Roadtrip durch Victoria: Melbourne und Phillip Island

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Melbourne wurde 2017 zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt. Die Gründe liegen nach einem Besuch schnell auf der Hand: Die Stadt ist wohlhabend, bietet viele Kultur- und Sportmöglichkeiten und ist in eine wunderschöne Landschaft gebettet. Ich habe Melbourne erkundet und bin mit dem Auto durch den Staat Victoria gefahren – ein Roadtrip mit vielen Hach-Momenten.

Sydney vs. Melbourne – der ewige Vergleich

Melbourne ist die Hauptstadt des Staates Victoria und damit die südlichste Millionenstadt der Welt. Der innerste Stadtkern ist wie ein Rechteck übersichtlich aufgebaut, ähnlich wie Manhattan. Viele Vororte schließen daran an, sodass Melbourne sehr weitläufig weiter wächst. Durch den Goldrausch Anfang der 1850er Jahre hat sich die Stadt extrem entwickelt – und ist bis heute ein wohlhabendes Fleckchen und vielfältiger Meltingpot, der sich vor allem aus chinesischen, britischen, griechischen und italienischen Einwanderern zusammensetzt.

„Nichts ist hier offensichtlich“, sagt Michelle vom Fahrradtouren-Anbieter Melbourne by bike. Melbourne hat kein architektonisches Meisterwerk wie die Sydney Opera und auch keine pittoreske Harbour Bridge. Sydney vs. Melbourne, eine augenzwinkernde Rivalität zwischen der eleganten und fotogenen Stadt, die Sydney ist, und – ja, was ist Melbourne denn eigentlich? Eine Heimat für Kaffeeliebhaber, Kulturenthusiasten und alle, die gerne ein bisschen suchen, um etwas zu finden. Denn hier tragen die coolsten Bars keinen Namen, die interessantesten Shops befinden sich unter der Erde, Streetart ist überall zu finden und doch muss man die Augen ständig offenhalten.

Fitzroy, das Lieblingsviertel unter Städteliebhabern

Mit dem Fahrrad die Stadt zu erkunden ist eine fantastische Möglichkeit, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Zwar geht es immer weiter bergauf, sobald man den inneren Kern verlässt, aber das schreckt uns nicht ab. Wir halten am bekannten Victoria Market, schlemmen ein paar frische Erdbeeren, spähen in die Kühltheken und atmen den Duft der umliegenden Kaffeeröstereien ein, bevor wir uns zum Mittagessen auf den Weg nach Fitzroy machen.

Das unter Städteliebhabern bekannte Fitzroy fasziniert mich von Anfang an. Hier schlägt das politisch linke Herz Melbournes, Cafés reihen sich an Restaurants, an Designboutiquen, an riesige Secondhandläden, an Rooftopbars. Michelle schlägt zum Mittagessen das Naked for Satan vor, ein Restaurant mit Wodkabar, wo wir Pintxos (baskische Tapas) essen und erneut einer Geschichte lauschen, die zeigt, wie viel drin steckt in dieser Stadt mit all ihren Anekdoten. Der Name der Bar geht nämlich auf den russischen Flüchtling Leon Satanovich zurück, der im Keller des Hauses Wodka brannte und das, weil es oftmals so heiß war, nur in Unterhosen tat.

Zurück in die Innenstadt und zurück auf die Füße

Hugo von Localing begleitet uns für die nächsten drei Stunden durch die Stadt und ist einer der angenehmsten Guides, die ich mir vorstellen kann. Typisch Aussie eben: gelassen, freundlich und immer einen kleinen Spaß voraus. Als wir müde werden, setzen wir uns einfach in ein Café, testen die leckeren Kaffeevariationen des Landes (Flat White oder Long Mac) und lauschen seinen Geschichten. Wir spähen in die wunderschöne Public Library und lassen uns treiben. Und schauen immer wieder zweimal hin, denn das ist es, was ich von Melbourne mitnehme: Die Stadt ist es wert, sie in Begleitung der Einwohner zu erleben, für genau diesen zweiten Blick. Und, schlussendlich, Melbourne auch ein zweites Mal zu besuchen. Weil so vieles verborgen liegt und entdeckt werden möchte.

Tipps:

Ab nach Phillip Island zu Koalas, Seelöwen und Pinguinen 

Knapp anderthalb Stunden mit dem Auto entfernt liegt das Städtchen Cowes auf Phillip Island, was viele für Wochenendausflüge nutzen, weshalb hier auch einige Ferienhäuser stehen. Den größten Teil der Insel macht der Nature Park mit seinen unglaublichen Landschaften aus.

Nach einer sehr leckeren Stärkung im Cape Kitchen ist meine erste Station das Koala Conservation Center, wo ich zum ersten Mal Koalas sehen darf. Das Anfassen und Füttern der Tiere ist hier verboten, sie leben frei in den Eukalyptusbäumen und schlafen die meiste Zeit. Übrigens nicht weil sie faul sind, sondern weil ihre einseitige Ernährung aus bestimmten Eukalyptusblättern nicht ausreicht, um aktiver zu sein. Ich hätte den Tieren stundenlang bei ihrem Halbschlaf zusehen können. Ganz ehrlich, wer findet Koalas denn nicht absolut bezaubernd?

Den Robben Hallo sagen und den Pinguinen zuwinken

Phillip Island steht für mich im Nachhinein vor allem für seine Tiere. Ich habe hier nicht nur die Koalas in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet, sondern auch Wallabys gesichtet, ein kuscheliges Wombat gesehen und bin mit dem EcoBoat an der Küste der Insel entlanggefahren, bis zu einer kleinen Inselgruppe, auf der tausende von Robben leben. Die Jungen sind total verspielt und drehen sich im Wasser immer wieder um die eigene Achse, während die älteren Kolosse auch gerne mal miteinander streiten, was richtig angsteinflößend wirkt. Es ist das erste Mal, dass ich Robben in dieser hohen Zahl in freier Wildbahn beobachte und genau diese Vielfalt der Tiere fasziniert mich an Victoria mit am meisten.

Am Abend winkt das Highlight dieses Ortes: Die Penguin Parade. Jeden Abend zum Sonnenuntergang gehen hier rund tausend Zwergpinguine an Land. Dieses Schauspiel ist für Touristen zugänglich, wird allerdings vom Nature Park überwacht und geschützt. Wir beobachten, wie die Tiere an Land schwimmen, den Strand entlangwatscheln und schließlich in ihren Höhlen in den Stranddünen verschwinden. Fotografieren mit Blitz ist nicht erlaubt, da es die Tiere blenden würde und manche die Orientierung verlieren.

Die Penguin Parade ist wirklich sehenswert und ein tolles Beispiel dafür, wie man Touristen ein Naturspektakel ohne Nachteil für die Tiere zugänglich machen kann. Eine Erkenntnis, die mir immer wieder begegnen wird während des Roadtrips, denn Victoria achtet sehr auf die Erhaltung seiner Flora und Fauna.

Tipps:

In Teil 2 geht es in den Nationalpark Wilson’s Promontory und über das Weinanbaugebiet Yarra Valley zurück nach Melbourne.

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