Namibia Rundreise: Tipps für Eure Erstlingsroute

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Ihr mögt Roadtrips auf einsamen Straßen? Ihr scheut Euch nicht davor, einen Reifen zu wechseln? Staub und Sand sind für Euren Körper und Euer Auto das perfekte Accessoire? Dann seid Ihr auf einer Namibia Rundreise genau richtig!

Die Wahl des Wegbegleiters für das Campingabenteuer

Unseren Mietwagen buchten wir schon einige Monate vor der Abreise von Zuhause aus. Wir überlegten dabei lange und holten uns verschiedene Meinungen ein. Sollten wir standesgemäß mit einem 4×4 über Namibias Schotterpisten fahren oder würde auch ein „normales Fahrzeug“ ausreichen?

Schließlich ließen wir uns auf das Abenteuer mit einem Mittelklasse-Kombi ein. Hauptfaktor war hier definitiv der Preis. Selbst mit dem in Windhoek geliehenen Campingequipment waren wir mehr als vier Mal so günstig wie mit einem 4×4 mit Dachzelt. Und was soll ich sagen? Die Erstlingsroute lässt sich bis auf wenige kritische Stellen auch hervorragend mit einem Toyota Corolla oder ähnlichem befahren. Bei zwei bis drei sandigen Abschnitten ist uns zwar der Schweiß ausgebrochen, aber schlussendlich sind wir überall durchgekommen. Und unser Toyota bekam in manchen Camps sogar den Spitznamen „Wild Corolla“.

Unsere Campsites hatte ich bereits alle von Zuhause aus gebucht und so kamen wir hin und wieder in den Luxus eines eigenen Badezimmers direkt am Zeltplatz. Die Campingplätze waren immer sehr großzügig ausgelegt und die Hygiene-Standards immer super. Dass mal ein Schakal am Zelt vorbei huscht oder es sich ein Skorpion darunter gemütlich macht, gehört in Namibia einfach dazu.

Die Namibia Rundreise beginnt – Etosha wir kommen!

Unser Flieger kam mittags in Windhoek an. Genug Zeit um das Auto in Empfang zu nehmen, unser Campingequipment abzuholen und den ersten Einkauf im Supermarkt zu erledigen. Den Ankunftstag ließen wir entspannt und wie es sich gehört in Joes Beerhouse ausklingen.

Ohne viel von Windhoek gesehen zu haben, ging es am nächsten Tag bereits Richtung Norden. Als Zwischenstopp für eine Nacht hatten wir uns den Waterberg-Plateau-Park ausgesucht. Hier wanderten wir auf den flachen Gipfel und genossen den unglaublichen Blick in die Weite.

Gerne wären wir noch länger geblieben, aber die wilden Tiere erwarteten uns. Schon bald erreichten wir das östliche Camp des Etosha Nationalparks und auch die ersten spannenden Sichtungen ließen nicht lange auf sich warten. Insgesamt übernachteten wir in vier verschiedenen Camps im Park und haben so von Ost nach West sehr viel des Etosha abgefahren.

Das Besondere am Etosha sind die Abende in den Camps. In anderen Nationalparks ist man durch die Zäune von der Tierwelt abgeriegelt. Im Etosha hat jedes Camp sein eigenes Wasserloch und bietet den Reisenden so auch abends eine tolle Möglichkeit, noch weiter Tiere zu beobachten. Besonders Nashörner konnten wir in den Abend- und Nachtstunden beobachten. Danach fällt man glücklich und auch erschöpft in seinen Schlafsack. Apropos Schlafsack: Nachts kann es bitterkalt werden und Ihr werdet über eine entsprechende Komforttemperatur des Schlafsackes bestimmt glücklich sein.

Auf dem Weg zur wilden Atlantikküste

Auf der weiten Strecke bis zur Küste wechselte die Vegetation nur zwischen staubtrocken und trocken mit Bergen. Ich fand es wunderschön und so verzögerte sich unsere Fahrt durch einige Fotostopps. Für eine Nacht bauten wir unser Zelt in der Nähe des Brandbergs auf. Bei der geführten Wanderung zur bekannten Felsmalerei der Weißen Dame begegnete uns bei über 40°C sogar ein Wüstenelefant.

Am nächsten Tag kamen wir – wir hätten es nicht gedacht – sogar ohne Reifenpanne an der Atlantikküste an. Unser Ziel war Cape Cross und die dortige Seelöwenkolonie. Der Anblick von tausenden Tieren an der rauschenden Brandung ist gigantisch, der Geruch aber ebenso… naja, sagen wir eindrucksvoll.

Der nächste Halt auf unserer Namibia Rundreise war die beliebte Küstenstadt Swakopmund. Hier gönnten wir uns zwei Nächte in einer kleinen Ferienwohnung und nutzten den Platz um für Ordnung in den Rucksäcken zu sorgen. Zwei besondere Touren warteten in dieser Region auf uns: die Little Five Tour und die 4×4 Tour zu Sandwich Harbour.

Bei der Little Five Tour suchten die Guides nach den etwas kleineren Wüstenbewohnern. Mein Highlight war der süße Namibgecko. Auch die Zwergpuffotter und die Schaufelschnauzen-Eidechse konnten unsere Guides für uns erstaunlicherweise zwischen den riesigen Dünen ausfindig machen. Die tanzende White Lady, eine Radspinne, ließen wir in ihrer Unterkunft, schaufelt sie sich schließlich jede Nacht einen gut halben Meter tiefen Bau. Die fünfte Art, das Namaqua Chamäleon, bekamen wir leider nicht zu sehen.

Am Nachmittag ging es in einem 4×4 die höchsten Sanddünen im Namib-Naukluft-Park rauf und runter – eine wilde Achterbahnfahrt. Zu gerne hätte ich einmal selbst das Steuer übernommen. Das Highlight der Tour ist der Ausblick über Sandwich Harbour. Sanddünen treffen auf Wellen und sogar Delfine konnten wir am Küstenstreifen beobachten.

Windige Dünen und abenteuerliche Straßen

Auch wenn die letzten Tage schon sandig waren, das spektakuläre Wahrzeichen Sossusvlei wollten wir nicht verpassen. Wir erklommen, auch mal auf allen vieren krabbelnd, hohe Dünen, um so einen besonderen Blick auf das Dead Vlei, eine trockene Ton-Pfanne mit uralten, abgestorbenen Bäumen, zu bekommen. Hinterher musste ich auch nur rund ein Kilo Sand aus den Schuhe rieseln lassen.

Die kritischste Situation mit unserem Mietwagen hatten wir auf der D707. Der Sand wurde immer tiefer und das Auto immer langsamer. Irgendwie haben wir es dann aber doch zur Ranch Koiimasis geschafft. Dachte man vorher noch, man ist im Nirgendwo, wird man nach knapp 30 Kilometern eines besseren belehrt und trifft mitten im Niemandsland auf die empfehlenswerte Ranch. Bei heißen 35°C kletterten wir auf den Felsen neben unserem Camp herum und hatten so eine prima Aussicht über das ganze Gebiet.

Deutsche Geschichte in Namibia

Inzwischen hatten wir auf unserer Namibia Rundreise starke 2.000 Kilometer zurückgelegt. Da wurde es Zeit, sich etwas mit der Kolonialgeschichte des ehemaligen Deutsch-Südwestafrika auseinanderzusetzen. Und wo könnte man das besser als in der ehemaligen Diamantenhochburg Kolmannskuppe. War die kleine Stadt früher dank des Diamantenrausches die reichste Stadt Afrikas, holt sich nun seit Jahrzehnten der Sand alles zurück. Der ständige Wind machte das Leben hier früher schon beschwerlich, trotzdem fehlte es den Einwohnern an nichts. Es gab eine Bäckerei, eine Eisfabrik und sogar ein Freibad – alles damals top-modern. Erst sind wir auf eigene Faust ein wenig durch die halb verfallenen Häuser gewandert und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Später erhielten wir bei einer deutschsprachigen Führung einen guten Einblick in die damaligen Geschehnisse.

Die letzten Abstecher unserer Namibia Rundreise

Unsere Zeit in Namibia neigte sich leider schon dem Ende zu, deswegen hatten wir leider nicht die Möglichkeit, dem Fish River Canyon einen Besuch abzustatten. Aber ich sammle immer gerne Gründe, um ein Land ein zweites Mal zu bereisen. Unsere letzten beiden Stopps auf dem Weg zurück nach Windhoek waren der Quivertree Forest und ein kleines Stück der Kalahari.

Der Köcherbaum-Wald lohnt sich für einen kurzen Tagesbesuch oder auch als Übernachtungsplatz. Den Sonnenuntergang mit einem kühlen Bier in der Hand und den vielen Klippschliefern, die zwischen unseren Füßen herumwuselten, werde ich wohl nie vergessen. Und so machten wir uns schweren Herzens auf zu unserem letzten Ziel: der Kalahari.

Von der Bagatelle Ranch aus genossen wir noch zwei gemütliche Tage, gruben die Zehen tief in den roten Sand und reagierten inzwischen relaxt auf unsere täglichen Campsite-Besucher wie Strauß, Spinne oder Tausendfüßler. Ein letztes Mal kämpfte sich unser tapferer Toyota Corolla durch die sandigen Pisten der Ranch, um schließlich – zugegeben recht langweilig – die letzten Kilometer nach Windhoek auf Asphalt zurückzulegen.

1 Kommentar

  1. Wunderbar.

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