Apulien: Weiße Städte, Grotten und der Charme Baris

Der zweite Teil von Anikas Roadtrip führte sie durch Apulien: von der „weißen Stadt“ Ostuni über Polignano a mare, eine Kleinstadt, die ein Traum für alle Fotografen ist, zurück nach Bari. Die Hauptstadt Apuliens überraschte sie so positiv, wie sie es lange nicht vermutet hätte. Travellers Insight nimmt euch mit in die italienische Region.

Dieser Artikel ist die Fortsetzung von Anikas Beitrag Apulien: Slow Travelling in Italiens bezauberndem Süden.

Apulien: Schlemmen in Ostuni und Staunen in der Grotte di Castellana

Ostuni am späten Vormittag: Der Ortskern der Altstadt liegt auf drei Hügeln, von denen aus man sowohl das Meer als auch die umliegenden Olivenhaine sehen kann. Bingo, Zeit für Mittagessen! Ich ließ mich durch das Straßengewirr der „weißen Stadt“ treiben und setzte mich auf die Terrasse des Restaurants Il Posto Affianco, bestellte Pasta in einer Sahnesoße, die in einer Parmesankruste angerichtet war, und trank ein Glas eiskalten Weißwein dazu. Da hatte ich ihn, meinen perfekten Italienmoment, denn der Tag war heiß und das Essen lecker.

Außerdem sehr zu empfehlen in Ostuni ist die Osteria del Tempo Perso, die zwar etwas versteckt liegt, aber genau darum geht es ja in diesen kleinen Altstädten: Suchen, sich verlieren und dadurch kleine Schätze finden.

Apropos Schätze: Wer Souvenirs shoppen möchte, ist hier richtig. Ich fand sie andernorts sehr verkitscht, in Ostuni gab es allerdings viele schöne Läden rund um den Altstadtkern.

Apulien: auf Privattour durch die Grotte di Castellana

Am Nachmittag folgte ich einem Tipp, den ich vorab bekommen hatte: Der Grotte di Castellana einen Besuch abstatten. Das Erste, was mir auffiel, als ich Richtung Kassenhäuschen lief: Mehrmals am Tag wurden verschiedene Führungen angeboten, auch in Deutsch. Mein großes Glück: Da ich die einzige Englisch sprechende Touristin unter unzähligen Italienern war, bekam ich einen Guide für mich alleine und wir liefen zu zweit durch die Grotte – meine Privattour vollkommen auskostend.

Der Besuch beginnt immer in der Grave, einer Höhle mit einer Tiefe von 60 Metern, einer Breite von 100 Metern und einer Höhe von 100 Metern, welche mich komplett umgehauen hatte. Ich war zuletzt als Kind in einer Salzgrotte, doch die war lange nicht so mächtig. 70 Meter unter der Erde, konstante 16 Grad, nur in einigen Durchgängen war es noch kühler. Ich liebte die frische Luft hier unten und auch, mal wieder etwas über die Entstehung solcher Grotten zu erfahren. Mich hat sie schwer beeindruckt. Die Anekdoten darüber, welche Zeichen und Figuren ihr Entdecker in den einzelnen Stalaktiten, Stalagmiten und sonstigen Karstformationen gesehen hat („Jungfrau Maria“, „riesige Eiskugel“, „Der Wolf“) waren außerdem ziemlich unterhaltend.

Tipp: Es gibt zwei Touren, die kurze, die ungefähr 45 Minuten dauert, und die längere, die sich über drei Kilometer zieht. Ich habe die kurze Tour für 12 Euro gebucht, mir hat das gereicht. Bei der zweiten gelangt man noch tiefer in die Höhle bis in die letzte Grotte hinein, die aufgrund ihres Alabasters „Weiße Grotte“ genannt wird. Für Fans unterirdischer Mystik sicherlich ein Muss.

Apulien: Durchatmen im pittoresken Polignano a mare

In Polignano kam ich an, lief direkt, in einem ziemlich schnellen Schritt hinein in die Altstadt. Immer weiter, bis ich das Meer sehen konnte, lief zum Geländer, hielt mich fest und dachte mir: Ja. Ja, so habe ich mir das hier vorgestellt.

Die Klippen direkt unter mir, links von mir der schöne Stadtstrand, einer der meistfotografierten überhaupt und daher weltweit bekannt. Ich erfuhr von einem anderen Touristen, der neben mir stand, dass genau hier das Red Bull Cliff Diving zwei Wochen zuvor stattfand. Verrückt! Rechts von mir erstreckte sich die Stadt weiter, direkt entlang der mit Meeresgrotten durchzogenen Felsen. Polignano a mare – ein Name der hält, was er verspricht. Die kleine Stadt ist ein Traum.

Ich atmete ein letztes Mal die Salzluft Polignanos ein – bevor ich ins Auto stieg und meine letzte Strecke bevorstand. Zurück nach Bari, in die pulsierende Hauptstadt Apuliens. Eine Art Pflichtbesuch, man sollte sie zumindest mal gesehen haben, dachte ich mir, als ich den Schlüssel umdrehte. Doch glücklicherweise entpuppte sich Bari als viel mehr als das.

Apuliens Lebensgefühl tanken im pulsierenden Bari

Bari teilt sich in zwei sehr unterschiedliche Stadtbilder, was zwar grundsätzlich der Fall bei alten Städten ist, doch hier sehr auffällt: Der neuere Teil, der am Bahnhof beginnt und sich in breiten Straßen, gesäumt mit unzähligen Prachtbauten, bis zur Altstadt erstreckt. Und ebendiese, mit dem typischen Gassengewirr, das hier allerdings zum ersten Mal nicht wirkte, als wäre es für Touristen herausgeputzt worden. Nein, hier wohnten viele Einheimische, wahrscheinlich schon ihr ganzes Leben lang. Und genau deswegen erlebte ich auch zwei komplett unterschiedliche Atmosphären, wenn ich von Neu nach Alt lief.

Bari: das neue Apulien

Neu, das waren Straßen, ähnlich dem Straßennetz New Yorks aufgebaut, in denen man sich kaum verlaufen konnte. Die prunkvollen Altbauten waren nicht nur wunderschön, sondern wirklich atemberaubend und imposant. In der Fußgängerzone, aber auch drum herum, kann man gut italienische Marken shoppen und sich umsehen, was junge Italiener einkaufen.

Tipp zur Stärkung: Das hippe Spops, ein großer Laden, der jeden Tag von regionalen Obst- und Gemüsehändlern beliefert wird und wo es alles gibt, was das Herz begehrt – vom Espresso über Lunch bis hin zu einem leckeren Abendessen.

Bari: das antike Apulien

Alt, das waren die teilweise gepflasterten und sehr schmalen Gassen, die Città Vecchia, in der das Herz eines sehr alten Italiens schlug. Als ich dort ankam und bemerkte, dass die vereinzelten Touristen in den Straßen verschwanden und ich manchmal ganz alleine dastand, fühlte ich mich seltsam fehl am Platz. Als wäre ich in das Wohnzimmer einer Nonna hineingestolpert, obwohl ich überhaupt nicht dorthin gehörte. Hier in der Altstadt waren den Bewohnern die Touristen herzlich egal. Hier wohnte man – e basta. Und deswegen war das auch so interessant.

Bari: Das authentische Treiben Apuliens beobachten

Ich streunte herum zwischen älteren Damen, die vor ihren Häusern saßen, Pastateig kneteten und Gebäck verkauften. Ich sah dabei zu, wie ein junger Mann ein Körbchen mit Einkäufen mittels eines Flaschenzugs auf den Balkon einer Wohnung zog, beobachtete das Ankommen einer Hochzeitsgesellschaft in einer der vielen Kirchen und aß währenddessen Eis – und zwar bei Sandrino, wo das Eis natürlich und ohne Zusatzstoffe hergestellt wird.

Bari: Sehenswürdigkeiten Apuliens

Wirklich sehenswert in Bari: Die Basilika San Nicola sowie die Kathedrale. Und für einen kleinen Geschichtsausflug natürlich die Burg, das Castello Normanno-Svevo. Für Kunstliebhaber ist die Pinakothek absolut empfehlenswert, vor allem schön zu verbinden mit einem langen Spaziergang entlang des Hafens, wenn die Stadt erwacht und man den Fischern direkt auf die Finger schauen kann.

Ciao Bari, ciao Puglia – alla prossima volta, bis zum nächsten Mal!

Diese Reise wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von Transavia.

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