Marokko Roadtrip: Von Fès nach Marrakesch

Marokko ist ein Land aus 1001 Nacht. Orientalisch, bunt, mit würzigen oder süßen Gerüchen an jeder Ecke. Hektisch und turbulent in den Großstädten, zeigt sich im Hinterland eine ganz andere Lebensweise und eine faszinierende Landschaft. Auf schmalen Straßen führte mich mein Marokko Roadtrip zu riesigen Stauseen, deren Ufer rosafarben leuchteten, vorbei an saftig grünen Feldern, die ich so weit im Süden nicht in einer derartigen Farbenpracht erwartet hätte. Ein Roadtrip durch Marokko im beginnenden Frühling.

Ein Marokko Roadtrip von Fès nach Marrakesch im Mietwagen

Was ich an Roadtrips besonders liebe? Das ist die unendliche Freiheit, die mir solch eine Reise ermöglicht. Einzig die Tanknadel ist ein Fixpunkt, den man ab und zu im Auge behalten muss. Ansonsten kann ich an jeder Kreuzung auf’s Neue entscheiden, wohin mich der Weg führen soll. Und genau in diesem Stil verlief auch der Trip durch Marokko – ungeplant, mit nur einer groben Richtung im Hinterkopf.

Fès – gemütlich und farbenfroh 

Unsere Reise startete mit einem Flug von München nach Marrakesch, von dort aus ging es mit dem Mietwagen nach Fès. Die Stadt eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für einen Roadtrip, da sie noch recht überschaubar ist. Ein großer Parkplatz vor den Toren der Altstadt bietet genügend Stellfläche und der altertümliche Souk gibt einen hervorragenden Einblick in die Kultur und Vielfalt der Gegend. An jeder Ecke werden Lederwaren in allen Farben und Formen feilgeboten. Von den Dächern der Stadt hat man einen wunderbaren Ausblick auf die umliegenden Terrassen, die als Erweiterung des Wohnraums dienen und auch gerne mal mit diversen Nutztieren bestückt werden.

Unterkunftsempfehlung Fès: Dar Bouanania

Der Tazekka National Park und die Grotte Friouato

Wir starteten unseren Roadtrip in Richtung Osten. Der Tazekka National Park befindet sich nur knapp 120 Kilometer von Fès entfernt, durch jede Menge Fotostopps und schmale Straßen lässt sich die Anfahrtszeit aber auf gut 4 Stunden ausdehnen. Unser Ziel sollte eigentlich die Grotte Friouato sein, ein riesiges Loch in der Erde und die einzige Tropfsteinhöhle Nordafrikas. Bei unserem Besuch war der Zugang zur Grotte wegen Baumaßnahmen leider gesperrt (laut Informationen eines Einheimischen sollen die Baumaßnahmen seit Sommer 2017 beendet sein), stattdessen ließen wir bei einem Picknick die einmalige Landschaft des Nationalparks auf uns wirken.

Unzählige namenlose Straßen und Beni-Mellal

Wir änderten die Richtung und fuhren weiter gen Süden. Das Besondere der ganzen Tour waren nicht die klassischen Highlights und Sehenswürdigkeiten, sondern die Momente zwischendurch. So mussten wir gleich am Morgen mitten im Nirgendwo halten, um die saftig grüne Landschaft auf uns wirken zu lassen. Am Stausee El-Hansali bekamen wir Orangen geschenkt und wurden auf einen Minztee und Tajine eingeladen. Und in Beni-Mellal, einer Stadt am Westrand des Mittleren Atlasgebirges, bekamen wir eine spontane Führung von einem jungen Marokkaner, den wir auf der Suche nach kostenfreiem WLAN aufgegabelt hatten. Er in seinem dunklen BMW vorneweg (sein ganzer Stolz) und wir in unserem weißen Dacia hinterher.

Unterkunftsempfehlung Timoulilte nahe Beni-Mellal: Maison d’hotes Ait Bou Izryane

Ein leuchtender See und ein tosender Wasserfall

Ging es zuvor immer am Rande des mittleren Atlasgebirges entlang, fuhren wir jetzt mitten hinein. Die Straße verlief serpentinenartig einen Berg hinauf, nur um oben angekommen auf der anderen Seite wieder auf halbe Höhe hinunter zu führen. Das Ufer des Staudamms Bin El-Ouidane leuchtete in verschiedensten Rottönen und wir verweilten einige Zeit für mehrere Fotostopps. Am nächsten Ziel, den Ouzoud-Wasserfällen, merkten wir bereits die Nähe zu Marrakesch und die touristische Erschließung der Natur. Nichtsdestotrotz ließen wir uns unser mitgebrachtes Picknick beim Klang des tosenden Wassers schmecken.

Verkehrschaos in Marrakesch

Google Maps und Marrakesch sind eine schlechte Kombination und so fing mein Besuch der Stadt mit einem selbstverursachten Verkehrschaos in der Medina an. Marrakesch hat mein Reiseherz nicht allzu sehr berührt, aber das ist natürlich eine komplett subjektive Betrachtung. Ich empfehle jedem, sich eine eigene Meinung über die Stadt zu bilden. Nur ganz kurz muss ich noch mahnend den Zeigefinger erheben: Bitte macht keine Fotos mit Affen oder Schlangen auf dem mittelalterlichen Marktplatz Djemaa el Fna.

Was man bei einem Marokko Roadtrip beachten sollte

Große Autovermietungen gibt es in jeder Stadt Marokkos, meistens in der Nähe des Flughafens. Achtet bei Eurer Wahl auf die gängigen Firmen, die auch in Deutschland bekannt sind. Eine Vollkaskoversicherung solltet Ihr bei der Anmietung auf alle Fälle abschließen, außerdem auch auf die Tankregelung „Voll-Voll“ bestehen. Günstige Angebote lassen sich am besten online finden, Suchportale wie billiger-mietwagen.de eignen sich hervorragend für eine Recherche von zuhause aus.

Außerhalb der Städte ähnelt der Verkehr stark dem in Deutschland. In den Innenstädten wiederum kann es schon mal sehr hektisch werden, hier gesellen sich zu einer Vielzahl von Autos noch Fußgänger, Fahrrad- und Mopedfahrer, Eselskarren und manchmal auch Weidevieh. Dann gilt es, einfach Ruhe zu bewahren und sich dem Verkehrsfluss hinzugeben. An die Geschwindigkeitsbegrenzungen solltet Ihr Euch tunlichst halten, auf Polizeikontrollen trefft Ihr auch in jeder noch so abgelegenen Gegend.

Tankstellen gibt es grundsätzlich in jeder Kleinstadt. Solltet Ihr aber eine längere Strecke durch unbesiedeltes Gebiet planen, dann empfehle ich Euch einen Tankstopp an jeder Zapfsäule, auf die Ihr trefft.

Nach dem Roadtrip ist vor dem Surfen: Das Fischerdorf Taghazout nahe Agadir

Der Roadtrip ist beendet, der Mietwagen bleibt in Marrakech, ich aber mache mich auf den Weg zu einem weiteren Highlight meiner Reise durch Marokko. Ein kleines verträumtes Fischerdorf am Atlantik ist mein Ziel, in dem die Ruhe und Gelassenheit der surfenden Einwohner und Besucher an jeder Ecke zu spüren ist. Taghazout befindet sich nur knapp 25 Kilometer nördlich von Agadir, trotzdem ist man hier weit entfernt vom Gewusel marokkanischer Großstädte. An der einzigen Hauptstraße des Örtchens reihen sich Cafés, Restaurants und Surfshops aneinander, das ganze Flair ist geprägt von der Suche nach der perfekten Welle. In dem Dorf verbringt man die Zeit zwischen den einzelnen Surfsessions. Man checkt den Forecast bei einem Minztee oder Kaffee im Cafe Florida oder plaudert über den heftigsten Wipeout bei einer leckeren Tajine. Verschiedene Surfspots bieten hier optimale Bedingungen für jede Könnerstufe, kombiniert mit dem Gefühl, sich abseits von Hektik und Trubel unserer Zeit zu befinden.

Ich wünsche Euch einen wundervollen Marokko Roadtrip, mit hoffentlich einmaligen Eindrücken und sympathischen Begegnungen.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.