An Portugals Algarve dem Winter entfliehen

Die Algarve, Portugals südlichste Region, ist für die meisten Besucher der Inbegriff des unbeschwerten Strand- und Badeurlaubs. Dank des milden Klimas von 15 bis 20 Grad verwandeln die erblühenden Mandelbäume die Region ab Ende Januar in ein weißes Blütenmeer. Perfekt, um dem Winter zu entfliehen - unsere Bloggerin

Sonne? Dieser gelbe, Wärme spendende Ball am Firmament? Ich habe davon gehört, gesehen habe ich ihn schon lange nicht mehr. Stattdessen allerhand Wolkenformationen in unterschiedlichsten Grauschattierungen, Wind, Sturm und Regen. Ach, der Regen, er ist ein ständiger Besucher hier in meiner Heimatstadt Den Haag. Einer, der es sich ab November auf seinem Stuhl bequem macht und richtig Sitzfleisch hat. Mir reicht es mit diesem ungebetenen, ungehobelten Gast, mit all der Tristesse. Diesen Winter mache ich es wie die Vögel und fliehe, fliehe gen Süden in wärmere Gefilde.

Portugals Algarve: Europas meiste Sonnenstunden

Portugals Algarve, die südlichste Region des Landes, ist mein auserkorenes Ziel. Für die meisten Besucher ist die Algarve der Inbegriff des unbeschwerten Strand- und Badeurlaubs. Doch auch als Winterziel erfreut sie sich wachsender Beliebtheit. Dank des milden Klimas – die Temperaturen liegen durchschnittlich zwischen 15 und 20 Grad – kann man zur Weihnachtszeit die köstlichsten Orangen direkt vom Baum pflücken, ab Ende Januar verwandeln die erblühenden Mandelbäume die Region in ein weißes Blütenmeer. 3.200 Sonnenstunden im Jahr verspricht die Algarve-Region, das ist Europarekord. Die Chance, wettertechnisch daneben zu hauen, ist gering.

Neben einem Bikini – ich bin ein unverbesserlicher Optimist – wandert ein Windstopper ins Gepäck. „Gegen den kühlen Wind“, rät man mir. Der kommt nämlich auf dem Rücken des wilden Atlantiks daher und lässt einen geschwind frösteln. Vorwitzig ist er und tollt in den Meeresbuchten herum, stiehlt sich durch Küstendörfer, neckt mit seiner salzigen Zunge und nestelt am Haar. Im Hochsommer, wenn das Thermometer schon mal auf über 30 Grad klettert, lässt die kecke Brise vom Atlantik die Temperaturen jedoch immer angenehm erscheinen.

Irgendetwas muss den Wind abgelenkt haben. Er ist abgezogen und treibt andernorts Schabernack. Ein glücklicher Umstand, der uns Urlauber die Jacken und Socken abstreifen lässt. Ich halte mein Gesicht wohlig seufzend in die Sonne, lausche am Strand spazierend dem Meeresrauschen und stecke kühn die Zehen ins zugegebenermaßen kühle Wasser. Das alles geht hier. Unzählige Traumstrände, von Felsen umrahmte Buchten und 200 Küstenkilometer laden dazu ein, die ersten Sonnenstrahlen des Jahres zu genießen und die Seele baumeln zu lassen.

Steilküste und Nordseefeeling an Portugals Algarve

Den Westen von Portugals Algarve beherrscht eine imposante Steilküste mit kleinen Badebuchten und beeindruckenden Felsformationen. An der Ponta da Piedade bei Lagos ragen sie besonders spitz empor, die höchsten sind am Cabo de São Vicente, dem südwestlichsten Zipfel Südeuropas, zu finden. Deutsche Bratwurst gibt es dort auch für alle, die es nicht lassen können. Im Osten bei Faro und Tavira, der sogenannten Sandalgarve, wechselt die Landschaft zu breiten, schier endlosen Stränden. Die wollen erlaufen werden. Bis an Spaniens Grenze.

Sanfte Dünen mit wogendem Gras gesprenkelt. Fast wähne ich mich an der Nordseeküste. Manche Strände sind durch Lagunen vom Festland getrennt. Breite Sandinseln schieben sich vor das Festland und lassen die einzigartige Hafflandschaft Ria Formosa entstehen, ein Naturschutzgebiet und Vogelparadies. Man braucht nicht einmal Glück, um Flamingos zu Gesicht zu bekommen. Fischerboote setzen einen über, ich wähle die Bimmelbahn, die gemächlich an die Praia de Barril auf der schönen Ilha de Tavira zuckelt. Es ist eigentlich egal, für welchen Küstenabschnitt der Algarve man sich entscheidet – stille, einsame Abschnitte und romantische Buchten sind zu dieser Jahreszeit in jeder Region zu finden.

An der Küste entlang von Luz nach Lagos

20 Grad Celsius, Sonnenschein, klare Luft, kein Lüftchen. Der heutige Tag drängt sich geradezu auf, ausgedehnte Spaziergänge an der Küste zu unternehmen. Ganz ohne Angst, mir eine rote Nase und einen Sonnenbrand auf den Schultern zu holen, wandere ich entlang der bizarren Felsklippen nach Lagos. Vom Fischerort Luz führt der Pfad bis zum Leuchtturm der Ponta da Piedade und weiter bis nach Lagos. Mal wandert man von einer menschenleeren Bucht zur nächsten, mal genießt man auf den Klippen den unverbauten Blick aufs Meer, das mir zu Füßen liegt und bis zum Horizont glitzert. Hier zieht die Natur alle Register und zeigt, was sie kann.

Nach viel Staunen und strammem Wandern habe ich mir in Lagos eine Stärkung verdient. Auch wenn die meisten Strandbars ihre Türen verrammelt haben, in dem Städtchen selbst ist noch Leben und man kommt in den Genuss ungeteilter Gastfreundschaft und portugiesischen Gaumenfreuden. Bacalhau, Stockfisch, zum Beispiel. Angeblich sind 365 verschiedene Rezepte dafür bekannt – für jeden Tag im Jahr eines.

Wer generell Meeresfrüchte mag, wird von den Garnelen und Muscheln hier begeistert sein und ein freies Plätzchen findet sich allemal. Die vielen Fischer an Portugals Algarve beliefern zur Winterzeit weiterhin die Restaurants und Kneipen der größeren Ortschaften und Touristenzentren. „Im vergangenen Jahr sind schon 20 Prozent mehr Touristen gekommen, dieses Jahr sind es noch mal so viele“, erzählt mir Gonçalo, während er auf Touristen wartet, die er durch die türkisen Grotten der Ponta Piedade schippern kann. In der Hochsaison kommen sie im Minutentakt, und auch jetzt muss er nicht ums Geschäft bangen.

Charmante Städtchen jenseits der Touristenburgen

Es gab diese Zeit in den 60er Jahren, da hat sich Portugals Algarve an den Tourismus-Teufel verkauft. Hinter der schönen Strandkulisse der Südküste verbergen sich gesichtslose Hotels und Anhäufungen trostloser Ferienhäuser. Am besten nur nach vorne schauen und die Mitte, die Ecke um Albufeira, meiden.

Trotz vieler Hotelanlagen gibt es sie noch, die ursprüngliche Algarve mit ihren historischen Orten. Die entzückenden Dörfer des Hinterlands, allen voran Silves, die ehemalige burggekrönte Hauptstadt der Algarve, und smarte Küstenstädtchen wie Tavira, Faro und Olhao haben sich ihren Charme bewahrt. Tavira hat mein Herz erobert. Am Fluss Gilão an der Ostalgarve reihen sich hübsche Bürgerhäuser und viele sehenswerte Kirchen die Straßen und Gassen entlang.

Aber auch Faro, die quirlige Studentenstadt, sollte man nicht links liegen lassen. Eine denkmalgeschützte Altstadt, hübsche Einkaufsmeilen, das typische schwarz-weiße Kopfsteinpflaster, charmante Straßencafés und vorzügliche Restaurants – für jeden ist etwas dabei. Und eifrig klappern dazu die Störche in ihren Nestern auf den Strommasten und Kirchendächern. Sie haben es gut, dürfen noch bis zum Frühjahr verweilen, während wir „zweibeinigen Zugvögel“ uns nochmals dem grauen Winter stellen müssen.

Tipps für Portugals Algarve

Unterkünfte:

An Portugals Algarve gibt es freundliche Pousadas und Boutique-Hotels für jeden Geschmack und Geldbeutel:

  • Praia Verde Boutique Hotel in Altura mit Restaurant de Terra: Stylish aber leger mit hervorragendem Lokal. Hohes Preisniveau, aber nicht überkandidelt.
  • Die Pousada Convento in Olhaõ ist ein Traum in Weiß.
  • Nur 5 Minuten von der weithin gerühmten Praia Ana entfernt und doch mitten im Ort wohnt man im Casa Mae.

Restaurants:

  • Aquasul in Tavira: Nicht lange suchen, gleich das Aquasul ansteuern. Ich habe dort wunderbar diniert. Gute vegetarische Auswahl.
  • Tasca da Lota in Lagos: Eine zwanglose Fischtaverne im Hafen von Lagos, die Fischliebhaber schwach werden lässt.
  • Tasca di Kiko in Lagos: Ein bisschen schicker aber nicht weniger gut. Lasst Euch von der seltsamen Lage im Hafenareal nicht abschrecken.

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