Gesund auf Reisen: Tipps zur Vorsorge und Reiseapotheke

Die Reise ist gebucht, die Route steht fest und Deine Vorfreude ist groß. Jetzt stehst Du vor Deinem Medikamentenschrank und fragst Dich: Was muss mit? Was muss ich noch besorgen? Wie sieht es mit Impfungen und Vorsorge aus? Wir bieten Dir eine erste Orientierung.

Für deine Reiseapotheke haben wir dir Tipps und eine erste Orientierung anhand von vier groben Kategorien zusammengestellt. Für jede Kategorie haben wir die hilfreichsten Links im Internet recherchiert:

  1. Dein persönlicher Bedarf: Deine regulären Medikamente, die Du zuhause brauchst, die Du entweder regelmäßig oder im akuten Fall einnimmst.
  2. Die Standards: Das solltest du immer dabei haben, wenn du verreist.
  3. Apotheke nach Reiseziel: Die Medikamente für Dein jeweiliges Reiseziel.
  4. Von Prophylaxe bis Nachsorge: Für alle Eventualitäten gewappnet.

Tipps zur Vorbereitung: Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts studieren

Bevor wir auf Tabletten, Tuben und Utensilien eingehen, eine kurze Frage: Hast du vor der Buchung Deiner Reise die Reisewarnungen auf der Webseite des Auswärtigen Amtes studiert? Falls Du noch in der Planung steckst, lies bitte, wie die Gefahren in den Ländern eingeschätzt werden. Diese Informationen sind unsere ersten Gesundheitstipps, denn zum Teil geht es um die Sicherheit von Leib und Leben.

Die Experten des Auswärtigen Amtes sprechen vollständige Reisewarnungen und Teilwarnungen aus. Die Reisewarnungen beziehen sich auf das gesamte Land, die Teilwarnungen betreffen bestimmte Gebiete und Regionen, die Du vermeiden solltest.

Tipps zur Vorbereitung: mit dem Arzt sprechen

Unsere zweite Empfehlung vor Buchung und Reiseantritt: Unterhalte Dich mit Deinem Hausarzt, einem Reise- oder Tropenarzt über Deine Urlaubspläne. Vor allem dann, wenn du chronisch krank oder beispielsweise wegen Allergien anfällig bist. Es ist wert, diese Zeit zu investieren um deinen Urlaub auch sicher und in vollen Zügen genießen zu können. Für schwangere Frauen ist der Arztbesuch vor Reiseantritt keine Option, sondern Pflicht. Auch ein Termin beim Gynäkologen, um eine etwaige Schwangerschaft zu klären, macht die Reise noch unbeschwerter.

Dies als grundlegende Infos vorausgeschickt, beschäftigen wir uns jetzt mit der Reiseapotheke und den Vorsorgemaßnahmen.

Reiseapotheke: Dein persönlicher Bedarf

Reisen bergen immer Überraschungen: Schlechtes Wetter verhindert den Weiter- bzw. Rückflug oder der Koffer kann verspätet am Urlaubsziel ankommen. Deshalb ist es wichtig, Deine regulären Medikamente in ausreichender Anzahl mitzuführen. Bemesse sie nicht zu knapp, sondern sorge für ein gutes Polster, mit dem Du ein paar Tage überstehen kannst.

Packe Medikamente, die essentiell für dich sind, besser ins Handgepäck. So gerätst Du nicht in Panik, wenn die Koffer eben nicht sofort auf dem Laufband des Zielflughafens liegen. Für flüssige Medikamente gelten übrigens dieselben Einschränkungen für die Mitnahme im Handgepäck wie für alle Flüssigkeiten: nur in Mengen von 100 ml, und diese in einem verschlossenen, transparenten Beutel. Die Website des Flughafen München gibt einige Hinweise hierzu.

Wie wirkt sich eine große Zeitverschiebung aus?

Die Wirkung mancher Medikamente lässt nach, wenn man sich nicht an die richtigen Zeitabstände für die Einnahme hält. Wir können hier nicht auf alle Medikamente eingehen. Am besten sprichst Du rechtzeitig mit deinem Hausarzt, unter Umständen bereits Wochen vor der Abreise.

Ein Medikament ist für Frauen jedoch besonders wichtig: die Anti-Baby-Pille. Das Tropeninstitut liefert dafür eine detaillierte Empfehlungsliste. Die Experten gehen nicht nur auf die Zeitverschiebung, sondern auch auf die unterschiedlichen Wirkungen von Pille, Minipille und Kombipille ein.

So sollte der Einnahmeabstand 28 Stunden nie überschreiten. Wer erst vor der Reise mit der Schwangerschaftsverhütung beginnen möchte, dem raten die Mediziner, die Verträglichkeit der Pille schon einige Monate vor Reiseantritt zu testen. Geht Deine Reise in die Tropen, solltest Du eine Schwangerschaft auch noch drei Monate nach deiner Rückkehr tunlichst vermeiden, da die Malaria-Prophylaxe unter Umständen schädliche Auswirkungen auf den Embryo hat.

Kondome bieten nicht nur einen zusätzlichen Schutz vor Schwangerschaften, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Aids. Sie sollten deshalb zum Standardrepertoire gehören, womit wir bei der Grundausstattung sind.

Die Standards der Reiseapotheke: Das ist nie verkehrt

Ganz unabhängig davon, wohin Dich Deine Reiselust treibt, gibt es Medikamente und Mittel, die immer gute Begleiter sind. Wir haben vier Online-Ratgeber herausgesucht, die Du für Deine persönliche Checkliste nutzen kannst.

  • Allen voran das Auswärtige Amt mit einer sehr detaillierten Liste von Medikamenten.
  • Der Deutsche Apothekerbund nennt Anwendungsbereiche verschiedener Medikamente.
  • Netdoktor.de gibt Anwendungstipps und Hinweise zu den einzelnen Inhaltsstoffen.
  • Auch die AOK führt eine allgemeine Reisecheckliste. Die Krankenkasse nennt zudem die Unterlagen, die Du dabei haben solltest:
    • Versichertenkarte, EHIC (europäische Krankenversicherungskarte) sowie Deinen Impfausweis.
    • Auslandskrankenschein, falls die EHIC in Deinem Urlaubsland nicht gilt.
    • Versicherungsnachweise für den Auslandskrankenschutz inklusive Rücktransport.
    • Kreditkarte mit ausreichender Deckung oder Reiseschecks, da Behandlungen im Krankenhaus oder von einem Arzt im Ausland sofort bezahlt werden müssen.

Tipps: Die Apotheke nach Reiseziel

Einige staatliche Stellen bieten Dir ausführliche und regelmäßig aktualisierte Listen mit Hinweisen zur Gesundheitsvorsorge weltweit. Du erfährst, wo Infektions- und Tropenkrankheiten wie Malaria verbreitet sind und auch, welche Impfungen im Vorfeld notwendig sind. Hier sind zwei Quellen, die Dir weiterhelfen: Das Auswärtige Amt und der NHS for Scotland in englischer Sprache.

Schutz vor Insektenstichen

Der Schutz vor Insektenstichen gehört zum Wichtigsten, um das Du dich kümmern musst, wenn Du Länder besuchst, in denen sie gefährlich sind. Dabei ist es ganz egal, ob Du an die finnischen Seen oder in die Tropen reist. Überall, wo diese Plagegeister in Scharen herumschwirren und Krankheiten übertragen, solltest Du dich schützen. Moskitonetze besorgst Du am besten zuhause und nicht vor Ort. Wenn Du Pech hast, sind sie dort nicht (mehr) erhältlich.

Es gibt verschiedene Hersteller, die Kleidung mit insektenabweisenden Eigenschaften anbieten. Das allein reicht aber nicht. Packe ausreichend Vorräte an Mitteln zum Auftragen auf die Haut und für die Behandlung der Kleidung und des Moskitonetzes ein.

Eine körperbedeckende, helle und imprägnierte Kleidung, die nicht dünn, sondern etwas fester ist, mag in den heißen Ländern nicht Jedem gefallen, ist jedoch die erste Stufe beim Schutz vor Insektenstichen.

Schutz auf der Haut

Weil das Thema sehr wichtig ist, gehen wir jetzt detaillierter auf die Wirkstoffe ein.

Die meisten Fachleute empfehlen zum Auftragen auf die Haut Produkte auf der Basis des chemischen Wirkstoffs Diethyltoluamid (DEET). Verfügbar sind Präparate mit unterschiedlich hohem DEET-Anteil. Da DEET den Geruchssinn der Insekten verwirrt, hat die Höhe der Konzentration von DEET Einfluss auf die Dauer und Wirksamkeit des Präparates.

Allerdings ist DEET ein Lösungsmittel und kann zu Haut- und Schleimhautreizungen führen. Schwangere und Kleinkinder sollten es nicht nutzen. Wenn Du unsicher bist, ob Du es verträgst, frage lieber Deinen Hausarzt oder Apotheker. Dann kannst Du es schon zuhause an kleineren Körperflächen ausprobieren und siehst, wie Du darauf reagierst.

Schutz auf der Kleidung

Für insektenabweisende Kleidung wird der Wirkstoff Permethrin eingesetzt. Damit werden beispielsweise die Uniformen von Soldaten bei Auslandseinsätzen behandelt. Der Schutz durch Moskitonetze lässt sich noch erhöhen, wenn Du sie mit dem Wirkstoff imprägnierst.

Anders als DEET wirkt Permethrin, indem es von Insekten gefressen wird oder sie mit ihm in Berührung kommen. Es handelt sich um ein Nervengift, das aufgrund der geringen Konzentration bei einer sachgemäßen Imprägnierung von Kleidungsstücken für den Menschen jedoch ungefährlich ist. Da Juckreiz, Allergien und Haarausfall nicht ausgeschlossen werden können, sollte auch hier ein Arzt oder Apotheker zu Rate gezogen werden.

Von Prophylaxe bis Nachsorge: Für alle Eventualitäten gewappnet

In vielen Malariagebieten ist Vorbeugung, genannt Prophylaxe, dringend angeraten. Hier helfen die Empfehlungen zur Malariavorbeugung der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit. In diesem Dokument findest Du Karten, die die Regionen zeigen, für die eine Prophylaxe sehr angeraten ist.

Vorsorge, nicht nur gegen Malaria, sondern auch Impfungen gegen Gelbfieber und Polio, sind in einigen Ländern von der Weltgesundheitsorganisation sogar vorgeschrieben. Für Reisen in die Länder Afghanistan, Pakistan, Laos, Myanmar und Indien sowie in Afrika für Madagaskar, Nigeria, Guinea, Somalia, Äquatorialguinea, Kamerun, Niger und Tschad und in Europa für die Ukraine wird eine regelmäßige Auffrischung der Impfung empfohlen.

Tipp: Medikamente zur Selbstbehandlung

Gleichzeitig sollte man sich über die notfallmäßige Selbstbehandlung im Klaren sein, wenn man Symptome zeigt, die darauf schließen lassen, dass man sich infiziert hat. Welche Medikamente zur Selbstbehandlung geeignet sind, kannst Du im oben genannten Leitfaden zur Malariavorbeugung ab Seite 29 unter „Liste zu den landesspezifischen Empfehlungen zur medikamentösen Malariaprophylaxe oder notfallmäßigen Selbsthandlung“ nachlesen.

In Malaria-Risikogebieten gilt die Regel: Binnen 24 Stunden nach dem Auftreten von Fieber, dessen Herkunft unklar ist, solltest Du einen Arzt aufsuchen. Die Risikoländer findest Du bei der Gesellschaft für Tropenmedizin.

Tipp: Auf die Reisezeit achten

Erfahrene Reiseblogger wie Annewhere empfehlen, in punkto Vorsorge auch die Reisezeit zu beachten. Generell sei das Risiko angesteckt oder infiziert zu werden in der Regenzeit höher. Um auf Nummer sicher zu gehen, solltest du dich allerdings zu jeder Zeit optimal schützen. Selbst die Trockenzeit kann keinen hundertprozentigen Schutz bieten. Es kann fatale Folgen haben, wenn du dich aufgrund einer bestimmten Reisezeit in Sicherheit wähnst und den Infektionsschutz vernachlässigst. Sicherheit ist Trumpf, das gilt auch hier.

Rat vor Ort

Wenn Du in Deinem Reiseland erkrankst und keine entsprechenden Medikamente von zuhause mitgebracht hast, solltest Du am besten ein Krankenhaus aufsuchen oder eine Apotheke in der nächsten Stadt. Dort bist Du vor Medikamentenfälschungen sicherer als beim Tablettenhändler um die Ecke.

Manchmal kennen einheimische Ärzte und Apotheker Mittel, die bei uns nicht erhältlich oder unbekannt sind. Sie kennen oft auch die Ursachen für Krankheiten und können die Medikation besser abstimmen als ein Laie. Aber versuche, eine möglichst vertrauenswürdige Institution anzusteuern. Medikamentenfälschungen sind nicht nur wirkungslos, sondern auch schädlich.

Mit Medikamenten unterwegs: Hinweise für Aufbewahrung und Transport

Während der Reise solltest Du Deine Reiseapotheke nach Möglichkeit kühl halten. Die Schwelle von 25 Grad ist vor allem in der Sonne schnell überschritten. Du solltest deine Medikamente am besten in einer Isoliertasche, gegebenenfalls mit einem Kühlelement, transportieren und, wo immer möglich, im Kühlschrank (aber sicher vor Kinderzugriff) aufbewahren. Beachte bitte, dass bei Langstreckenflügen keine Kühlmöglichkeit besteht.

Reiseapotheke: Nachsorge

Nach der Rückkehr aus bestimmten Ländern, wie zum Beispiel Brasilien oder Kolumbien, sollten männliche Reisende bis zu zwei Monate lang weiterhin Kondome benutzen, um ihre Partnerin zu schützen. Wenn während oder nach der Reise Krankheitssymptome wie Fieber und Gelenkschmerzen auftreten, könnte es sich um eine ZIKV-Infektion, also das Zika-Virus, handeln. Ein Besuch beim Arzt oder im Tropeninstitut gibt Klarheit darüber. Im Fall einer Infektion sollten Männer weitere sechs Monate vom ungeschützten Verkehr absehen. Frauen sollten innerhalb von sechs Monaten nach einer Südamerikareise nicht schwanger werden.

Und schließlich – nach der Reise ist vor der Reise – solltest Du nach Deiner Rückkehr prüfen, welche der Medikamente noch haltbar und welche abgelaufen sind. Denn wir wünschen Dir natürlich, dass die meisten Bestandteile Deiner Reiseapotheke nie zum Einsatz kommen.

 

Bildnachweise in der Reihenfolge des Erscheinens:

  • Bild: Michal Jarmoluk via stocksnap
  • Hausmittel mögen gut sein – eine umfassende Vorsorge ist aber definitiv besser. Bild: Dominik Martin via stocksnap
  • Der Einnahmezeitpunkt von Medikamenten muss an die jeweilige Zeitzone angepasst werden. Bild: TheDigitalWay via Pixabay
  • Für eine reibungslose Behandlung am Urlaubsort gehört der Impfausweis mit ins Gepäck. Bild: ©Dirk VorderstraßeImpfen“ via Flickr, licensed under CC BY 2.0
  • Duftende Alternative: Auch Kerzen mit Citronella halten Mücken fern. Bild: ©lisaclarkeCitronella candle and punks” via Flickr, licensed under CC BY-ND 2.0
  • Plagegeist und Krankheitsüberträger: Tigermücke in Aktion. Bild: WikiImages via Pixabay
  • Unklares Fieber? Bei Zweifel ab ins Krankenhaus. Bild: Oles kanebckuu via stocksnap

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