Prag: Die Stadt mit den tausend Türmen

Die Hauptstadt der tschechischen Republik ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie vielfältig Europa ist, denn Prag vereint alles, was man sich für einen perfekten Städtetrip wünscht: Vom zweiten Weltkrieg weitgehend verschont, ragen einzigartige Baudenkmäler in die Höhe, während man sich in den Gassen treiben lassen kann oder kulinarische Spezialitäten schlemmt. Bloggerin Anika hat Geheimtipps für eine Reise in die Stadt der tausend Türme.

Die großen Sehenswürdigkeiten auslassen und lieber ausschließlich Geheimtipps ansteuern? Kann man machen, doch in Prag verpasst man damit so einiges, denn die bekannten Spots sind nicht ohne Grund einen Besuch wert. Die Mischung macht’s hier definitiv – und die macht auch am meisten Spaß!

Staré Mêsto: In der Altstadt ganz viel staunen

Das Naheliegende zuerst: die imposante Karlsbrücke, welche die Innenstadt mit der sogenannten Kleinseite verbindet und eine der ältesten Steinbrücken Europas ist. Gerade zur goldenen Stunde, wenn die warmen Sonnenstrahlen die Oberfläche der Moldau streifen, ist sie ein wunderbares Fotomotiv. Wer übrigens eine Portion Glück mit nach Hause nehmen möchte, streichelt im Vorbeigehen ganz traditionell über das Hunderelief!

Tipp: Frühaufsteher sollten sich die Brücke während des Sonnenaufgangs vornehmen und Nachteulen haben sie (fast) ganz für sich.

Von der Karlsbrücke gehen schmale Gassen ab, die in die Prager Altstadt, die Staré Mêsto, führen. Ich steuerte zuerst das Rathaus an, an dessen Außenseite sich eine astronomische Uhr aus dem 15. Jahrhundert befindet. Ab hier galt für mich: treiben lassen. Und so entdeckte ich einige Sehenswürdigkeiten entlang des Altstädter Rings wie zum Beispiel den spätgotischen Pulverturm am Platz der Republik, die St.-Jakob-Kirche und die Josefstadt – das Judenviertel, das auch den Alten Jüdischen Friedhof und das dazugehörige Museum beherbergt.

Malá Strana: Die Kleinseite durchstreifen und zur Prager Burg spazieren

Die Kleinseite war für sehr lange Zeit – um genau zu sein, von 1257 bis 1784 – eine eigenständige Stadt, gelegen unterhalb der Prager Burg. Auch wenn hier nahe der Karlsbrücke, des John-Lennon-Denkmals und des sehr sehenswerten Franz-Kafka-Museums viel los ist, versprüht die Malá Strana eine etwas entspanntere Atmosphäre als die Altstadt. Die beeindruckenden Paläste und Kirchen erzählen von einer Zeit, in der der tschechische Adel hier residierte.

Apropos Adel – willkommen auf dem größten erschlossenen Burgareal der Welt: die Prager Burg mitsamt dem Veitsdom, gelegen auf dem Hügel Hradschin. Bereits im 9. Jahrhundert begann der Bau, sie vereint bis heute viele verschiedene Baustile und deshalb können gerade Kultur- und Geschichtsliebhaber gut und gerne einen ganzen Tagesausflug einplanen.

Was gibt es zu sehen? So viel! Unter anderem den gotischen Veitsdom, den barocken Königspalast, schöne Gartenanlagen rund um die Burg sowie das Lustschloss Belvedere und natürlich das Goldene Gässchen, mein Highlight. Der Name geht auf die Goldschmiede zurück, die früher hier lebten, doch hinter einer besonderen Tür (Nr. 22) wohnte eine Zeit lang der in Prag geborene und weltbekannte Schriftsteller Franz Kafka.

Erwähnenswert ist übrigens auch der Ehrenhof, auf dem die Wachablösungen der Burgwache stattfinden.

Spezialitäten naschen: Gulasch, Chlebíčky und Challah probieren

In der tschechischen Küche wird deftig aufgekocht! Sie ist geprägt von Fleischgerichten und dicken Soßen, serviert werden dazu oftmals ‚Böhmische Klöße’. Günstig schlemmen durch verschiedene landestypische Gerichte kann man im Kolkovna, das es mehrfach in der Stadt gibt und natürlich Pilsener Urquell zapft. Na zdraví!

Als ich durch die Altstadt flanierte, kam ich außerdem am Café Sisters vorbei, das viele verschiedene, leckere Brote – Chlebíčky – anbietet. Perfekt für den Hunger zwischendurch! Es gibt die klassische tschechische Variante mit Eiersalat, aber auch ausgefallene, außerdem sind die Zutaten in Bio-Qualität und die Brotsorten hausgemacht.

In die klitzekleine Little Bakery habe ich mich jedoch am meisten verliebt und kehrte während meiner vier Tage in Prag immer wieder dort ein. Sie liegt nur einen Steinwurf vom Kafka-Museum entfernt und bietet verschiedene Sorten warmer Bagels an. Am Wochenende kommt man hier in den Genuss des jüdischen Brots Challah.

Eine süße Verführung an jeder Ecke sind die Baumstriezel, Trdelnik, genannt, auch wenn es sich hier streng genommen nicht um eine neue Erfindung der tschechischen Küche handelt. Dicker Hefeteig wird hier langsam über offener Flamme gebacken und in verschiedenen Varianten, zum Beispiel mit Eis oder Schokosoße, angeboten. Der Hype um Trdelnik ist riesig, doch ob er berechtigt ist? Für zwei Euro aufwärts findet man es heraus!

Vyšehrad – das allerschönste Fleckchen von Prag

Wäre mein Airbnb-Apartment nicht lediglich ein paar Straßen von Vyšehrad entfernt gelegen, dann hätte ich mit ziemlicher Sicherheit den Burgwall im Süden Prags nicht besucht. Umso besser also, dass mich mein Reise-Bauchgefühl trotz eines bereits langen Tages hinauf schob und meine Vorahnung Recht behielt, denn: Der 360-Grad Blick über die Moldau und die gesamte Stadt war unvergleichlich und hat mir noch besser gefallen als der Blick vom Hradschin aus.

Obwohl ich die Stadt im Hochsommer besuchte, tummelten sich hier oben lediglich einige Einheimische und ein paar Touristen, doch die Menge verlief sich gut, sodass viele ganz in Ruhe entlang der Steinmauer bei einer Flasche Wein den Sonnenuntergang genossen, andere spazieren gingen oder ein Picknick dabei hatten. Eine fantastische Atmosphäre.

„Prag lässt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen“, hat Kafka über seine Heimatstadt gesagt und auch wenn er mit diesem Zitat auch auf die sehr schwierige Zeiten seines Lebens angespielt hat, so ist an diesem Satz definitiv was dran, denn die meisten, die Prag einmal besucht haben, kommen wieder. So auch ich – ganz bestimmt!

Fünf Lieblingsadressen in der Goldenen Stadt

  • Ab in die neue Welt in Nový Svêt: Das Viertel liegt hinter der Prager Burg (rechts halten am Hradschiner Platz), ist malerisch und friedlich. Ein Tipp für einen entspannten Nachmittag in hübschen Cafés oder für neugierige Kunstliebhaber, denn: viele Maler haben hier ihre Ateliers.
  • Mitten in der Stadt unter Obstbäumen liegen: Wenn die Temperaturen aufdrehen, hilft nur eins: Pause. Auf dem Petrín (Laurenziberg) wird man nach einem kleinen Anstieg mit weichen Wiesen belohnt, auf denen kleine Obstbäume stehen. Einheimische liegen hier im Schatten und lesen oder dösen – einfach ein Buch einpacken und sich für ein paar Minuten vor der Großstadt verstecken! Übrigens: Wer nicht müde ist, findet hier einige Sehenswürdigkeiten wie die Hungermauer oder den Aussichtspunkt Petrín.
  • Der anonyme Therapeut: die geheime Bar Anonymous Shrink’s Office (dt. „Bar eines anonymen Therapeuten“) hält, was ihr Name verspricht. Mittels psychologischer Tests findet hier jeder seinen persönlichen Cocktail, der Seelenheil verspricht. Oder zumindest Gaumenfreuden, denn die Bar gehört zu den besten Cocktail-Spots der Welt.
  • In einer grünen Oase entspannen: Das Palais Waldstein, das direkt unter der Prager Burg liegt, verfügt über eine große Gartenanlage mit Loggia, Neptun-Brunnen, Bronzefiguren und hübsch angelegten Wegen. Eine grüne Oase mitten in der Stadt, deren Eintritt frei ist – und ein weißer, frei umherlaufender Pfau wird dort auch immer wieder gesichtet. Das Palais selbst, übrigens das größte der Stadt und Sitz des Senats des tschechischen Parlaments, öffnet seine Tore für Besucher am Wochenende.
  • Das Grab von Franz Kafka (be-)suchen: Viele Touristen statten dem Alten Jüdischen Friedhof in der Altstadt einen Besuch ab, da auch dort ein zugehöriges Museum zu finden ist. Der Neue Jüdische Friedhof liegt etwas außerhalb an der Metrostation Zelivského und ist deshalb nicht besonders überlaufen. Wo der Schriftsteller Franz Kafka liegt, verrate ich allerdings nicht.
Pinterest Grafik Prag
Dir gefällt dieser Beitrag oder du möchtest ihn später lesen? Dann pinne ihn doch auf deinem Pinterest Board!

Hinterlasse einen Kommentar