Glücksgepuste: Kayaking in British Columbia

Kajaken in British Columbia: Hier begegnet man beim Paddeln riesigen Meeresbewohnern, schaut Buckelwalen beim Fressen zu, trifft auf den größten Seelöwen der Welt und kann sogar Orcas beobachten. Welche Glücksmomente bei einem solchen Kajakerlebnis warten, wann die beste Jahreszeit dafür ist und welche Anbieter empfehlenswert sind, verrät Off The Path in diesem Beitrag! 

Eins haben alle Abenteuer gemeinsam: Sie lassen sich kaum in Worte fassen und am Ende wartet immer das Glück – und ein ganz besonderes Glück wartet beim Kajaken in British Columbia.

Es geht los mit einem Wassertaxi

Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern laden wir unsere Drybags aufs gelbe Boot am kleinen Hafen von Port Hardy, einer Kleinstadt im Norden von Vancouver Island. Das Wasser der Johnstone-Straße ist ruhig, die Sonne scheint und über uns kreisen kreischende Möwen.

Man merkt es jedem einzelnen von uns an, die Aufregung, die Vorfreude. Wie damals, als man noch ein kleines Kind war und es kaum abwarten konnte, die Geschenke unterm Weihnachtsbaum auszupacken.

Endlich ist alles an Board und unser Kapitän startet den Motor. Sobald das Wassertaxi den Hafen verlassen hat, wird die See etwas rauer. Wie in einem Speedboot brettern wir über die Wellen, vorbei an Port McNeill und Malcolm Island. Zu unserer Rechten befindet sich Telegraph Cove, von hier starten ein Großteil der Walbeobachtungs-Touren. Insbesondere unter Orca-Forschern ist Vancouver Island einer der wichtigsten Orte der Welt.

Wir fahren weiter und halten Kurs auf Hanson Island – und tatsächlich: Vor uns springen ein paar Schweinswale aus dem Wasser und in der Ferne erspähen wir sogar einen Buckelwal!

Welchen Walen wir in den nächsten Tagen wohl noch so begegnen werden?


Unsere Kayakreise führt uns von Port Hardy, entlang der Malcolm Island und vorbei am Telegraph Cove, zur Hanson Island.

Wir beziehen unser Camp auf Hanson Island

Wir nähern uns Hanson Island und fahren vorbei an Weynton Island in eine kleine Bucht. Unser Guide Darren wartet bereits am Strand auf uns, nun heißt es, alles wieder ausladen. Wir bilden eine Kette und im Nu sind unsere Drybags an Land.

Sarah übernimmt und zeigt uns das Camp. Neben einer großen Outdoor-Küche und zwei Toiletten, gibt es hier sogar eine Dusche. Zudem warten mehrere Zelte auf uns, wir beziehen das “honeymoon tent”: Es steht auf einer Holzplattform, vom Eingang hat man eine direkte Sicht aufs Meer und die gegenüberliegende Telegraph Cove. Drinnen befinden sich zwei Einzelbetten. Am Kopfende trennt sie ein kleiner Tisch samt Lampe voneinander.

Wir laufen von unserem Zelt an die Spitze der Insel und machen es uns auf einem riesigen Baumstamm gemütlich. Ein dumpfes Geräusch weckt unsere Aufmerksamkeit: Es ist das Gepuste eines Wals. Diesmal schwimmt ein riesiger Buckelwal direkt an uns vorbei, nur wenige Meter vom Ufer entfernt.

„Lunch Time!“ reißt uns eine Stimme aus unserem Glück und wenig später bekommen wir ein leckeres Mittagessen serviert. Anschließend machen wir uns fertig und laufen zur Bucht, an der wie heute Morgen an Land gegangen waren. Jeder bekommt ein Kajak zugewiesen und danach geben uns unsere drei Guides Darren, Sarah und Ben eine Einführung ins Kajaken.

Der Wind weht zu stark, dafür warten Hängematten

Als wir unsere Kajaks gerade ins Wasser schieben wollen, pfeift uns Darren zurück. Der Wind hat sich gedreht und pustet nun so stark, dass eine Kajaktour nicht nur wenig Spaß machen würde, sondern auch gefährlich wäre. Enttäuscht schieben wir unsere Kajaks wieder an Land.

Die schlechte Laune hält nur kurz an, denn wir entdecken zwei Hängematten. Mit Jacke, Decke und Buch kuscheln wir uns in sie hinein. Bestimmt zwei Stunden verbringen wir hängend in den Bäumen und genießen es, einfach mal nichts zu tun zu haben – und genauso keinen Empfang zu haben. Wir ziehen auf die andere Seite der Insel um, lehnen uns an einen Felsen in der Sonne und versinken wieder in unseren Büchern. Auch diesmal holt uns eine Stimme zurück in die Gegenwart: “Appetizers ready!”, ruft Ben.

Zwischen Appetizern und Abendessen verbringen wir die Zeit an einer weiteren kleinen Bucht, hinter unserer Camp-Küche gelegen. Mit einer Flasche Bier in der Hand schauen wir einfach nur aufs Meer, bis das Abendessen fertig ist. Vollgefuttert und voller Vorfreude verkriechen wir uns später in unser Zelt.

Wir paddeln zur berühmten Big Bay

Am nächsten Tag geht es endlich mit den Kajaks raus. Zunächst machen wir ein paar Übungen, lernen unser Kajak zu manövrieren. Danach paddeln wir immer entlang der Südküste der Hanson Island und entdecken bunte Seesterne, Seegurken und kleine Fische, so klar ist das Wasser hier. Klar, aber eiskalt. Ein Grund, warum Wale und insbesondere Orcas sich hier so gerne aufhalten.

Wir paddeln bis ans südliche Ende der Hanson Island und entdecken erneut einen Buckelwal in der Ferne. Auf dem Rückweg ins Camp machen wir Halt in der Big Bay, benannt nach Mr. Big: Er erfand die Methode, Orcas anhand ihrer Rückenflosse zu unterscheiden. Seither werden so weltweit Individuen identifiziert und man weiß leider auch, dass die Orca-Population viel kleiner ist als gedacht – die Tiere sind sogar vom Aussterben bedroht.

Während wir den Buckelwalen gestern noch von Land aus beim Fressen zusahen, stecken wir nun mittendrin. Nur wenige Meter neben uns reißt ein Buckelwal sein riesiges Maul auf – uns stockt der Atem. Wir paddeln weiter, durch die Plumper Islands, vorbei an einer riesigen, nicht gerade gut-riechenden Kolonie mehrerer hundert Stellerschen Seelöwen: Bis zu drei Meter groß und eine Tonne schwer werden diese Tiere und sind somit die größte Seelöwenart der Welt.

Endlich entdecken wir die ersten Orcas!

Auf einer der Plumper Islands gehen wir an Land. Beim Mittagessen spotten wir in der Ferne eine kleine Gruppe Orcas und trauen unseren Augen kaum. Doch unser Fernglas bestätigt, was wir sehen: Mehrere Orcas schwimmen direkt vor der Küste der gegenüberliegenden Swanson Island.

Sofort packen wir unsere Sachen und begeben uns mit unseren Kajaks ins Wasser. Sarah kennt das Verhalten der Tiere und lässt uns in die entgegengesetzte Richtung der Swanson Island paddeln. Auf einmal taucht ein riesiger Orca in der Ferne vor unseren Kajaks auf. Es muss sich um einen Transient Orca handeln, erklärt uns Sarah. Im Gegensatz zu anderen Orcas, ernähren sich Transient Orcas ausschließlich von Meeressäugern.

Unsere Züge werden immer kräftiger, unser Kribbeln im Bauch immer stärker. Links neben uns entdecken wir zwei weitere Orcas und es scheint, als würden sie eine Robbe jagen. Sie sind so schnell, dass wir mit unseren Kajaks kaum hinterher kommen, und schon bald verschwinden sie hinter einer der Plumper Islands. Jeder von uns hat ein riesiges Strahlen im Gesicht.

Jedes Gepuste bedeutet pures Glück

Am Abend wartet der nächste Gänsehautmoment auf uns: Gemeinsam sitzen wir auf den Felsen der Hanson Island und schauen rauf aufs Meer, während eine kleine Orca-Familie im goldenen Licht der untergehenden Sonne an unserem Camp vorbeizieht. Wir sind uns alle einig: Besser könnte der letzte Abend im Camp nicht enden.

Auch wenn es immer nur wenige Minuten sind, sind es jedes Mal Momente voller Glück, und das Gepuste der Wale wird uns allen für immer mit einem Lächeln im Gesicht im Gedächtnis bleiben.

Weitere Informationen zum Kajakabenteuer

  • Es gibt mehrere Anbieter, die ein solches Kajakabenteuer im Programm haben. Wir haben es über Kingfisher Wilderness Adventures gebucht und können den Anbieter wärmstens empfehlen. Insgesamt kosten vier Tage und drei Nächte im Kingfisher’s Orca Waters Base Camp samt allen Mahlzeiten und Getränken wie Wasser oder Kaffee sowie dem kompletten Kajak-Equipment und wasserabweisender Jacke 1.450 CAD pro Person (ca. 950 Euro).
  • Port Hardy erreicht man am schnellsten mit dem Flugzeug von Vancouver aus, wie beispielsweise mit Pacific Coastal Airlines. Oder man baut dieses Kajakabenteuer in einen Roadtrip ein, nimmt von Vancouver aus die Fähre nach Nanaimo und fährt anschließend mit dem Auto weiter bis nach Port Hardy bzw. Port McNeill.
  • Angeboten wird das Camp in den Sommermonaten, zwischen Juni und September. Die beste Reisezeit ist jedoch der September: Die Temperaturen sind angenehm warm, es sind weniger Besucher vor Ort und dafür umso mehr Wale.
  • Neben Anziehsachen, einer Regenhose und Sandalen zum Kajaken, sollte man ein mittelgroßes Mikrofaser-Handtuch, eine Sonnenbrille und Stirnlampe, ein Fernglas, ggf. eine Action-Cam sowie eine kleine Drybag mitnehmen – größere Drybags bekommt man vom Anbieter vor Ort.
  • Neben den Southern Resident Orcas, die rund um Vancouver Island zuhause sind und sich von Fischen ernähren, wird die Region auch von den Transient Orcas heimgesucht: Diese sind wesentlich größer und ernähren sich von Säugetieren wie Robben oder kleineren Walen. Mit etwas Glück entdeckt man beim Kajaken nicht nur Orcas und Buckelwale, sondern auch Minkwale, Schweinswale und sogar Delfine!
Icelandair Logo Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Icelandair

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