich gleich eine ganze Gruppe sehen durfte, die erst weiter weg und dann direkt neben unserem Boot auf der Jagd nach Fisch auftauchten.

Ich war übrigens mit Major Marine Tours unterwegs und kann den Anbieter wärmstens empfehlen.

Wandern auf der Kenai-Halbinsel

Untypisch für die USA gibt es in Alaska verhältnismäßig wenig Infrastruktur für Wanderer. Das Land ist einfach zu groß, zu dünn besiedelt und die Wandersaison zudem sehr kurz. Nicht so jedoch auf der Kenai-Halbinsel, wo man zwischen zahlreichen Wanderwegen und -routen wählen kann und für die es auch einen (englischsprachigen) Wanderführer gibt.

Eines der Highlights war für mich definitiv die Wanderung zum Harding Icefield, einem der größten Gletscherfelder der USA. Nach relativ anstrengenden, aber sonst nicht weiter schwierigen 1.000 Höhenmetern konnte ich dort direkt an dem Rand stehen und über 780 Quadratkilometer Eis und Schnee blicken – lediglich hier und da unterbrochen von den Nunataks, den Felsspitzen der Kenai-Berge. Ein unglaublicher Anblick, der sich am besten mit einer guten Sonnenbrille genießen lässt.

Roadtrip-Romantik auf den schönsten Highways

Auch wenn die Anzahl der Highways in Alaska und im Yukon überschaubar ist – Fortbewegungsmittel Nummer 1 auf längeren Strecken ist hier das Buschflugzeug – sind die Straßen, die es gibt, echte Highlights für Roadtrip-Fans. Wie zum Beispiel der Top of the World Highway, der sich von Dawson City nach einer Überfahrt mit der Fähre auf 127 Kilometer durch den Yukon schlängelt und nach Passieren der nördlichsten Grenzstation der USA wieder in Alaska landet. Der Highway ist allerdings nicht geteert, somit ist bei schlechtem Wetter bzw. mit Mietwagen, die nicht für unbefestigte Straßen zugelassen sind, Vorsicht geboten.

Großartig ist auch der Richardson Highway, der auf 583 Kilometern Fairbanks in der Region Interior mit der Stadt Valdez am Prince William Sound verbindet. Vorbei an gleich drei Gebirgszügen Alaskas, den Wrangell Mountains, Chugach Mountains und der Alaska Range, an reißenden Flüssen, zugänglichen Gletschern und natürlich durch ganz viel unendliche Weite. Und zwischendurch kann man immer mal wieder einen Blick auf die Trans-Alaska-Pipeline werfen, die von Prudhoe Bay ganz im Norden bis an die Südküste führt.

Wie ein Feuerwerk an spannenden Erlebnissen darf man sich das Fahren auf Alaskas Straßen aber trotzdem nicht vorstellen: Oftmals sieht man stundenlang auch einfach gar nichts außer endlosem Taigawald, der monoton am Autofenster vorüberzieht. Sitzfleisch und eine gute Playlist sind für das Autofahren in Alaska definitiv angebracht.

Roadtrip durch Alaska und den Yukon – Reisetipps

Beste Reisezeit: „In Alaska gibt es auch vier Jahreszeiten: Juni, Juli, August und Winter“ – so lautet ein Sprichwort und damit ist quasi auch schon die Frage nach der besten Reisezeit für einen Roadtrip beantwortet. Wobei die erste Hälfte des Septembers auch noch gut geeignet ist. Dann ist es zwar schon wieder etwas kühler, das bedeutet aber auch weniger Waldbrände, kaum Moskitos und gute Chancen auf den Indian Summer.

Mietwagen mieten: In Anchorage bzw. Fairbanks gibt es die gängigen Anbieter von Mietwagen und Wohnmobilen, mit deren Fahrzeugen man jedoch in der Regel auf unbefestigten Straßen keinen Versicherungsschutz hat. Etwas kulanter sollen die Vermieter im kanadischen Whitehorse sein. Wer vorhat, viel abseits von Asphalt zu fahren (was auf fast alle Straßen abseits der Hauptverbindungen zutrifft), sollte sich nach einem Anbieter wie GoNorth umsehen.

Reiseroute: Die Auswahl an Reiserouten in Alaska ist aufgrund der wenigen Highways beschränkt. Der Klassiker ist die liegende Acht, die an allen erreichbaren und sehenswerten Orten in Alaska und im Yukon vorbeiführt. Mit einigen Abstechern muss man hierfür mindestens 4.000 Kilometer und drei bis vier Wochen Reisezeit veranschlagen. Wer weniger Zeit für einen Roadtrip hat, sollte die eine Hälfte der Acht im Yukon lieber weglassen und sich ganz auf Alaska konzentrieren.

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