Eine Woche Kolumbien: Von Graffiti und Wachspalmen

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Mit dem Round The World Ticket der Star Alliance reisten Anne und Clemens um die Welt. Hier verraten sie Euch die Highlights ihrer einwöchigen Kolumbien-Rundreise.

Unser erster Eindruck von Bogotá: die Stadt ist riesengroß. Schier endlos erstreckt sie sich bis zum Horizont. So weit das Auge reicht sind nur Gebäude zu sehen: von klein bis groß, von grau bis bunt, von einfach bis zum Hochhaus mit blinkender LED-Wand. Dazwischen einige Grünanlagen und weitläufige Plätze. Schaut man sich die reinen Zahlen an, weiß man, wieso uns die Stadt so unglaublich groß vorkommt. Denn sage und schreibe acht Millionen Einwohner zählt Bogotá, das sind mehr als doppelt so viele wie Berlin. Doch was hat die Hauptstadt Kolumbiens zu bieten? Und der Rest des Landes? Wie viel kann man in einer Woche in Kolumbien entdecken? Wir wollen es herausfinden und beginnen am wohl besten Ort dafür: auf Monserrate, dem Hausberg von Bogotá.

Bogotá – Cerro de Monserrate – Zipaquirá – Villa de Leyva

Der Cerro de Monserrate ist ein 3.152 Meter hoher Berg im Stadtbezirk Santa Fe. Wir erklimmen den Monserrate stilecht mit der Standseilbahn inklusive Glasdach. In wenigen Minuten überwinden wir die gut 500 Höhenmeter, denn Bogotá selbst liegt bereits 2.640 Meter hoch. Was uns dort erwartet, ist eine der wichtigsten Pilgerstätten des Landes: nämlich eine malerische, weiß getünchte Kirche. Sie wurde im 17. Jahrhundert auf dem Berg erbaut und ist heute der Grund für viele, zu Fuß auf den Monserrate zu pilgern. Im Inneren befindet sich in einem Schrein die Statue des Gefallenen Jesus, El Señor Caído. Wieder im Freien überzeugt uns vor allem der Panoramablick auf das Stadtzentrum und die Umgebung. 

Cerro de Monserrate: Hin- und Rückfahrt mit Standseilbahn für COP$16.400 (ca. 4,86 Euro)

Wir haben heute noch mehr vor und fahren wieder runter vom Berg und raus aus der Stadt nach Zipaquirá. Dort geht es unter Tage. Oder um genauer zu sein, in die größte Untertagekathedrale der Welt. Zu unserer Überraschung fährt man jedoch nicht mit einem Aufzug hinunter in das Salzbergwerk, nein, man spaziert einfach mehrere Kilometer in den Berg hinein. Unten treffen wir auf die berühmte Salzkathedrale, Catedral de Sal, eine katholische Kirche, die jedoch keinen offiziellen Status als Kathedrale hat. Stattdessen überrascht sie mit einer eher künstlerischen Herangehensweise an das Christentum und Kreuz-Symboliken, vor allem mit Skulpturen aus Salz und Marmor. Diese künstlerische und architektonische Gestaltung der „neuen“ Catedral de Sal geht zurück auf den Architekten Roswell Garavito Pearl aus Bogotá, dessen Arbeit im Jahre 1990 den Wettbewerb bei einem Projekt der Sociedad Colombiana de Arquitectos unter 44 Teilnehmern gewann. Seither erfreut sich die Untertagekathedrale bei Besuchern aus aller Welt reger Beliebtheit. Und tatsächlich, am ein oder anderen Salzkreuz, hunderte Meter unter Tage, kniet ein Besucher ins Gebet vertieft. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Catedral de Sal: COP$50.000 (ca. 15 Euro)

Noch am Abend erreichen wir unser nächstes Ziel: Villa de Leyva, eine kleine Gemeinde im Departamento Boyacá, wo wir den Tag mit einem ausgiebigen Abendessen, einem kurzen Verdauungsspaziergang und einem kühlen Bier in der schnuckeligen Bar Casa Lokal ausklingen lassen.

Hotel: La Roca, Cl. 13 #9-54, Villa de Leyva

Bar: Casa Lokal, Cra. 8 #11-56, Villa de Leyva

Villa de Leyva – Laguna de Guatavita – Bogotá

Der nächste Tag beginnt früh. Schließlich wollen wir was sehen von Villa de Leyva. Das restaurierte kleine Städtchen wurde 1572 gegründet und nach dem ersten Präsidenten Neugranadas, Andrés Díaz Venero de Leyva, benannt. Seit die reizende Siedlung im Jahr 1954 unter Denkmalschutz gestellt wurde, wird sie liebevoll in Stand gehalten und gilt heute als ein Ort der Ruhe und Entspannung. Auch wir fühlen uns nach einer kleinen Stadterkundung gleich etwas erholt. Wir treffen auf gepflasterte Gassen, auf urige Innenhöfe, auf weiße Hausfassaden mit großen Holztüren und -fenstern und schöne, maurisch beeinflusste Balkone. Und das Beste: heute ist Markt. Und zwar auf dem schönsten Platz des Kolonialstädtchens, dem großen Plaza Mayor. Heute steppt hier der Bär. Zwischen Gemüse- und Obstständen singen und musizieren Jung und Alt auf einer Bühne und nebenan wird Fleisch über dem offenen Feuer gegrillt, sodass der zarte Geruch von Holzkohle und Rindfleisch in der Luft liegt.

Am Tag darauf machen wir uns auf den Rückweg nach Bogotá. Dazwischen halten wir jedoch kurz an der Laguna de Guatavita, dem See an dem die Legende des El-Dorado-Schatzes geboren wurde. Doch so schön das Bergseepanorama auch sein mag, Gold befindet sich heute hier ganz sicher nicht mehr. 

Hotel: Casa Platypus, Cra. 3 #12f28, Bogotá

Bogotá – Armenia

Der nächste Tag beginnt sportlich, nämlich mit einer mehrstündigen Fahrradtour durch Bogotá. Dass wir dies an einem Sonntag machen, ist keinesfalls Zufall. Denn an Sonn- und Feiertagen heißt es in Bogotá: Ciclovía. Dabei handelt es sich um einen Fahrradtag, an dem 120 Kilometer der Straßen der kolumbianischen Hauptstadt für ein paar Stunden für den Autoverkehr gesperrt sind. So radeln wir in Begleitung eines Einheimischen, der uns die Sehenswürdigkeiten links und rechts des Wegesrandes erklärt, durch die bogotanischen Straßen und lassen uns nicht einmal von anhaltenden Regenschauern beeindrucken. Die Tour beenden wir mit einem Spaziergang über den Künstlermarkt Usaquens, wo Einheimische aus Bogotá und der näheren Umgebung ihr Kunsthandwerk anbieten, von handgehäkelten Umhängetaschen, über goldene Armreife bis hin zu Ketten und Ohrringen.

Am Nachmittag steht etwas ganz anderes auf dem Programm: Armenia. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um den Binnenstaat im Kaukasus, sondern um eine Stadt in Zentralkolumbien und die Hauptstadt des Departamentos Quindío. Nach einem einstündigen Flug sind wir auch schon da und beziehen unser Zimmer irgendwo in der Pampa. Denn dort steht die Kaffeefinca von Yolanda. Bei Yolanda handelt es sich, wie sich herausstellt, um eine rund 70-jährige Frau, die uns sofort wie zwei verlorene Enkelkinder bei sich aufnimmt, den ganzen Abend wirklich lecker bekocht und auch mit Wissen über allerlei Flora und Fauna in der Region überhäuft. Dass wir aufgrund unserer sehr mageren Spanischkenntnisse kaum etwas verstehen, scheint sie nicht annähernd zu stören. Wieso auch? Hände und Füße tun es ja in den meisten Fällen auch.

Hotel: Finca San Diego, Corregimiento el caimo municipio de Armenia, vereda la primavera, km 5, Armenia

Armenia – Medellín

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg ins Cocorá-Tal, das nicht nur hochalpin anmutet, sondern auch tatsächlich rund 3.000 Meter hoch liegt. Eines überragt jedoch das Blätterdach der Wälder: die sogenannten Wachspalmen. Dabei handelt es sich, wie wir erfahren, um Kolumbiens Nationalbaum, die Quindio-Wachspalme.

Über drei Stunden wandern wir mit Axel, einem deutschen Auswanderer, über Stock und Stein und erfahren alles Wissenswerte über die Region und den hochandinen (wie hochalpin in den Anden heißt) Nebelwald. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass es sich bei den so fotogenen Wachspalmen um die höchsten Palmen der Welt handelt? Tatsächlich werden diese zwischen 60 und 80 Meter hoch. Nach so viel Wanderaktivität in dünner Luft, werden die Beine irgendwann schwer und so lassen wir unseren Ausflug bei einem frisch gebrühten Kaffee in Salento ausklingen, bevor wir noch am gleichen Abend weiter nach Medellín fliegen und dort müde ins Bett fallen.

Hotel: La Campana, Calle 11A No.31 A – 70, El Poblado, Medellin

Medellín – Bogotá

Medellín, die gefährlichste Stadt der 1980er- und 90er-Jahre. Soll sie etwa heute nur noch ein Touristenmagnet sein? Wir wollen uns selbst davon überzeugen und starten mit der einheimischen Touristenführerin Isabela eine Tour durch zwei der berüchtigtsten Stadtviertel von einst: der Comuna 13 und der Comuna 1. Beide erstrecken sich in verschiedenen Gegenden der Stadt über mehrere Hügel hinweg und erinnern von weiter weg ein wenig an die Favelas von Rio. Ein buntes Haus bettet sich an das nächste, eine Gasse ist enger als die andere und eine Straße bunter als die andere. Denn wo man auch hinschaut, sind die Straßen voller Graffitikunst.

Statt auf Drogendealer, Mafiosi oder andere zwielichtige Zeitgenossen treffen wir auf eine sehr kunstvolle Bewältigung der Vergangenheit; auf große Wandgemälde, die auf die Kämpfe von einst eingehen und auf einstige Schlachtrufe, die wie Zeitzeugen an den Wänden prangen. Von Drogengewalt keine Spur. Im Gegenteil: Einige der berüchtigten Kommunen erleben gerade eine Zeit des Wandels. Zum Beispiel durch den Anschluss an eine Metro, den Bau einer Seilbahn und einer Rolltreppe, um die Höhendifferenzen zwischen den Hügeln zu überwinden. Veränderungen, auf die der Großteil der Einwohner stolz ist. Wir verabschieden uns aus dieser friedlichen Stadt im Wandel und fliegen noch am Abend von Medellín zurück nach Bogotá.

Bogotá

Bogotá kann auch Streetart, so hörten wir von allen Seiten. Also wollen wir uns auch diese mal genauer anschauen und starten am nächsten Morgen um 10 Uhr zu einer zweistündigen Graffiti- und Streetart-Tour durch das historische Zentrum und durch die Innenstadt. Dabei entdecken wir die Kunstwerke nationaler und erstaunlicherweise auch vieler internationaler Künstler, die nicht nur vom Wandel der kolumbianischen Gesellschaft erzählen. Einige Kunstwerke gehen kritischer mit der Gegenwart um und setzen sich mit der indigenen Weltanschauung und einer konsumorientierten Kultur auseinander. Wie schon in Medellín scheint auch Bogotà wie geschaffen zu sein für Streetart aller Art. Wohin man auch schaut, betten sich die bunten Kunstwerke so gekonnt ins Stadtbild, dass sie die Bevölkerung gar nicht mehr missen mag. Und das ist leicht nachzuvollziehen.

Kolumbien – ein Land zwischen Großstadt und Natur

In Kolumbien kann man erstaunlich viel sehen und erleben. Angefangen von Großstädten wie Bogotá und Medellín, über idyllische Städtchen wie Villa de Leyva bis hin zu echten Naturwundern wie dem Cocorá-Tal mit seinen verwunschenen Wachspalmen. Für einen kleinen Einblick in ein faszinierendes Land, war unsere Reiseroute ein gelungener Anfang, der förmlich nach einem weiteren Trip nach Südamerika ruft.

2 Kommentare

  1. In meinem Kommentar zum „Roadtrip durch Taiwans Westen“ (28.03.17) habe ich den Beginn von „Urians Reise um die Welt“ von Matthias Claudius zitiert. Das Gedicht geht weiter. Nach weiteren Strophen folgt schließlich das Ende:
    ….
    „Nach Java und nach Otaheit,
    Und Afrika nicht minder;
    Und sah bei der Gelegenheit
    Viel Städt‘ und Menschenkinder;

    Da hat Er gar nicht übel dran getan;
    Verzähl‘ Er doch weiter Herr Urian!

    Und fand es überall wie hier,
    Fand überall ’n Sparren,
    Die Menschen grade so wie wir,
    Und ebensolche Narren.

    Da hat Er übel dran getan;
    Verzähl‘ Er nicht weiter Herr Urian!“

    Ist tatsächlich alles „überall wie hier“ und sind „die Menschen grade so wie wir, und ebensolche Narren“?
    Oder gibt es – im Rückblick – doch Länder in denen die Menschen ganz anders sind?

  2. Stimmt genau, die Menschen sind überall gleich und doch ganz anders. Doch Narren gibt es überall, da bin ich mir sicher.

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